Inhalte der Fachinformatiker-Ausbildung

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Die Ausbildung zum Fachinformatiker ist durch zwei zentrale Pläne strukturiert: Den Ausbildungsrahmenplan für den betrieblichen Teil und den Rahmenlehrplan für den schulischen Teil. Diese beiden Pläne sind inhaltlich aufeinander abgestimmt und ergänzen sich gegenseitig.

Der Ausbildungsrahmenplan legt die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten fest, die im Betrieb vermittelt werden müssen. Er ist in verschiedene Abschnitte unterteilt und gibt zeitliche Richtwerte vor, wann welche Inhalte vermittelt werden sollen. Dabei haben die ersten 18 Monate eine besondere Bedeutung, da sie die Grundlagen für Teil 1 der Abschlussprüfung bilden.

Der Rahmenlehrplan hingegen strukturiert den Unterricht an der Berufsschule in Lernfelder. Die ersten Lernfelder vermitteln die gemeinsame Basis der Fachrichtungen. Ab dem zehnten Lernfeld erfolgt dann die Spezialisierung in der jeweiligen Fachrichtung.

Die Kombination aus praktischer Arbeit im Betrieb und theoretischem Wissen aus der Berufsschule ist dabei kein Zufall: Während du in der Berufsschule die Grundlagen und Zusammenhänge verstehen lernst, wendest du dieses Wissen je nach Betrieb in Projekten, Kundenaufträgen oder internen Aufgaben an. Die Inhalte beider Pläne sind aufeinander abgestimmt und sollen sich gegenseitig ergänzen.

Für dich als Auszubildender ist wichtig: Die Umsetzung der Pläne kann in der Praxis flexibel erfolgen. Die zeitlichen Richtwerte sind kein starrer Wochenplan. Entscheidend ist, dass die vorgeschriebenen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten in der Ausbildung vermittelt werden. Dein Ausbildungsbetrieb erstellt auf Basis des Ausbildungsrahmenplans einen betrieblichen Ausbildungsplan, der die konkreten Stationen und Inhalte deiner Ausbildung festlegt. Dieser Plan berücksichtigt die spezifischen Möglichkeiten und Abläufe im Betrieb und sollte regelmäßig mit deinem tatsächlichen Ausbildungsstand abgeglichen werden.

Der Ausbildungsrahmenplan: die betrieblichen Inhalte

Der Ausbildungsrahmenplan ist in sechs Abschnitte (A bis F) gegliedert und beschreibt detailliert, welche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten während der betrieblichen Ausbildung vermittelt werden müssen. Diese Struktur gibt den Ausbildungsbetrieben einen klaren Rahmen vor.

Abschnitt A enthält die fachrichtungsübergreifenden berufsprofilgebenden Inhalte, die für alle Fachinformatiker gleich sind. Hier findest du grundlegende Kompetenzen wie das Planen von Arbeitsaufgaben, die Kundenberatung, das Beurteilen von IT-Systemen, Qualitätssicherung sowie IT-Sicherheit und Datenschutz. Für Teil 1 der Abschlussprüfung sind nach Ausbildungsverordnung besonders die in den ersten 18 Monaten vorgesehenen Inhalte der Berufsbildpositionen 1 bis 7 relevant.

Die Abschnitte B bis E beschreiben die spezifischen Inhalte der vier Fachrichtungen. Je nach gewählter Fachrichtung ist einer dieser Abschnitte für deine Ausbildung relevant:

  • Abschnitt B: Anwendungsentwicklung
  • Abschnitt C: Systemintegration
  • Abschnitt D: Daten- und Prozessanalyse
  • Abschnitt E: Digitale Vernetzung

Abschnitt F umfasst die integrativen Fertigkeiten wie Arbeitsrecht, Umweltschutz und vernetztes Zusammenarbeiten, die während der gesamten Ausbildung vermittelt werden.

Für jeden Ausbildungsabschnitt sind zeitliche Richtwerte in Wochen angegeben. Diese teilen sich auf die ersten 18 Monate und die restliche Ausbildungszeit auf. Betriebe müssen daraus einen betrieblichen Ausbildungsplan ableiten, können die konkrete Reihenfolge aber an betriebliche Abläufe anpassen.

In der Praxis setzen Betriebe den Ausbildungsrahmenplan unterschiedlich um. Größere IT-Unternehmen haben oft standardisierte Ausbildungspläne und durchlaufen die Inhalte systematisch. Kleinere Betriebe integrieren Ausbildungsinhalte häufiger direkt in Kundenprojekte oder interne Aufgaben. Beides kann funktionieren, solange die vorgeschriebenen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten tatsächlich vermittelt werden.

Für deine Ausbildung ist es sinnvoll, den Ausbildungsrahmenplan zu kennen und die Vermittlung der Inhalte zu dokumentieren, zum Beispiel im Ausbildungsnachweis. So erkennst du früher, wenn wichtige Inhalte in Betrieb oder Berufsschule noch fehlen.

Der Rahmenlehrplan: die schulischen Inhalte

Der Rahmenlehrplan strukturiert den Berufsschulunterricht in insgesamt zwölf Lernfelder. Diese Lernfelder orientieren sich an konkreten beruflichen Handlungssituationen und vermitteln die theoretischen Grundlagen für deine praktische Arbeit im Betrieb.

Die ersten Lernfelder bilden die gemeinsame Grundlage der Fachrichtungen und werden überwiegend in den ersten drei Ausbildungshalbjahren unterrichtet:

  1. Das Unternehmen und die eigene Rolle im Betrieb beschreiben
  2. Arbeitsplätze nach Kundenwunsch ausstatten
  3. Clients in Netzwerke einbinden
  4. Schutzbedarfsanalyse im eigenen Arbeitsbereich durchführen
  5. Software zur Verwaltung von Daten anpassen
  6. Serviceanfragen bearbeiten
  7. Cyber-physische Systeme ergänzen
  8. Daten systemübergreifend bereitstellen
  9. Netzwerke und Dienste bereitstellen

Diese Lernfelder sind für Teil 1 besonders wichtig, soweit sie zu den betrieblichen Inhalten der ersten 18 Monate passen. Nach KMK sind die Lernfelder 1 bis 5 in den modernisierten IT-Berufen identisch formuliert; Lernfeld 6 ist ebenfalls gemeinsam angelegt. Ob eine Berufsschule einzelne Inhalte vor AP1 bereits vollständig abgeschlossen hat, hängt von ihrer didaktischen Jahresplanung ab.

Im weiteren Ausbildungsverlauf folgen die fachrichtungsspezifischen Lernfelder 10 bis 12. Diese sind je nach Fachrichtung unterschiedlich ausgestaltet. In der Anwendungsentwicklung behandelst du beispielsweise die Gestaltung von Benutzerschnittstellen und die Realisierung von Funktionalitäten, während in der Systemintegration Serverdienste und Sicherheit vernetzter Systeme stärker im Fokus stehen.

Die Berufsschulen setzen den Rahmenlehrplan je nach Bundesland, Schule und Organisation als Blockunterricht oder an festen Wochentagen um. Der Unterricht ist handlungsorientiert angelegt: Du arbeitest häufig mit berufstypischen Situationen, projektartigen Aufgaben und praxisnahen Problemstellungen.

Für jedes Lernfeld sind Zeitrichtwerte in Unterrichtsstunden vorgegeben. Diese helfen den Lehrkräften bei der Unterrichtsplanung, können aber je nach Vorwissen der Klasse und regionalen Besonderheiten angepasst werden. Insgesamt umfasst der schulische Teil deiner Ausbildung 880 Unterrichtsstunden, verteilt über die drei Ausbildungsjahre.

Die Inhalte für Teil 1 der Abschlussprüfung

Teil 1 der Abschlussprüfung findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt und konzentriert sich auf die Grundkompetenzen, die in den ersten 18 Monaten vermittelt werden. Der Prüfungsbereich heißt “Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes” und macht 20 Prozent der Abschlussbewertung aus.

In diesem Prüfungsbereich musst du nachweisen, dass du:

  • Kundenbedarfe zielgruppengerecht ermitteln kannst
  • Hard- und Software auswählen und ihre Beschaffung einleiten kannst
  • einen IT-Arbeitsplatz konfigurieren und testen kannst
  • dabei Datenschutz, IT-Sicherheit und Qualitätssicherung beachtest
  • Kunden in die Nutzung einweisen kannst
  • die Leistungserbringung kontrollieren und protokollieren kannst

Aus dem Ausbildungsrahmenplan sind dafür besonders die Berufsbildpositionen 1 bis 7 aus Abschnitt A relevant:

  • Planen und Vorbereiten von Arbeitsaufgaben
  • Informieren und Beraten von Kunden
  • Beurteilen marktgängiger IT-Systeme
  • Entwickeln und Erstellen von IT-Lösungen
  • Durchführen von qualitätssichernden Maßnahmen
  • Umsetzen von IT-Sicherheit und Datenschutz
  • Erbringen der Leistungen und Auftragsabschluss

Im Berufsschulunterricht passen dazu vor allem Inhalte aus den frühen Lernfeldern, insbesondere Arbeitsplätze nach Kundenwunsch ausstatten, Clients in Netzwerke einbinden, Schutzbedarfe analysieren und Serviceanfragen bearbeiten. Prüfe trotzdem den konkreten Stoffverteilungsplan deiner Berufsschule, weil die Umsetzung regional organisiert wird.

Die Prüfung selbst besteht aus praxisbezogenen schriftlichen Aufgaben, für die du 90 Minuten Zeit hast. Die Aufgaben orientieren sich an realen Arbeitssituationen, wie sie im Berufsalltag vorkommen. Du solltest daher im Betrieb besonders auf diese Tätigkeiten achten und dir Notizen zu typischen Vorgehensweisen machen.

Übersicht: Ausbildungsrahmenplan

Der vollständige Ausbildungsrahmenplan gliedert sich in folgende Abschnitte:

Abschnitt A: Fachrichtungsübergreifende berufsprofilgebende Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten

Nr.Berufsbildposition1.–18. Monat19.–36. Monat
1Planen, Vorbereiten und Durchführen von Arbeitsaufgaben12-
2Informieren und Beraten von Kunden32
3Beurteilen marktgängiger IT-Systeme105
4Entwickeln, Erstellen und Betreuen von IT-Lösungen57
5Durchführen und Dokumentieren von qualitätssichernden Maßnahmen48
6Umsetzen, Integrieren und Prüfen von Maßnahmen zur IT-Sicherheit66
7Erbringen der Leistungen und Auftragsabschluss7-
8Betreiben von IT-Systemen33
9Inbetriebnehmen von Speicherlösungen-5
10Programmieren von Softwarelösungen510

Die zeitlichen Richtwerte sind in Wochen angegeben.

Fachrichtungsspezifische Inhalte (je nach Fachrichtung)

Anwendungsentwicklung:

Nr.Berufsbildposition1.–18. Monat19.–36. Monat
1Konzipieren und Umsetzen von Softwareanwendungen1525
2Sicherstellen der Qualität57

Systemintegration:

Nr.Berufsbildposition1.–18. Monat19.–36. Monat
1Konzipieren und Realisieren von IT-Systemen812
2Installieren und Konfigurieren von Netzwerken56
3Administrieren von IT-Systemen714

Daten- und Prozessanalyse:

Nr.Berufsbildposition1.–18. Monat19.–36. Monat
1Analysieren von Arbeits- und Geschäftsprozessen8-
2Analysieren von Datenquellen55
3Nutzen der Daten zur Optimierung621
4Umsetzen des Datenschutzes16

Digitale Vernetzung:

Nr.Berufsbildposition1.–18. Monat19.–36. Monat
1Analysieren und Planen von Systemen124
2Errichten und Prüfen von vernetzten Systemen413
3Betreiben von vernetzten Systemen415

Abschnitt F: Integrativ zu vermittelnde Fertigkeiten

  • Berufsbildung sowie Arbeits- und Tarifrecht
  • Aufbau und Organisation des Ausbildungsbetriebes
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit
  • Umweltschutz
  • Vernetztes Zusammenarbeiten unter Nutzung digitaler Medien

Diese Inhalte werden während der gesamten Ausbildung vermittelt.

Übersicht: Rahmenlehrplan

Gemeinsame Lernfelder für alle Fachrichtungen

Nr.LernfeldZeitrichtwert in Stunden
1Das Unternehmen und die eigene Rolle im Betrieb beschreiben40
2Arbeitsplätze nach Kundenwunsch ausstatten80
3Clients in Netzwerke einbinden80
4Schutzbedarfsanalyse im eigenen Arbeitsbereich durchführen40
5Software zur Verwaltung von Daten anpassen80
6Serviceanfragen bearbeiten40
7Cyber-physische Systeme ergänzen80
8Daten systemübergreifend bereitstellen80
9Netzwerke und Dienste bereitstellen80

Fachrichtungsspezifische Lernfelder

Anwendungsentwicklung:

Nr.LernfeldStunden
10aBenutzerschnittstellen gestalten und entwickeln80
11aFunktionalität in Anwendungen realisieren80
12aKundenspezifische Anwendungsentwicklung durchführen120

Systemintegration:

Nr.LernfeldStunden
10bServerdienste bereitstellen und Administrationsaufgaben automatisieren80
11bBetrieb und Sicherheit vernetzter Systeme gewährleisten80
12bKundenspezifische Systemintegration durchführen120

Daten- und Prozessanalyse:

Nr.LernfeldStunden
10cWerkzeuge des maschinellen Lernens einsetzen80
11cProzesse analysieren und gestalten80
12cKundenspezifische Prozess- und Datenanalyse durchführen120

Digitale Vernetzung:

Nr.LernfeldStunden
10dCyber-physische Systeme entwickeln80
11dBetrieb und Sicherheit vernetzter Systeme gewährleisten80
12dKundenspezifisches cyber-physisches System optimieren120

Die Gesamtstundenzahl beträgt 880 Unterrichtsstunden, aufgeteilt in:

    1. Jahr: 320 Stunden
    1. Jahr: 280 Stunden
    1. Jahr: 280 Stunden

Zusätzlich wird der allgemeinbildende Unterricht (Deutsch, Politik, Sport etc.) nach den jeweiligen landesrechtlichen Vorgaben erteilt.

Praxistipps zur Umsetzung der Ausbildungsinhalte

Für eine erfolgreiche Ausbildung ist es wichtig, die formalen Vorgaben in praktische Lernerfahrungen umzusetzen. Hier sind konkrete Tipps, wie du das am besten angehst:

Führe deinen Ausbildungsnachweis sorgfältig und kontinuierlich. Notiere täglich oder wöchentlich deine Tätigkeiten und ordne sie den passenden Berufsbildpositionen aus dem Ausbildungsrahmenplan zu. Das hilft dir nicht nur bei der Prüfungsvorbereitung; nach BBiG gehört der schriftliche oder elektronische Ausbildungsnachweis auch zu den Zulassungsvoraussetzungen für die Abschlussprüfung.

Erstelle dir eine persönliche Checkliste mit den Ausbildungsinhalten. Markiere bereits behandelte Themen und sprich fehlende Inhalte rechtzeitig mit deinem Ausbilder an. Besonders in kleineren Betrieben ist es hilfreich, aktiv nach Aufgaben zu suchen, mit denen du vorgeschriebene Kompetenzen praktisch üben kannst.

Nutze die Synergien zwischen Berufsschule und Betrieb. Wenn ein Thema in der Schule behandelt wird, suche gezielt nach Möglichkeiten, das Gelernte im Betrieb praktisch anzuwenden. Frag auch nach Projekten, die zu aktuellen Schulthemen passen.

Lege dir eine digitale Dokumentation deiner Projekte an. Sammle Code-Beispiele, Konfigurationen und Problemlösungen. Diese Sammlung ist nicht nur für die Prüfungsvorbereitung wertvoll, sondern auch für deinen späteren Berufsalltag.

Für die Vorbereitung auf Teil 1 der Abschlussprüfung:

  • Konzentriere dich besonders auf die Einrichtung und Konfiguration von Arbeitsplätzen
  • Übe das systematische Erfassen von Kundenanforderungen
  • Dokumentiere typische Probleme und ihre Lösungen
  • Erstelle Checklisten für wiederkehrende Aufgaben

Für die Vorbereitung auf Teil 2:

  • Beginne frühzeitig mit der Suche nach einem geeigneten Projektthema
  • Sammle Erfahrungen in der Projektdokumentation
  • Übe regelmäßig das Präsentieren von technischen Inhalten
  • Baue dir eine Sammlung von Fachliteratur und Online-Ressourcen auf

Offizielle Quellen

Nächster Schritt

Wenn du die Inhalte zeitlich einordnen willst, starte mit dem Fachinformatiker-Hub und der Seite zu AP Teil 1. Für die spätere Spezialisierung helfen die Profile zu Anwendungsentwicklung, Systemintegration, Daten- und Prozessanalyse und Digitale Vernetzung.