Auslandsaufenthalt in der dualen IT-Ausbildung
Bis zu einem Viertel der Ausbildungszeit kannst du im Ausland verbringen. Welche Programme es gibt, wie die Förderung funktioniert und was du organisatorisch beachten musst.
Noel Lang
Gründer & Fachinformatiker
Die internationale Ausrichtung der IT-Branche macht Auslandserfahrungen während der Ausbildung besonders wertvoll. Das Berufsbildungsgesetz ermöglicht dir, Ausbildungsabschnitte im Ausland zu absolvieren, wenn sie dem Ausbildungsziel dienen. Bis zu einem Viertel der Ausbildungsdauer kann als Teil der Berufsausbildung im Ausland stattfinden.
Die wichtigsten Vorteile eines Auslandsaufenthalts sind:
- Verbesserung deiner Sprachkenntnisse
- Kennenlernen internationaler IT-Standards und Arbeitsmethoden
- Entwicklung interkultureller Kompetenzen
- Stärkung deiner Selbstständigkeit
- Aufbau eines internationalen beruflichen Netzwerks
Die Dauer deines Auslandsaufenthalts kannst du je nach Programm und Ausbildungsplan flexibel gestalten: von einem mehrwöchigen Praktikum bis zu einem mehrmonatigen Arbeitsaufenthalt ist vieles möglich. Wichtig ist, dass die Ausbildungsinhalte im Ausland deinem Ausbildungsziel dienen, im Ausbildungsplan berücksichtigt werden und du Betrieb, Berufsschule und zuständige Stelle früh einbindest.
Diese Seite ist eine Orientierung. Verbindlich sind das Förderprogramm, dein Ausbildungsvertrag, die Lernvereinbarung und die Vorgaben der zuständigen Stelle.
Mit internationaler Erfahrung bereits während der Ausbildung verbesserst du nicht nur deine beruflichen Perspektiven. Du sammelst auch wertvolle persönliche Erfahrungen, die dich in deiner Entwicklung weiterbringen. Die verschiedenen Förderprogramme und Austauschorganisationen unterstützen dich dabei sowohl organisatorisch als auch finanziell.
Möglichkeiten und Programme für Auslandsaufenthalte
Für deinen Auslandsaufenthalt während der IT-Ausbildung stehen dir verschiedene etablierte Programme zur Verfügung. Das bekannteste ist das EU-Programm Erasmus+, das Praktika und Lernaufenthalte in der beruflichen Bildung fördert. Mit Erasmus+ können Aufenthalte während der Ausbildung und unter bestimmten Voraussetzungen auch nach dem Abschluss möglich sein. Die Organisation läuft in der Regel über entsendende Einrichtungen, Projektträger, Kammern oder Berufsschulen.
Die wichtigsten Förderprogramme im Überblick:
- Erasmus+: Praktika in Europa mit umfassender Förderung
- AusbildungWeltweit: Aufenthalte von 3 Wochen bis 3 Monaten weltweit
- ProTandem: Speziell für den deutsch-französischen Austausch
- AHK-Netzwerk: Kontakte und Beratung über deutsche Auslandshandelskammern, je nach Zielland und Angebot
Eine besondere Rolle kann das Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) spielen. Je nach Zielland bieten AHKs Kontakte, Beratung zu lokalen Gegebenheiten oder Hinweise auf Unternehmen vor Ort. Prüfe aber konkret, ob es für dein Zielland und deinen Ausbildungsberuf ein passendes Angebot gibt.
Das Programm AusbildungWeltweit ermöglicht Auslandsaufenthalte außerhalb der Erasmus+-Programmländer. Hier können sowohl Auszubildende als auch Ausbilder gefördert werden. Die Antragstellung läuft nicht direkt durch Auszubildende, sondern über entsendende Einrichtungen wie Ausbildungsbetriebe, Kammern, berufliche Schulen oder andere Institutionen der Berufsbildung. Erste Anlaufstelle für die Planung ist das Portal MeinAuslandspraktikum.de, das Fördermöglichkeiten bündelt und dich bei der Auswahl des passenden Programms unterstützt.
Finanzierung und Förderung
Die Kosten für einen Auslandsaufenthalt können durch verschiedene Fördermöglichkeiten teilweise oder weitgehend aufgefangen werden. Wenn der Aufenthalt als Teil deiner Ausbildung durchgeführt wird, bleiben die Rechte und Pflichten aus dem Ausbildungsverhältnis grundsätzlich bestehen. Kläre Vergütung, Versicherungen, Unterkunft, Reisekosten und Eigenanteile trotzdem vorab schriftlich.
Die wichtigsten Fördermöglichkeiten decken folgende Kosten ab:
- Erasmus+: Pauschalen für Reise- und Aufenthaltskosten, teils sprachliche Vorbereitung
- AusbildungWeltweit: Förderung für betriebliche Lernaufenthalte außerhalb Europas
- Bundesagentur für Arbeit: mögliche Ausbildungsförderung je nach persönlichem Anspruch
- Regionale Programme: zusätzliche Förderungen einzelner Bundesländer oder Kammern
Die Förderhöhe richtet sich nach Programm, Zielland, Aufenthaltsdauer und Projektträger. Prüfe deshalb keine alten Beispielbeträge, sondern nutze den Stipendienfinder und die aktuellen Informationen von MeinAuslandspraktikum, Erasmus+ beziehungsweise AusbildungWeltweit. Viele Programme können Reise, Aufenthalt, vorbereitende Sprachkurse oder interkulturelle Vorbereitung unterstützen.
| Kostenart | Mögliche Förderung durch |
|---|---|
| Reisekosten | Erasmus+, AusbildungWeltweit |
| Unterkunft | Monatliche Pauschalen aller Programme |
| Sprachkurse | Erasmus+, teilweise AusbildungWeltweit |
| Versicherungen | AusbildungWeltweit, teilweise Erasmus+ |
Die Beantragung der Förderung erfolgt je nach Programm durch deinen Ausbildungsbetrieb, die Berufsschule, eine Kammer oder einen anderen Projektträger. Wichtig ist eine frühzeitige Planung, da Programme Antragsfristen haben und meist eine Lernvereinbarung oder vergleichbare Unterlagen brauchen. Das Portal MeinAuslandspraktikum.de bietet einen Stipendienfinder, mit dem du gezielt nach Fördermöglichkeiten für dein Wunschland suchen kannst. Auch deine IHK kann zu Finanzierungsmöglichkeiten und Zuständigkeiten beraten.
Organisation und rechtliche Rahmenbedingungen
Die erfolgreiche Durchführung eines Auslandsaufenthalts während deiner IT-Ausbildung erfordert eine gute Vorbereitung. Beginne möglichst mehrere Monate vor dem geplanten Aufenthalt mit der Organisation. Dein erster Schritt ist das Gespräch mit deinem Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule, weil Ausbildungsplan, Berufsschulpflicht, Prüfungstermine und Förderung zusammenpassen müssen.
Diese Dokumente benötigst du für deinen Auslandsaufenthalt:
- Zusatzvereinbarung zum Ausbildungsvertrag: Regelt Dauer, Inhalt und Betreuung
- Lern- und Arbeitsplan: Dokumentiert die geplanten Ausbildungsinhalte
- Versicherungsnachweise: Auslandskrankenversicherung, Haftpflicht, Unfallversicherung
- Visum/Arbeitserlaubnis: Bei Aufenthalten außerhalb der EU
Der Auslandsaufenthalt muss inhaltlich deiner Ausbildung entsprechen. Plane gemeinsam mit deinem Ausbildungsbetrieb, welche Ausbildungsinhalte du im Ausland absolvieren kannst. Die Inhalte müssen mit deinem Ausbildungsrahmenplan übereinstimmen, damit der Aufenthalt als Ausbildungszeit anerkannt wird. Führe während des Aufenthalts ein Berichtsheft, um die Lerninhalte zu dokumentieren.
| Zeitpunkt | Zu erledigende Aufgaben |
|---|---|
| 6-12 Monate vorher | Zustimmung einholen, Fördermittel beantragen |
| 3-6 Monate vorher | Zusatzvereinbarung abschließen, Versicherungen klären |
| 1-3 Monate vorher | Visum beantragen, Unterkunft organisieren |
| Nach der Rückkehr | Berichtsheft einreichen, Nachweise für Fördermittel |
Kostenlose Beratung erhältst du von deiner IHK, dem Portal MeinAuslandspraktikum und den zuständigen Mobilitätsberatungen. Die Berater helfen dir bei der Planung und kennen die rechtlichen Anforderungen der verschiedenen Zielländer. Auch die Nationalen Agenturen der Förderprogramme bieten umfangreiche Unterstützung bei der Organisation deines Auslandsaufenthalts.
Offizielle Quellen

Noel Lang
Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, baut Lernplattformen für IT-Azubis und schreibt hier über alles rund um den IT-Berufseinstieg.
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