Daten- und Modellprozess für ein ML-System planen
Du planst einen nachvollziehbaren Weg vom fachlichen Ziel über leckagefreie Daten und Modellbewertung bis zu Freigabe, Überwachung und Rückfall.
Wenn eine hohe Trefferquote die falsche Entscheidung verdeckt
Die Elbwerk Gerätevermietung GmbH verleiht akkubetriebene Werkzeuge an Handwerksbetriebe. Nach jeder Rückgabe durchläuft jedes Gerät eine kurze Sicht- und Funktionsprüfung. Ein Teil der Geräte benötigt anschließend eine erweiterte Werkstattprüfung. Bisher entscheidet eine feste Regel anhand weniger Fehlercodes, welche Geräte dorthin kommen.
Ein lernendes System soll die Mitarbeitenden künftig bei dieser Triage unterstützen. Es soll bei der Rückgabe einschätzen, ob eine erweiterte Prüfung nötig ist. Die Entscheidung darf nur Informationen verwenden, die zu diesem Zeitpunkt bereits vorliegen. Die abschließende Sicherheitsfreigabe bleibt bei einer qualifizierten Person.
Ein erster Prototyp erreicht 91 Prozent Genauigkeit. Das klingt überzeugend. Die Projektgruppe entdeckt jedoch, dass im Datensatz auch die später bestellten Ersatzteile stehen. Diese Information entsteht erst nach der Werkstattprüfung. Außerdem wurden Zeilen desselben Geräts zufällig auf Training und Test verteilt. Der Wert sagt deshalb wenig darüber aus, wie sich das Modell bei künftigen Rückgaben verhält.
Dein Auftrag lautet: Plane einen Daten- und Modellprozess, der aus einem fachlichen Ziel eine nachvollziehbare, prüfbare und rückfallfähige ML-Unterstützung macht.
Die Grundidee lautet: Ein Modell ist nicht schon dann einsatzbereit, wenn ein Trainingslauf endet. Es braucht eine belastbare Zieldefinition, eine Trennung entlang des späteren Einsatzes, einen ehrlichen Vergleich und einen kontrollierten Betrieb.
Du solltest Anteile verstehen und Tabellen lesen können. Programmierkenntnisse sind hilfreich, aber nicht nötig. Das Unternehmen, die Datensätze und alle Grenzwerte dieser Lektion sind neu für dieses Übungsszenario erstellt.
Formuliere zuerst die fachliche Entscheidung
“Wir wollen Werkstattfälle vorhersagen” lässt wichtige Fragen offen. Ein tragfähiges Ziel legt mindestens fünf Punkte fest:
- Entscheidungsobjekt: genau eine Rückgabe eines Geräts,
- Vorhersagezeitpunkt: nach der kurzen Rückgabeprüfung, bevor die Werkstatt entscheidet,
- Zielvariable oder Label:
nachpruefung_noetig, bestätigt durch die spätere Werkstattprüfung, - Nutzung: Priorisierung für eine erweiterte Prüfung, keine automatische Sicherheitsfreigabe,
- Fehlerwirkung: Ein übersehener Werkstattfall wiegt schwerer als eine zusätzliche Prüfung.
Das Label ist das bekannte Ergebnis, das ein überwachtes Lernverfahren aus historischen Beispielen lernen soll. Bei Elbwerk lautet es ja, wenn die dokumentierte Werkstattprüfung einen erweiterten Prüfbedarf bestätigt, sonst nein. Die Dokumentation muss außerdem regeln, wie unklare, abgebrochene oder widersprüchliche Prüfungen behandelt werden. Ein leeres Feld darf nicht still als nein gelten.
Auch die Freigabekriterien entstehen vor dem Training. Für diese Übung vereinbart das Team:
- mindestens 90 Prozent Recall für
nachpruefung_noetigauf dem unangetasteten Testzeitraum, - höchstens 35 Prozent aller Rückgaben als Modellhinweis, damit die Werkstatt die Fälle bearbeiten kann,
- keine automatische Freigabe eines Geräts,
- nachvollziehbare Begründung, Datenversion und Modellversion für jeden Freigabelauf,
- erfolgreicher Schattenbetrieb über einen vereinbarten Zeitraum vor der aktiven Nutzung.
Diese Werte gelten nur im Elbwerk-Szenario. In einem realen Auftrag würden Fachseite, Arbeitsschutz, Informationssicherheit und weitere zuständige Stellen die Fehlerfolgen und Grenzwerte gemeinsam festlegen.
Schnellcheck
Entscheide aus Sicht des späteren Einsatzes
Entscheide dich bei jeder Frage. Du bekommst die Erklärung direkt nach deiner Antwort.
Geschafft
von 3
Situationen richtig eingeordnet.
Trenne Merkmale nach ihrem Entstehungszeitpunkt
Ein Merkmal oder Feature ist eine Information, die das Modell für seine Vorhersage verwendet. Nicht alles, was in historischen Daten gut mit dem Label zusammenhängt, steht beim späteren Einsatz rechtzeitig zur Verfügung.
| Feld | Entsteht | Verwendung | Begründung |
|---|---|---|---|
| Betriebsstunden seit letzter Wartung | vor der Vorhersage | möglich | liegt im Gerätestamm zum Rückgabezeitpunkt vor |
| Fehlercode aus der kurzen Funktionsprüfung | vor der Vorhersage | möglich | gehört zur vorgesehenen Rückgabeprüfung |
| Anzahl früherer Reparaturen | vor der Vorhersage | nur aus früheren Ereignissen ableiten | Historie darf keine spätere Reparatur enthalten |
| Ergebnis der erweiterten Werkstattprüfung | nach der Vorhersage | nur als Label | ist die gesuchte Antwort |
| später bestelltes Ersatzteil | nach der Vorhersage | ausgeschlossen | verrät mittelbar das spätere Ergebnis |
| Reparaturdauer | nach der Vorhersage | ausgeschlossen | ist beim Einsatz noch unbekannt |
geraet_id | vor der Vorhersage | nicht als direktes Merkmal | kann Einzelfälle wiedererkennen, ohne übertragbare Zusammenhänge zu lernen |
Data Leakage entsteht, wenn Informationen in Training oder Bewertung einfließen, die beim echten Vorhersagezeitpunkt nicht verfügbar wären oder aus dem späteren Ziel stammen. Das Modell erhält dann einen unerlaubten Hinweis auf die Antwort. Gute Testwerte können genau dadurch entstehen und brechen im Betrieb weg.
Fehlersuche
Finde den Schritt mit Zielinformation
Die Zeilen beschreiben den Aufbau eines Merkmalsdatensatzes. Wähle die Zeile, die Informationen aus der Zukunft in die Vorhersage trägt.
Fehler gefunden.
Diese Stelle ist nicht die Ursache.
Das später bestellte Ersatzteil kann das Werkstattergebnis verraten und steht beim Vorhersagezeitpunkt nicht bereit. Das spätere Werkstattergebnis darf als Label dienen, aber nicht als Eingabe. Für jedes Merkmal braucht die Abfrage eine klare zeitliche Grenze.
Baue einen Split, der den späteren Einsatz nachstellt
Ein zufälliger Split einzelner Zeilen wäre für Elbwerk riskant. Dasselbe Gerät kann mehrfach zurückgegeben werden. Nahe beieinanderliegende Rückgaben teilen möglicherweise Gerätezustand, Wartungsereignisse oder Erfassungsbedingungen. Außerdem soll das Modell künftig eintreffende Rückgaben bewerten, nicht eine zufällige Auswahl aus derselben Zeit.
Für das Übungsszenario liegen 18 Monate freigegebene Historie vor. Das Team trennt sie chronologisch:
- Training: Monate 1 bis 12, um Aufbereitung und Modellparameter zu lernen,
- Validierung: Monate 13 bis 15, um Varianten und Schwellenwert auszuwählen,
- Test: Monate 16 bis 18, einmalige Bewertung des festgelegten Kandidaten.
Bei allen drei Mengen gilt: Ein Merkmal aus der Gerätehistorie darf nur Ereignisse vor der jeweiligen Rückgabe verwenden. Das Team prüft zusätzlich, ob Gerätekennungen oder nahezu identische Vorgänge die Grenzen überbrücken. Wenn das Betriebsziel ausdrücklich die Übertragung auf völlig neue Gerätetypen wäre, bräuchte der Split zusätzlich passende Gruppen nach Typ oder Baureihe.
Der Testsatz bleibt während Entwicklung und Schwellenwertwahl geschlossen. Wer nach jedem Fehlschlag den Testwert anschaut und das Modell anpasst, optimiert indirekt auf diesen Satz. Er ist dann kein unabhängiger Abschlussnachweis mehr.
Zuordnungsaufgabe
Ordne die Arbeit der richtigen Datenmenge zu
Wähle die Datenmenge, die im beschriebenen Prozess die jeweilige Rolle übernimmt.
Richtig zugeordnet. Prüfe diese Zuordnung noch einmal.
Richtig zugeordnet. Prüfe diese Zuordnung noch einmal.
Richtig zugeordnet. Prüfe diese Zuordnung noch einmal.
Richtig zugeordnet. Prüfe diese Zuordnung noch einmal.
von 4 richtig
Training lernt Parameter, Validierung trägt Auswahlentscheidungen und der unangetastete Test liefert den Abschlussnachweis. Betriebsdaten sind kein nachträglicher Testsatz, sondern brauchen ein eigenes Monitoring mit verzögert eintreffenden Labels.
Vergleiche zuerst mit einer einfachen Baseline
Eine Baseline ist ein einfacher, nachvollziehbarer Vergleich. Sie zeigt, ob ein komplexeres Modell überhaupt einen belegbaren Mehrwert liefert. Bei Elbwerk dienen zwei Vergleiche:
- die bisherige feste Fehlercode-Regel,
- die einfache Regel “jede Rückgabe zur erweiterten Prüfung”, die alle positiven Fälle findet, aber die Werkstatt überlastet.
Das Team misst deshalb nicht nur Modellgüte, sondern auch die Zahl der ausgelösten Werkstatthinweise. Ein Kandidat, der Recall gewinnt, aber fast jede Rückgabe markiert, löst die betriebliche Triage nicht.
Für eine Klassifikation liefert die Konfusionsmatrix vier Fälle:
| Werkstattbefund | Modellhinweis | Bezeichnung | Wirkung im Szenario |
|---|---|---|---|
| Prüfung nötig | ja | richtig positiv | wichtiger Fall wird priorisiert |
| Prüfung nicht nötig | ja | falsch positiv | zusätzliche Werkstattprüfung |
| Prüfung nötig | nein | falsch negativ | wichtiger Fall wird nicht priorisiert |
| Prüfung nicht nötig | nein | richtig negativ | kein zusätzlicher Aufwand |
Der Recall der positiven Klasse beantwortet: Welcher Anteil der tatsächlich nötigen Werkstattprüfungen wurde markiert?
Recall = richtig positive Fälle / (richtig positive Fälle + falsch negative Fälle)
Die Precision beantwortet: Welcher Anteil der Modellhinweise war laut späterem Werkstattbefund tatsächlich positiv?
Precision = richtig positive Fälle / (richtig positive Fälle + falsch positive Fälle)
Für Elbwerk ist Recall besonders wichtig, weil ein falsch negativer Fall die Triage verfehlt. Precision und Hinweisquote bleiben trotzdem relevant, weil die Werkstatt nur begrenzte Kapazität hat. Eine Metrik allein bildet diesen Zielkonflikt nicht ab.
Schnellcheck
Bewerte Modell und Vergleich fair
Entscheide dich bei jeder Frage. Du bekommst die Erklärung direkt nach deiner Antwort.
Geschafft
von 3
Situationen richtig eingeordnet.
Mache den Lauf reproduzierbar
Ein Ergebnis ist nur dann nachprüfbar, wenn ein anderes Team den bewerteten Kandidaten aus denselben Grundlagen wiederherstellen kann. Toolnamen sind dabei austauschbar. Entscheidend sind die gespeicherten Artefakte und ihre Beziehungen.
Für jeden Lauf dokumentiert Elbwerk mindestens:
- fachliche Ziel- und Labeldefinition einschließlich Ausschlussregeln,
- unveränderliche Kennung oder Prüfwert des Daten-Snapshots,
- Abfragecode und zeitliche Merkmalsgrenzen,
- Split-Regel und Zeitraum jeder Datenmenge,
- versionierten Aufbereitungs- und Modellcode,
- Konfiguration, Hyperparameter und verwendeten Zufallsstartwert,
- Laufzeitumgebung und festgelegte Abhängigkeiten,
- Baseline, Metriken, Konfusionsmatrix und Schwellenwert,
- bekannte Grenzen, verantwortliche Rollen und Freigabeentscheidung.
Ein Werkzeug wie eine Pipeline-Komponente kann Aufbereitung und Modell zusammenhalten. Eine Versionsverwaltung kann Codestände kennzeichnen. Ein Experiment-Tracker kann Parameter und Ergebnisse erfassen. Keiner dieser Produktnamen ersetzt jedoch die fachliche Definition oder eine vollständige Nachweiskette.
Sortieraufgabe
Bringe den Daten- und Modellprozess in eine tragfähige Reihenfolge
Sortiere die Schritte vom fachlichen Auftrag bis zur kontrollierten Nutzung.
Ziehe die Einträge an die richtige Position. Geht auch per Tastatur über den Griff.
Die Reihenfolge stimmt.
Die Reihenfolge passt noch nicht.
Die Zieldefinition bestimmt Daten und Metriken. Nach der leckagefreien Trennung folgen Baseline, Training und Auswahl. Erst ein festgelegter Kandidat wird unabhängig geprüft und freigegeben. Monitoring beginnt mit dem Betrieb, nicht erst nach dem ersten Problem.
Verbinde Entwicklung, Freigabe und Betrieb
Vom fachlichen Ziel bis zum überwachten Modellbetrieb
Der Ablauf trennt Entwicklung, unabhängige Prüfung und Betrieb und führt bei nicht erfüllten Kriterien oder Störungen in einen sicheren Rückfall.
Das Diagramm konnte nicht geladen werden. Die Textfassung darunter enthält denselben Ablauf.
Zuerst werden Ziel und Label festgelegt. Aus zeitlich begrenzten Merkmalen entstehen getrennte Datenmengen. Training und Baseline liefern Kandidaten, die auf der Validierungsmenge ausgewählt werden. Der festgelegte Kandidat wird einmal auf dem unabhängigen Test geprüft. Nur bei erfüllten Kriterien folgen dokumentierte Freigabe und Schattenbetrieb. Im aktiven Betrieb werden technische Funktion, Eingaben und fachliche Wirkung überwacht. Bei einer verletzten Grenze wird das Modell deaktiviert und die freigegebene feste Regel übernimmt die Triage, bis die Ursache geklärt ist.
Im Schattenbetrieb erzeugt das Modell Hinweise, diese steuern den Arbeitsablauf aber noch nicht. Das Team vergleicht die Hinweise mit den tatsächlich bestätigten Werkstattergebnissen und prüft Datenwege, Latenz, Kapazität und Fehlerfälle.
Die Freigabe umfasst mehr als eine Modellnummer. Sie bezeichnet ein Paket aus:
- Daten- und Labeldefinition,
- gespeicherter Aufbereitung,
- Modellartefakt und Schwellenwert,
- Laufzeitumgebung,
- Schnittstellenvertrag,
- Modell- und Datenbeschreibung,
- Testnachweis,
- Monitoringregeln,
- verantwortlichen Rollen und Rückfallplan.
Eine neue Datenaufbereitung mit demselben Modellnamen ist eine relevante Änderung. Sie braucht erneut eine versionierte Bewertung. Das gilt auch für einen veränderten Schwellenwert.
Überwache nicht nur, ob der Dienst erreichbar ist
Im Betrieb ändern sich Daten und Prozesse. Ein Monitoring betrachtet deshalb mehrere Ebenen:
| Ebene | Beispiel im Szenario | Mögliche Reaktion |
|---|---|---|
| technische Funktion | Antwortzeit, Fehlerquote, fehlende Modellversion | Dienst prüfen oder auf feste Regel zurückfallen |
| Eingabedaten | fehlende Fehlercodes, neue Gerätekategorie, Werte außerhalb des Trainingsbereichs | betroffene Fälle manuell behandeln und Datenweg klären |
| Verteilung | Anteil bestimmter Fehlercodes oder Betriebsstunden verschiebt sich | Ursache untersuchen und Leistung gezielt nachmessen |
| fachliche Leistung | Recall und Precision auf später bestätigten Werkstattlabels | bei verletzter Grenze Modell deaktivieren oder neu bewerten |
| betriebliche Wirkung | tägliche Hinweiszahl, Bearbeitungsrückstand, übersehene Werkstattfälle | Schwellenwert nicht spontan ändern, sondern Freigabeprozess auslösen |
Drift bezeichnet eine relevante Veränderung über die Zeit. Bei Datendrift verändert sich beispielsweise die Verteilung von Eingaben. Bei Konzeptdrift verändert sich der Zusammenhang zwischen Eingaben und Ziel. Eine neue Geräteserie kann Datendrift auslösen. Ein geänderter Werkstattprozess kann zusätzlich die Labelbedeutung verschieben.
Ein Driftalarm beweist noch nicht, dass das Modell schlecht geworden ist. Umgekehrt beweist eine stabile Eingabeverteilung keine stabile Fachleistung. Elbwerk untersucht deshalb Ursache, betroffene Teilgruppe und bestätigte Labels, bevor das Team neu trainiert oder Grenzwerte ändert.
Labels treffen verzögert ein, weil die Werkstattprüfung erst nach der Vorhersage endet. Das Monitoring muss Vorhersage und späteres Ergebnis über eine Ereigniskennung verbinden. Offene Fälle dürfen nicht voreilig als negativ gelten.
Transfer: Entwirf einen Freigabeplan für ein neues Szenario
Transferaufgabe
Plane ein Modell zur Priorisierung von Lieferprüfungen
Ein Großhändler möchte bei Wareneingang priorisieren, welche Lieferungen zusätzlich auf Beschädigungen geprüft werden. Das spätere Prüfergebnis kann als Label dienen. Zur Verfügung stehen Lieferantengruppe, Produktkategorie, Transportdauer, Temperaturwerte bis zur Ankunft, später erfasste Schadensart, Gutschriftbetrag und Prüfbericht. Das Modell darf keine Prüfung automatisch überspringen. Entwirf Ziel, Merkmale, Split, Baseline, Metriken, Freigabe, Monitoring und Rückfall.
Musterlösung vergleichen
Musterlösung: Vorhergesagt wird beim Eintreffen einer Lieferung, ob die spätere Zusatzprüfung einen Schaden bestätigt. Das Label stammt aus einem freigegebenen Prüfbericht. Eine nicht erfolgte oder noch offene Prüfung wird nicht als schadenfrei behandelt. Ein falsch negativer Hinweis ist kritischer als eine zusätzliche Prüfung.
Lieferantengruppe, Produktkategorie, Transportdauer und Temperaturwerte bis zur Ankunft können Merkmale sein, wenn sie rechtzeitig und in ausreichender Qualität vorliegen. Schadensart, Gutschriftbetrag und der spätere Prüfbericht entstehen nach der Vorhersage. Sie werden nicht als Eingabe verwendet. Aus dem Prüfbericht darf nur das klar definierte Label abgeleitet werden.
Die Daten werden chronologisch in Training, Validierung und einen jüngeren Testzeitraum getrennt. Wiederkehrende Sendungs- oder Lieferkennungen sowie stark verwandte Chargen werden auf Grenzüberschreitungen geprüft. Imputer und Codierung werden nur am Training angepasst. Als Baseline dienen die bisherige Priorisierungsregel und eine einfache Mehrheits- oder Alles-prüfen-Regel, sofern deren Grenzen sichtbar bleiben.
Recall der bestätigten Schäden misst, wie viele wichtige Fälle priorisiert werden. Precision und Hinweisquote zeigen, wie viele Zusatzprüfungen daraus entstehen. Der Kandidat wird samt Aufbereitung, Datenstand, Konfiguration, Schwellenwert und Umgebung versioniert. Nach unabhängiger Testprüfung und fachlicher Freigabe folgt ein Schattenbetrieb.
Im Betrieb werden Dienstfehler, fehlende Werte, neue Kategorien, Verteilungsänderungen, Hinweisquote und die Leistung auf verzögert eintreffenden Prüflabels überwacht. Bei unbrauchbaren Eingaben, verletzten Grenzwerten oder einem Dienstausfall übernimmt die freigegebene bisherige Regel. Eine verantwortliche Rolle klärt die Ursache, bevor eine neue Version freigegeben wird.
Was du aus der Lektion mitnimmst
Ein ML-Prozess beginnt mit der fachlichen Entscheidung, nicht mit einem Werkzeug. Zielvariable, Vorhersagezeitpunkt und Fehlerwirkung bestimmen, welche Daten zulässig sind und welche Metriken tragen. Die Trennung in Training, Validierung und Test schützt die Bewertung nur dann, wenn auch Zeit, Gruppen und Vorverarbeitung sauber getrennt bleiben.
Eine Baseline macht den Mehrwert sichtbar. Versionierte Daten, Code, Konfiguration und Umgebung machen den Kandidaten nachvollziehbar. Freigabe, Schattenbetrieb, Monitoring und Rückfall gehören zum Systementwurf. Drift ist ein Untersuchungsanlass, keine automatische Aufforderung zum Neutraining.
Quellenbasis und Abgrenzung
- Der KMK-Rahmenlehrplan trägt in Lernfeld 10c die Auswahl, Anpassung, das Training und die Bewertung von Werkzeugen des maschinellen Lernens im beruflichen Handlungskontext.
- Die Fachinformatikerausbildungsverordnung ordnet das Analysieren und Bereitstellen von Daten sowie ihre Nutzung für Vorhersagemodelle, Mustererkennung und Prozessoptimierung den Berufsbildpositionen D2 und D3 zu. D4 ergänzt Datenschutz und Schutzziele. § 28 trägt die nachvollziehbare Planung, Analyse und Dokumentation eines Datenanalyseprojekts.
- Der interne AP2-Lernguide stützt Train-Test-Trennung, Overfitting, Modellbewertung und einen phasenorientierten ML-Prozess als Themenbreite. Er ist keine Aussage darüber, welche konkrete Aufgabe in einem Prüfungstermin vorkommt.
- Der scikit-learn User Guide dient als technische Fachquelle für Daten-Leakage, konsistente Vorverarbeitung und Klassifikationsmetriken. Die Lektion bleibt werkzeugunabhängig; andere Bibliotheken können denselben Prozess umsetzen.
- Das NIST AI Risk Management Framework stützt die fortlaufende Messung, Dokumentation, Überwachung und Behandlung von Risiken. Es legt für dieses erfundene Szenario keine konkreten Grenzwerte fest.
- Die vorgelagerte Eignungsbewertung entscheidet, ob ML angemessen ist. Diese Lektion beginnt nach dieser Entscheidung und endet beim überwachten Modellbetrieb. Eine allgemeine Datenanalyseprojektplanung deckt zusätzlich Projektorganisation, Aufwand, Termine und Übergabe ab.
Belegmatrix
| Lernziel | Ordnungsmittel | Quellen | Lernaktivität |
|---|---|---|---|
| Ziel, Label und Freigabekriterien formulieren | LF10c; D2, D3; DPA-PB1 | Rahmenlehrplan; FIAusbV § 28 und Abschnitt D | Elbwerk-Szenario und Quiz zu Ziel und Fehlerwirkung |
| Daten leckagefrei trennen | LF10c; D2, D3 | Rahmenlehrplan; scikit-learn Common Pitfalls | Merkmalstabelle, Leakage-Fehlersuche und Zuordnung der Datenrollen |
| Aufbereitung, Baseline und Training planen | LF10c; D3 | Rahmenlehrplan; interner AP2-Lernguide | Baseline-Vergleich und Sortieraufgabe zum Modellprozess |
| Metriken anhand der Fehlerwirkung auswählen | LF10c; D3; DPA-PB1 | interner AP2-Lernguide; scikit-learn Metrics | Konfusionsmatrix, Recall und Precision sowie Metrik-Quiz |
| Freigabe, Monitoring, Drift und Rückfall planen | LF10c; D3, D4; DPA-PB1 | FIAusbV § 28; NIST AI RMF 1.0 | Prozessdiagramm, Monitoringtabelle und Transferaufgabe |
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