FIAE oder FISI? Anwendungsentwicklung und Systemintegration im Vergleich
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Anwendungsentwicklung (FIAE) und Systemintegration (FISI) sind die beiden mit Abstand größten Fachrichtungen des Fachinformatikers. Die große Mehrheit der angehenden Fachinformatiker entscheidet sich für eine dieser beiden Richtungen, und weil die Fachrichtung schon im Ausbildungsvertrag steht, fällt die Entscheidung meist vor der Bewerbung. Diese Seite ist die ausführliche Entscheidungshilfe für genau diesen Moment.
Auf den ersten Blick wirken FIAE und FISI sehr unterschiedlich: Der eine programmiert, der andere schraubt an Servern. In der Ausbildung sind sie sich näher, als viele denken. Der Unterschied liegt weniger auf dem Papier als im Berufsalltag.
Ehrlich gesagt: Die gemeinsamen Grundlagen und die Vergütung sind bei beiden praktisch identisch. Die ersten neun Lernfelder der Berufsschule sind für alle Fachrichtungen gleich, und der erste Teil der Abschlussprüfung ist derselbe. Auch die Ausbildungsvergütung unterscheidet sich nicht nach Fachrichtung, sondern nach Betrieb, Branche, Tarifbindung und Region. Der Unterschied entsteht durch die drei fachrichtungsspezifischen Lernfelder, die Einsatzgebiete und vor allem durch das, was du im Betrieb den ganzen Tag tust.
| Kriterium | Anwendungsentwicklung (FIAE) | Systemintegration (FISI) |
|---|---|---|
| Hauptfokus | Software konzipieren, programmieren, testen | IT-Infrastruktur planen, aufbauen, betreiben |
| Typische Arbeit | Code schreiben, Anwendungen bauen, Fehler beheben, Anforderungen umsetzen | Server und Netzwerke einrichten, administrieren, Störungen beheben, absichern |
| Fachrichtungs-Lernfelder | 10a Benutzerschnittstellen, 11a Funktionalität, 12a kundenspezifische Anwendungsentwicklung | 10b Serverdienste, 11b Betrieb und Sicherheit vernetzter Systeme, 12b kundenspezifische Systemintegration |
| Einsatzgebiete | kaufmännische, technische, mathematisch-wissenschaftliche, Experten- und Multimedia-Systeme | Rechenzentren, Netzwerke, Client-Server-Architekturen, Fest- und Funknetze |
| Typische Technologien | Java, Python, JavaScript, C#, SQL, Git, Web-Frameworks | Windows Server, Linux, PowerShell, Virtualisierung, Netzwerktechnik, Active Directory |
| Einstiegsgehalt (Orientierung) | häufig 2.800 bis 3.400 € brutto | häufig 2.850 bis 3.500 € brutto |
| Gute Wahl, wenn … | du gerne selbst etwas programmierst und baust | du gerne Systeme zum Laufen bringst und stabil hältst |
Was bei beiden gleich ist
Bevor es um die Unterschiede geht, lohnt der Blick auf die große gemeinsame Basis. Sie ist der Grund, warum die Entscheidung weniger endgültig ist, als sie sich anfühlt.
Beide Fachrichtungen dauern drei Jahre, sind dual aufgebaut (Betrieb plus Berufsschule) und enden mit einem IHK-Abschluss. Die ersten neun Lernfelder der Berufsschule sind identisch: Sie reichen vom Einrichten von Arbeitsplätzen über das Einbinden von Clients ins Netzwerk und die Schutzbedarfsanalyse bis zum Bereitstellen von Netzwerken und Diensten. Erst danach trennen sich die Wege in die fachrichtungsspezifischen Lernfelder.
Auch der erste Teil der Abschlussprüfung (AP1) ist für beide gleich. Er findet nach etwa 18 Monaten statt, prüft den Bereich “Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes” und macht 20 Prozent der Abschlussbewertung aus. Erst der zweite Prüfungsteil (AP2) am Ende der Ausbildung ist fachrichtungsspezifisch. Bei der Ausbildungsvergütung gibt es keinen Unterschied nach Fachrichtung: Laut BIBB-Tarifstatistik lag sie zum Stand Oktober 2025 im Schnitt bei rund 1.211 Euro im ersten, 1.279 Euro im zweiten und 1.356 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Details dazu findest du auf der Seite Fachinformatiker Gehalt.
Fachrichtung Anwendungsentwicklung (FIAE) im Detail
Als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung konzentrierst du dich auf die Konzeption, Umsetzung und Qualität von Software. Du analysierst Anforderungen, entwickelst Benutzeroberflächen und Programmfunktionen, bindest Datenbanken an, testest deine Programme und dokumentierst deine Arbeit. Ein großer Teil deiner Zeit fließt in das Schreiben, Lesen und Verbessern von Code, oft an realen Kundenprojekten.
Die fachrichtungsspezifischen Lernfelder heißen hier 10a (Benutzerschnittstellen gestalten und entwickeln), 11a (Funktionalität in Anwendungen realisieren) und 12a (kundenspezifische Anwendungsentwicklung durchführen). Welche Programmiersprachen, Frameworks und Werkzeuge du konkret nutzt, hängt vom Ausbildungsbetrieb ab. Typisch sind Sprachen wie Java, Python, JavaScript, C# oder SQL, dazu Versionsverwaltung mit Git und je nach Betrieb Web- oder Backend-Frameworks. Wichtiger als eine einzelne Sprache sind sauberes Anforderungsverständnis, Tests, Schnittstellen und Dokumentation.
Die Ausbildungsordnung nennt fünf Einsatzgebiete: kaufmännische Systeme, technische Systeme, Expertensysteme, mathematisch-wissenschaftliche Systeme und Multimedia-Systeme. Dein Betrieb legt fest, in welchem davon du deine Fertigkeiten vertiefst.
Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt häufig zwischen 2.800 und 3.400 Euro brutto im Monat, je nach Arbeitgeber, Region und Tech-Stack. Eine ausführliche Einordnung findest du auf Fachinformatiker Anwendungsentwicklung Gehalt. Das ausführliche Berufsprofil steht auf der Seite Anwendungsentwicklung.
FIAE passt gut, wenn dich das Programmieren selbst reizt, wenn du gerne konkrete Produkte und Funktionen entwickelst und Freude daran hast, dich in fremden Code einzuarbeiten und Probleme logisch zu lösen.
Fachrichtung Systemintegration (FISI) im Detail
Als Fachinformatiker für Systemintegration planst, installierst und administrierst du IT-Systeme und Netzwerke. Du richtest Server und Netzwerkkomponenten ein, stellst Dienste bereit, bindest Clients ein, überwachst Systeme, behebst Störungen und sorgst für IT-Sicherheit und Datensicherung. Dein Arbeitsalltag dreht sich stärker um Betrieb und Verfügbarkeit als um das Schreiben von Programmen, auch wenn Skripting und Automatisierung dazugehören.
Die fachrichtungsspezifischen Lernfelder heißen hier 10b (Serverdienste bereitstellen und Administrationsaufgaben automatisieren), 11b (Betrieb und Sicherheit vernetzter Systeme gewährleisten) und 12b (kundenspezifische Systemintegration durchführen). In der Praxis arbeitest du je nach Betrieb mit Windows- oder Linux-Servern, PowerShell oder Bash, Virtualisierung, Netzwerktechnik, Monitoring, Verzeichnisdiensten wie Active Directory und Sicherheits- oder Backup-Systemen.
Die Ausbildungsordnung nennt fünf Einsatzgebiete: Rechenzentren, Netzwerke, Client-Server-Architekturen, Festnetze und Funknetze. Auch hier bestimmt der Ausbildungsbetrieb den Schwerpunkt.
Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt häufig zwischen 2.850 und 3.500 Euro brutto im Monat, je nach Arbeitgeber, Region und Verantwortung. Eine ausführliche Einordnung findest du auf Fachinformatiker Systemintegration Gehalt. Das ausführliche Berufsprofil steht auf der Seite Systemintegration.
FISI passt gut, wenn du gerne mit Hardware, Servern und Netzwerken arbeitest, wenn dich IT-Sicherheit interessiert und du geduldig und systematisch nach der Ursache einer Störung suchst, bis das System wieder stabil läuft.
Entscheidungshilfe: FIAE oder FISI?
Die ehrlichste Frage zuerst: Baust du lieber etwas, das aus Code besteht, oder etwas, das aus Servern und Netzen besteht? Das ist der Kern der Entscheidung. Alles andere ergibt sich meist daraus.
Welche Fachrichtung passt zu dir?
Wähle die Anwendungsentwicklung, wenn du ...
- Freude am Programmieren und am Bauen von Software hast
- gerne konkrete Produkte und Funktionen entwickelst
- dich in Logik, Code und Datenmodelle vertiefen willst
- dir vorstellen kannst, dich in fremden Code einzuarbeiten
- lieber am Bildschirm entwickelst als an Geräten schraubst
Wähle die Systemintegration, wenn du ...
- gerne mit Servern, Netzwerken und Hardware arbeitest
- IT-Systeme zum Laufen bringen und stabil halten willst
- dich für IT-Sicherheit, Administration und Betrieb interessierst
- gerne systematisch nach der Ursache von Störungen suchst
- lieber Infrastruktur planst als Anwendungen programmierst
Ein paar Punkte, die dir die Entscheidung leichter machen:
- Beide sind breit sichtbar. Anders als bei den jüngeren Fachrichtungen findest du für FIAE und FISI in fast jeder Region Ausbildungsplätze. Die Systemintegration ist dabei die insgesamt am häufigsten gesuchte Fachrichtung, die Anwendungsentwicklung folgt an zweiter Stelle.
- Das Gehalt ist kein Argument. Die Ausbildungsvergütung ist gleich, und die Einstiegsgehälter liegen so nah beieinander, dass sie für die Wahl keine Rolle spielen sollten. Entscheide nach der Tätigkeit, nicht nach der Zahl.
- Der Anfang ist gemeinsam. Weil die ersten neun Lernfelder und AP1 identisch sind, verlierst du auch dann keine Grundlagen, wenn du dir noch nicht hundertprozentig sicher bist. Die Fachrichtung steht zwar im Ausbildungsvertrag, ein Wechsel wäre also eine Vertragsänderung mit Betrieb und IHK, aber fachlich baust du im ersten Jahr für beide Richtungen dasselbe Fundament.
- Schau auf den Betrieb, nicht nur auf den Namen. Gibt es echte Softwareprojekte oder eine echte Infrastruktur, an der du mitarbeitest? Ein guter Ausbildungsbetrieb ist am Ende wichtiger als die perfekte Fachrichtung.
Wenn du dir nach dieser Seite noch unsicher bist, hilft dir das Berufsquiz, deine Neigung mit ein paar Fragen einzuordnen. Und für die konkrete Prüfungsplanung lohnt der Blick auf AP Teil 1, der für beide Fachrichtungen gleich ist.
Offizielle Quellen
- Ausbildungsverordnung Fachinformatiker/in (FIAusbV)
- KMK-Rahmenlehrplan Fachinformatiker/in und IT-System-Elektroniker/in
- BERUFENET: Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung
- BERUFENET: Fachinformatiker/in Systemintegration
- Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit: Anwendungsentwicklung
- Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit: Systemintegration
Nächster Schritt
Vergleiche zum Abschluss die vollständigen Profile zu Anwendungsentwicklung und Systemintegration. Wenn du noch schwankst, ordnet dich das Berufsquiz ein, und für den Ausbildungsstart planst du mit AP Teil 1.