Mathematik in der Fachinformatiker Ausbildung

Wie schwer ist der Matheanteil in der IT-Ausbildung wirklich? Welche Themen dich erwarten, welche konkreten Aufgaben gestellt werden und welche Grundlagen du sauber beherrschen solltest.

Portrait von Noel Lang

Noel Lang

Gründer & Fachinformatiker

Veröffentlicht: Aktualisiert: 4 Min. Lesezeit

Oft bekomme ich die Frage, wie schwer der Matheanteil in der IT-Ausbildung sein wird. Viele denken bei Informatik direkt an Hochschulmathematik. Die duale IT-Ausbildung ist aber berufspraktischer aufgebaut: Rechnen taucht vor allem in konkreten Situationen auf, etwa bei Kosten, Netzwerken, Daten, Elektrotechnik oder Wirtschaftlichkeit. Du musst dafür kein Mathematikstudium nachholen, solltest die Grundlagen aber sauber beherrschen.

MathethemaWo es in der IT-Ausbildung auftauchtBeispiel
Dreisatz und ProzentrechnungKosten, Rabatte, Auslastung, AngeboteLizenzkosten vergleichen
Lineare Gleichungeneinfache technische oder wirtschaftliche AufgabenBreak-even oder Make-or-Buy
Einheiten umrechnenSpeicher, Bandbreite, Strom, ZeitMbit/s in MB/s einordnen
Modulo/Rechnen mit RestProgrammierung und AlgorithmenRestklassen oder Schleifenlogik
StatistikDaten- und ProzessanalyseMittelwert, Streuung, Ausreißer

Mathematik in der Berufsschule

In vielen Berufsschulen steht Mathematik nicht als isoliertes Hauptfach im Mittelpunkt. Der KMK-Rahmenlehrplan arbeitet mit Lernfeldern, die sich an beruflichen Handlungssituationen orientieren. Deshalb begegnet dir Mathematik meist innerhalb anderer Themen: Angebote vergleichen, Subnetze berechnen, Daten auswerten, elektrische Größen einordnen oder eine wirtschaftliche Entscheidung begründen.

Was du können musst

Die Anforderungen sind in der Regel gut machbar, wenn die Grundlagen sitzen. In der Berufsschule kommen Menschen mit unterschiedlichen Bildungswegen zusammen. Ein höherer Schulabschluss kann helfen, ersetzt aber kein Üben. Grundsätzlich kommt es auf folgende Dinge an:

  • Grundrechenarten
  • Dreisatz
  • Prozentrechnen
  • Einfache Funktionen und lineare Gleichungen
  • Modulo / Rechnen mit Rest

Schwierig wird es meist nicht wegen komplizierter Formeln, sondern wegen der Anwendung im Kontext. Du musst erkennen, welche Information aus der Aufgabe wichtig ist, welche Einheit gemeint ist und welche Rechenregel passt. Ein Beispiel aus der Elektrotechnik:

Aufgabe: Berechnung des Stroms in einem elektrischen Schaltkreis

Gegeben ist ein elektrischer Schaltkreis mit einer Spannung von 12 Volt und einem Widerstand von 4 Ohm. Berechne den Strom, der durch den Schaltkreis fließt, unter Verwendung des Ohmschen Gesetzes.

Das Ohmsche Gesetz lautet:

I=URI = \frac{U}{R}

Wobei:

  • II der Strom (in Ampere) ist
  • UU die Spannung (in Volt) ist
  • RR der Widerstand (in Ohm) ist

Lösung:

In dieser Aufgabe haben wir eine Spannung von 12 Volt und einen Widerstand von 4 Ohm:

I=12V4ΩI = \frac{12 \, \mathrm{V}}{4 \, \Omega}

Teilen wir die Spannung durch den Widerstand:

I=3AI = 3 \, \mathrm{A}

Der Strom, der durch den Schaltkreis fließt, beträgt 3 Ampere.

Wie du siehst, ist das Lösen der Aufgabe rechnerisch überschaubar. Entscheidend ist, dass du die Größen erkennst, die Formel korrekt einsetzt und mit Einheiten sauber umgehst.

Ausnahme: Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse

In der Fachrichtung Daten- und Prozessanalyse kann später mehr Mathematik vorkommen. Das liegt daran, dass du dich stärker mit Daten, Auswertungen, Datenqualität und Prozessen beschäftigst. Typische Grundlagen sind:

  • Statistik
  • Wahrscheinlichkeitsrechnung

Auch hier geht es nicht darum, ein Mathematikstudium nachzuholen. Du solltest aber bereit sein, Lage- und Streuungsmaße, einfache Wahrscheinlichkeiten, Diagramme und Dateninterpretation wirklich zu verstehen.

Beispiel BWL: Make or Buy Analyse

Eine Make-or-Buy-Analyse ist eine betriebswirtschaftliche Entscheidungsfindungsmethode, bei der ein Unternehmen abwägt, ob es eine Leistung selbst erbringen (make) oder von externen Anbietern beziehen (buy) sollte. Dabei werden Faktoren wie Kosten, Ressourcenverfügbarkeit, Kernkompetenzen und strategische Ziele berücksichtigt, um die rentabelste und effizienteste Lösung zu ermitteln.

Angenommen, ein Unternehmen stellt Schreibblöcke her und überlegt, ob es die Papierabdeckungen selbst herstellen oder von einem externen Lieferanten beziehen soll. Die Kosten für die Eigenfertigung und den Fremdbezug sind wie folgt:

  • Fixkosten für die Eigenfertigung (FK): 2.000 €
  • Variable Kosten für die Eigenfertigung (vK) pro Abdeckung: 1 €
  • Preis für den Fremdbezug (P) pro Abdeckung: 1,50 €

Um die kritische Menge (x0) zu berechnen, bei der sich die Eigenfertigung lohnt, verwenden wir die folgende Formel:

x0=FKPvKx0 = \frac{FK}{P - vK}

Setzen wir die Werte aus unserem Beispiel ein:

x0=20001.501=20000.50=4000x0 = \frac{2000}{1.50 - 1} = \frac{2000}{0.50} = 4000

Die kritische Menge beträgt 4.000 Abdeckungen. Das bedeutet, wenn das Unternehmen plant, mehr als 4.000 Abdeckungen zu benötigen, ist die Eigenfertigung kostengünstiger. Wenn das Unternehmen weniger als 4.000 Abdeckungen benötigt, ist der Fremdbezug die günstigere Option.

Fazit

Der Matheanteil in der Ausbildung ist überschaubar, aber nicht egal. Wichtig ist, die jeweiligen Aufgabentypen zu üben und die Themen innerhalb der Fachgebiete zu verstehen: BWL, Elektrotechnik, Netzwerktechnik, Datenanalyse und IT-Grundlagen. Sobald du weißt, welche Formel wann passt und was die Begriffe bedeuten, werden viele Aufgaben deutlich handhabbarer.

Nächster Schritt

Wenn du für die Prüfung übst, kombiniere Mathe mit konkreten Aufgabentypen: AP Teil 1, AP Teil 2, Subnetting-Rechner und Notenrechner. Für Grundlagen helfen außerdem Effektiv lernen, Subnetting und Binärpräfix.

Offizielle Quellen

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Noel Lang

Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, baut Lernplattformen für IT-Azubis und schreibt hier über alles rund um den IT-Berufseinstieg.

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