Arbeitsplatz nach Kundenwunsch dimensionieren

Vom Kundenbedarf über die Nutzwertanalyse bis zur begründeten Auswahl und Übergabe.

35 Min Lesezeit Stand:
Lernfelder: Lernfeld 2
Berufsbildpositionen: A1A2A3A7

Was du nach dieser Lektion kannst

Ein neuer Arbeitsplatz beginnt selten mit einer Teileliste. Meist sagt eine Kundin zum Beispiel: “Die CAD-Software soll flüssig laufen, Videokonferenzen müssen funktionieren und der Rechner darf nicht zu laut sein.” Deine Aufgabe ist es, aus solchen Wünschen prüfbare Anforderungen zu machen. Erst danach kannst du Geräte sinnvoll vergleichen.

Nach dieser Lektion kannst du:

  • Kundenwünsche in Muss- und Wunschkriterien übersetzen,
  • Kriterien gewichten und eine Nutzwertanalyse berechnen,
  • ein rechnerisches Ergebnis fachlich einordnen,
  • deine Auswahl so begründen, dass eine andere Person sie nachvollziehen kann.

Die Lektion gehört zu Lernfeld 2 und bereitet auf den ersten Teil der Abschlussprüfung vor. Dort geht es nicht nur um Hardwarewissen. Du sollst einen Kundenbedarf ermitteln, Hard- und Software auswählen, die Beschaffung einleiten und den Arbeitsplatz später kontrolliert übergeben.

Ein Arbeitsplatz löst eine konkrete Aufgabe

Unser Beispiel spielt in einem kleinen Architekturbüro. Mira plant Gebäude, bearbeitet große CAD-Dateien und nimmt an Videokonferenzen teil. Der neue Arbeitsplatz soll fünf Jahre genutzt werden. Das Büro nennt außerdem ein festes Budget und wünscht einen leisen, sparsamen Rechner.

Bevor du Produkte vergleichst, klärst du den Bedarf. Dabei helfen vier Fragen:

  1. Welche Aufgaben erledigt Mira am Arbeitsplatz?
  2. Welche Software und welche vorhandenen Systeme müssen funktionieren?
  3. Welche Grenzen gelten, zum Beispiel Budget, Platz oder Liefertermin?
  4. Welche Eigenschaften verbessern die Arbeit, sind aber nicht zwingend nötig?

Aus den Antworten entsteht ein Anforderungsprofil. Eine kurze, strukturierte Fassung kann so aussehen:

einsatz:
  aufgaben:
    - CAD-Modelle bearbeiten
    - Videokonferenzen durchführen
  nutzungsdauer_jahre: 5

muss_kriterien:
  arbeitsspeicher_gib: 32
  zwei_monitore: true
  budget_euro: 1800

wunschkriterien:
  - niedriger_energieverbrauch
  - leiser_betrieb
  - gut_erweiterbar

Der YAML-Block ist keine vorgeschriebene Prüfungsform. Er zeigt nur, wie du unklare Wünsche in eindeutige Angaben übersetzen kannst. In einer Prüfung kann dieselbe Information als Gesprächsnotiz, Tabelle oder Fließtext vorliegen.

Vom Bedarf bis zur Übergabe

Der Ablauf verbindet die Auswahl mit dem späteren Arbeitsplatz. Achte auf die Reihenfolge: Erst wenn der Bedarf klar ist, lassen sich Kriterien und Gewichte sinnvoll festlegen.

Die Handlungskette für einen neuen Arbeitsplatz

Der Ablauf führt vom Kundengespräch bis zur kontrollierten Übergabe.

Textfassung:

Zuerst klärst du den Bedarf und prüfst die Muss-Kriterien. Danach vergleichst du geeignete Varianten, begründest die Auswahl und leitest die Beschaffung ein. Nach Konfiguration und Test übergibst du den Arbeitsplatz und weist die Nutzerin ein.

Sortieraufgabe

Bringe die Auswahl in eine sinnvolle Reihenfolge

Ziehe die Schritte in die richtige Reihenfolge. Beginne bei der Anforderung und ende bei der Entscheidung.

Ziehe die Einträge an die richtige Position. Geht auch per Tastatur über den Griff.

Die Reihenfolge stimmt.

Die Reihenfolge passt noch nicht.

Erst der geklärte Bedarf liefert die Muss- und Wunschkriterien. Ungeeignete Varianten scheiden aus, bevor du die verbleibenden Varianten gewichtest und das Ergebnis fachlich einordnest.

Eine Nutzwertanalyse macht Entscheidungen sichtbar

Zwei geeignete Varianten können unterschiedliche Stärken haben. Variante A ist sparsamer und günstiger. Variante B bietet mehr Rechenleistung. Eine Nutzwertanalyse macht sichtbar, wie wichtig die einzelnen Kriterien für diesen Auftrag sind.

Du gehst in vier Schritten vor:

  1. Lege Kriterien fest, die sich aus dem Kundenbedarf ableiten lassen.
  2. Gewichte die Kriterien. Alle Gewichte ergeben zusammen 100 Prozent.
  3. Bewerte jede Variante mit derselben Punkteskala.
  4. Multipliziere Gewicht und Punktwert und addiere die gewichteten Werte.

Für das Architekturbüro gilt eine Skala von 1 Punkt für “schwach erfüllt” bis 5 Punkte für “sehr gut erfüllt”.

KriteriumGewichtVariante AGewichteter Wert AVariante BGewichteter Wert B
Rechenleistung35 %31,0551,75
Ergonomie25 %41,0041,00
Energieverbrauch20 %51,0020,40
Gesamtkosten20 %51,0020,40
Gesamt100 %4,053,55

Für Variante A berechnest du bei der Rechenleistung:

35 % × 3 Punkte = 0,35 × 3 = 1,05

Die Summe spricht in dieser Bewertung für Variante A. Das Ergebnis ist aber keine automatische Kaufentscheidung. Du prüfst noch einmal, ob die gewählten Kriterien, Gewichte und Punktwerte zum Auftrag passen.

Transferaufgabe

Berechne und begründe selbst

Eine dritte Variante erhält 4 Punkte für Rechenleistung, 3 für Ergonomie, 4 für Energieverbrauch und 3 für Gesamtkosten. Nutze dieselben Gewichte wie in der Tabelle. Welchen Nutzwert erreicht sie und wie ordnest du das Ergebnis ein?

Musterlösung vergleichen

Musterlösung: 0,35 × 4 + 0,25 × 3 + 0,20 × 4 + 0,20 × 3 = 3,55. Variante C erreicht damit denselben Nutzwert wie Variante B und liegt unter Variante A. Allein daraus folgt noch keine Kaufentscheidung. Zuerst müssen die Muss-Kriterien erfüllt sein. Bei gleichem Nutzwert geben der konkrete Kundenbedarf und die begründete Gewichtung den Ausschlag.

Das steckt auch in meiner Lösung:

Gute Kriterien kommen aus dem Kundenbedarf

Ein Kriterium ist hilfreich, wenn es für den Auftrag relevant und zwischen den Varianten unterscheidbar ist. “Qualität” wäre zu ungenau. “Geräuschentwicklung unter typischer Last” lässt sich dagegen prüfen und begründen.

Typische Kriterien für einen Arbeitsplatz sind:

  • Leistungsfähigkeit für die benötigte Software,
  • einmalige und laufende Kosten,
  • Energieverbrauch,
  • Ergonomie und Barrierefreiheit,
  • Erweiterbarkeit und erwartete Nutzungsdauer,
  • Wartbarkeit, Garantie und Lieferzeit.

Nicht jedes Kriterium passt zu jedem Auftrag. Für einen mobilen Außendienst kann das Gewicht wichtiger sein als die Erweiterbarkeit. Bei einem stationären CAD-Arbeitsplatz kann es genau umgekehrt sein.

So begründest du die Auswahl

Eine belastbare Begründung nennt nicht nur den Sieger der Tabelle. Sie verbindet Ergebnis und Kundenbedarf.

Variante A erreicht mit 4,05 den höheren Nutzwert. Sie erfüllt die festgelegten Muss-Kriterien und schneidet bei Energieverbrauch und Gesamtkosten deutlich besser ab. Für das Architekturbüro ist sie deshalb die passendere Wahl, sofern ein Praxistest bestätigt, dass die CAD-Leistung für Miras typische Projekte ausreicht.

Die Einschränkung am Ende ist wichtig. Sie zeigt, welche Annahme noch geprüft werden muss. Eine gute Begründung verschweigt solche Grenzen nicht.

Nach der Auswahl ist der Auftrag nicht beendet

Die Ausbildungsverordnung betrachtet den gesamten Arbeitsauftrag. Nach der Auswahl folgen deshalb weitere Schritte:

  • Angebot und Konditionen prüfen,
  • Beschaffung nach dem betrieblichen Prozess einleiten,
  • Hard- und Software konfigurieren,
  • Funktion, Sicherheit und Qualität testen,
  • Test- und Übergabeprotokoll erstellen,
  • Nutzerin einweisen und offene Punkte dokumentieren.

Für die Übergabe hältst du mindestens Gerät, Seriennummer, installierte Software, Testergebnisse, bekannte Abweichungen und die erfolgte Einweisung fest. Damit kann eine andere Person später nachvollziehen, was übergeben wurde.

Schnellcheck

Drei Entscheidungen aus dem Arbeitsauftrag

Entscheide dich bei jeder Frage. Du bekommst die Erklärung direkt nach deiner Antwort.

Ein Notebook überschreitet das feste Budget. Darf es trotzdem in die Nutzwertanalyse?

Das passt.

Noch nicht ganz.

Ein echtes Muss-Kriterium wird vor der Nutzwertanalyse geprüft. Eine Gewichtung darf eine nicht erfüllte Mindestanforderung nicht verdecken.

Warum müssen alle Gewichte zusammen 100 Prozent ergeben?

Das passt.

Noch nicht ganz.

Die 100 Prozent verteilen die gesamte Bedeutung auf die gewählten Kriterien. Gleich wichtig sind Kriterien nur dann, wenn sie auch dasselbe Gewicht erhalten.

Variante A erzielt den höchsten Nutzwert. Was gehört trotzdem in die Begründung?

Das passt.

Noch nicht ganz.

Die Rechnung ist nur nachvollziehbar, wenn du sie mit dem konkreten Bedarf verbindest und ihre Grenzen offenlegst.

Geschafft

von 3

Situationen richtig eingeordnet.

Quellenbasis und Abgrenzung

Die Struktur dieser Lektion folgt Lernfeld 2 des KMK-Rahmenlehrplans und § 9 der Fachinformatikerausbildungsverordnung. Die Themenauswahl wurde außerdem mit dem internen Prüfungskatalog und vorhandenen Prüfungsbeispielen abgeglichen.

Das Rechenbeispiel und das Quiz sind eigenständig erstellt. Sie bilden keine echte IHK-Prüfungsaufgabe ab und sagen nicht voraus, welche Aufgabe in einem konkreten Termin gestellt wird.

Durchgearbeitet?

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