Der Unterschied zwischen Anwendungsentwicklung und Daten- und Prozessanalyse

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Mit der Neuordnung der IT-Berufe im Jahr 2020 wurden zwei zusätzliche Fachrichtungen für Fachinformatiker eingeführt. Neben Anwendungsentwicklung und Systemintegration gibt es seitdem auch Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung.

Anwendungsentwicklung und Daten- und Prozessanalyse können auf den ersten Blick ähnlich wirken, weil in beiden Bereichen mit Software, Daten und Fachanforderungen gearbeitet wird. Der Schwerpunkt ist aber unterschiedlich.

Die gemeinsamen Grundlagen sind in beiden Fachrichtungen gleich angelegt. Im Betrieb können fachrichtungsspezifische Aufgaben aber schon früh eine Rolle spielen, weil der Ausbildungsrahmenplan dafür auch in den ersten 18 Monaten Zeitrichtwerte vorsieht.

Die Fachrichtung Anwendungsentwicklung ist länger etabliert und in Stellenbörsen meist leichter zu finden. Daten- und Prozessanalyse ist jünger und je nach Region deutlich weniger sichtbar. Für deine Entscheidung zählt deshalb nicht nur der Name der Fachrichtung, sondern vor allem der konkrete Ausbildungsbetrieb: Gibt es echte Softwareprojekte, Datenquellen, Prozessarbeit und fachliche Betreuung?

KriteriumAnwendungsentwicklungDaten- und Prozessanalyse
HauptfokusSoftware planen, entwickeln und testenDaten auswerten und Prozesse verbessern
Typische ArbeitCode schreiben, Anwendungen bauen, Fehler behebenDatenquellen verbinden, Muster erkennen, Ergebnisse erklären
Stärker gefragtProgrammierlogik und SoftwarearchitekturStatistik, Prozessverständnis und Kommunikation
Ausbildungsangebotmeist breiter sichtbarje nach Region deutlich schmaler
Gute Wahl, wenn …du Produkte und Funktionen entwickeln willstdu Abläufe verstehen und datenbasiert verbessern willst

Die Fachrichtung Anwendungsentwicklung im Detail

Als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung konzentrierst du dich auf die Konzeption, Umsetzung und Qualität von Softwarelösungen. Du entwickelst kundenspezifische Anwendungen und prüfst, ob sie fachlich und technisch funktionieren. Welche Programmiersprachen, Frameworks und Entwicklungsumgebungen du nutzt, hängt vom Ausbildungsbetrieb ab.

In der Ausbildung lernst du, wie du Softwareprojekte von Anfang bis Ende betreust. Das beginnt bei der Analyse der Kundenanforderungen, geht über die Planung und Entwicklung bis hin zu Tests und der Einführung der fertigen Software. Ein wichtiger Teil deiner Arbeit ist auch die Dokumentation des Programmcodes und die Einweisung der Nutzer in die neue Software.

Typische Einsatzgebiete sind:

  • Entwicklung von kaufmännischen Systemen wie Warenwirtschaft oder Buchhaltung
  • Programmierung technischer Systeme für die Produktion
  • Erstellung von Expertensystemen
  • Entwicklung mathematisch-wissenschaftlicher Anwendungen
  • Gestaltung von Multimedia-Systemen

Die Ausbildung wird von verschiedenen Unternehmenstypen angeboten:

  • IT-Dienstleister und Softwarehäuser
  • Große Unternehmen mit eigener IT-Abteilung
  • Öffentliche Verwaltungen
  • Industrieunternehmen

Der Arbeitsalltag ist häufig projektorientiert. Du arbeitest je nach Betrieb mit anderen Entwicklern, Fachabteilungen, Kunden oder Nutzern zusammen. Versionsverwaltung, Tests, Dokumentation und Qualitätssicherung sind dabei wichtiger als die konkrete Programmiersprache.

Die Gehaltsperspektive hängt stark von Rolle, Betrieb, Region, Branche und praktischer Softwareerfahrung ab. Wenn du belastbare Zahlen brauchst, starte mit Fachinformatiker Anwendungsentwicklung Gehalt und vergleiche dort die externen Quellen.

Die Fachrichtung Anwendungsentwicklung kann gute Entwicklungsmöglichkeiten bieten, wenn du echte Projekterfahrung, saubere Softwarequalität und einen marktgängigen Tech-Stack aufbaust. Nach der Ausbildung kannst du dich fachlich spezialisieren, eine IT-Weiterbildung wählen oder ein Informatik-Studium prüfen.

Die Fachrichtung Daten- und Prozessanalyse im Detail

Als Fachinformatiker für Daten- und Prozessanalyse konzentrierst du dich auf Arbeits- und Geschäftsprozesse, Datenquellen und die Nutzung von Daten zur Verbesserung digitaler Abläufe. Du prüfst Datenqualität, wertest Daten aus, erkennst Muster und leitest daraus Vorschläge für Prozesse oder digitale Geschäftsmodelle ab.

In der Ausbildung lernst du, wie du Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführst, analysierst und nutzbar machst. Werkzeuge des maschinellen Lernens können dazugehören, sind aber nicht der Kern jeder Ausbildungsstelle. Datenschutz und Datensicherheit spielen eine wichtige Rolle; welche Vorgaben konkret gelten, hängt vom Projekt, den Daten und dem Betrieb ab.

Typische Einsatzgebiete sind:

  • Prozessoptimierung in Produktion und Verwaltung
  • Prozessmodellierung für digitale Transformationsprojekte
  • Qualitätssicherung durch Datenanalyse
  • Medienanalyse und Auswertung von Nutzerdaten
  • Entwicklung und Betreuung von Suchdiensten

Diese Fachrichtung kann besonders dort passen, wo Daten und Prozesse nicht nur nebenbei anfallen, sondern aktiv ausgewertet und verbessert werden:

  • Unternehmen mit Daten-, Prozess- oder BI-Teams
  • Industrie- und Dienstleistungsbetriebe mit Digitalisierungsprojekten
  • Beratungs- oder IT-Dienstleistungsunternehmen
  • Organisationen mit vielen Datenquellen, Schnittstellen oder Qualitätsanforderungen

Der Arbeitsalltag unterscheidet sich vom Schwerpunkt her von der Anwendungsentwicklung. Du programmierst nicht zwingend weniger, aber anders: häufiger für Datenaufbereitung, Auswertung, Automatisierung, Schnittstellen oder Analyse-Workflows. Dazu kommen Analyse-Tools, Datenbanken, Visualisierungen und Abstimmung mit Fachbereichen.

Die Verdienstaussichten können ähnlich wie in der Anwendungsentwicklung sein, hängen aber stark vom konkreten Einsatz ab: Datenqualität, Prozessverantwortung, BI, Automatisierung und Schnittstellenarbeit machen einen großen Unterschied. Da die Fachrichtung neu ist, gibt es weniger Erfahrungswerte als bei Anwendungsentwicklung und Systemintegration.

Da die Fachrichtung erst 2020 eingeführt wurde, ist das Ausbildungsangebot je nach Region noch begrenzt. Datenanalyse und Prozessoptimierung werden in vielen Organisationen wichtiger. Für deine Entscheidung zählt aber der konkrete Ausbildungsbetrieb: Gibt es echte Datenprojekte, Prozessarbeit und fachliche Betreuung oder nur eine allgemeine IT-Ausbildung mit neuem Namen?

Welche Fachrichtung passt zu mir?

Die Wahl zwischen Anwendungsentwicklung und Daten- und Prozessanalyse hängt von deinen persönlichen Stärken und Interessen ab. Hier sind die wichtigsten Entscheidungskriterien für beide Fachrichtungen:

Welche Fachrichtung passt zu dir?

Anwendungsentwicklung ist die richtige Wahl, wenn du ...

  • Freude am Programmieren und Erstellen von Software hast
  • gerne kreative Lösungen entwickelst
  • dich für verschiedene Programmiersprachen interessierst
  • konkrete Produkte erschaffen möchtest
  • dich stärker für Umsetzung und Softwarequalität interessierst

Daten- und Prozessanalyse passt besser, wenn du ...

  • gerne Zusammenhänge analysierst und Muster erkennst
  • dich für Geschäftsprozesse und deren Optimierung interessierst
  • gerne mit Zahlen und Statistiken arbeitest
  • kommunikativ bist und viel mit Fachabteilungen zusammenarbeiten möchtest
  • dich für Datenqualität, Auswertung und maschinelles Lernen interessierst

Die Verdienstmöglichkeiten können in beiden Fachrichtungen ähnlich sein. Für deine Entscheidung ist aber wichtiger, welche Aufgaben du wirklich machen willst: Software bauen und weiterentwickeln oder Daten, Prozesse und fachliche Abläufe analysieren.

Bei der Wahl des Ausbildungsplatzes solltest du beachten:

  • Die Anwendungsentwicklung ist in vielen Regionen breiter sichtbar als Daten- und Prozessanalyse
  • Bei der Daten- und Prozessanalyse ist das Angebot noch begrenzt; prüfe deshalb besonders genau die konkreten Aufgaben im Betrieb
  • Ein späterer Wechsel in angrenzende Rollen ist möglich, hängt aber von Projekterfahrung, Betrieb und nachweisbaren Fähigkeiten ab

Nach der Ausbildung kannst du in beiden Fachrichtungen:

  • Dich über aktuelle IT-WBS-Abschlüsse wie Berufsspezialist oder Bachelor Professional in IT weiterbilden
  • Ein Informatik-, Wirtschaftsinformatik- oder Data-Science-Studium prüfen
  • Dich in bestimmten Technologien oder Branchen spezialisieren

Die gemeinsamen Grundlagen helfen dir, beide Richtungen fachlich einzuordnen. Die Fachrichtung selbst wird aber in der Regel bereits mit dem Ausbildungsvertrag festgelegt; prüfe deshalb vor Vertragsabschluss, welche Aufgaben der Betrieb tatsächlich anbietet.

Offizielle Quellen

Nächster Schritt

Wenn du zwischen beiden Richtungen schwankst, lies die Profile zu Anwendungsentwicklung und Daten- und Prozessanalyse. Für die Prüfungsphase hilft danach AP Teil 2, weil sich die Fachrichtungen dort deutlich trennen.