Sensordaten auf Plausibilität prüfen und sicher behandeln

Du kombinierst Wertebereich, Änderungsrate, Zeitstempel und redundante Messungen zu einer nachvollziehbaren Entscheidung für Alarm, Ersatzwert oder sicheren Anlagenzustand.

40 Min Lesezeit Stand:
Lernfelder: Lernfeld 11d
Berufsbildpositionen: E3

Wenn ein Füllstand springt, obwohl der Tank ruhig bleibt

Die Wiesenstrom Gewächshaustechnik GmbH betreibt eine automatische Nährstoffmischung. Ein Vorratstank wird über ein Ventil befüllt. Zwei voneinander unabhängige Sensoren messen den Füllstand: der Ultraschallsensor L-41A und der Drucksensor L-41B. Ein Edge-Controller erhält alle fünf Sekunden einen Messwert und steuert das Einlassventil sowie die Dosierpumpe.

Um 09:17:20 Uhr meldet L-41A plötzlich 196 cm. Fünf Sekunden zuvor waren es 121 cm. L-41B zeigt zur gleichen Zeit 123 cm. Der physische Prozess kann den Tank laut dokumentierter Anlagenvorgabe in fünf Sekunden um höchstens 8 cm verändern.

Welcher Wert darf in die Steuerungsentscheidung einfließen? Soll das System den letzten guten Wert behalten, auf den zweiten Sensor wechseln oder beide Messungen verwerfen? Eine Antwort nur nach Bauchgefühl wäre im laufenden Betrieb riskant.

Die Grundidee dieser Lektion lautet: Ein Messwert ist nicht allein deshalb plausibel, weil sein Zahlenwert möglich aussieht. Du prüfst Wert, zeitlichen Verlauf, Aktualität und unabhängige Vergleichsinformationen und leitest daraus eine vorher festgelegte Reaktion ab.

Die Zahlen und Grenzwerte dieser Lektion gehören zum neu erstellten Beispielszenario. In einer realen Anlage leitest du sie aus Sensorbereich, Prozessgrenzen, Risikobeurteilung, Betriebsanweisung und freigegebenem Steuerungskonzept ab. Du übernimmst sie nicht ungeprüft.

Du solltest bereits wissen, was Sensor, Aktor und Zeitstempel bedeuten. Die Lektion “Eine Störung im vernetzten System Ende zu Ende eingrenzen” verfolgt ein Signal über mehrere Systeme. Hier bleibst du bewusst an der Messstelle und ihrer unmittelbaren Steuerungsentscheidung. Eine allgemeine Datenqualitätsprüfung für große Datenbestände ist ebenfalls ein anderes Thema.

Prüfe vier verschiedene Fragen

Eine einzelne Regel deckt nur eine Art von Auffälligkeit ab. Für den Mischtank kombiniert der Edge-Controller vier Prüfungen.

1. Liegt der Wert im möglichen Messbereich?

Der Tank kann zwischen 0 cm und 240 cm Füllstand melden. Ein Wert von -3 cm oder 268 cm ist für diese Messstelle außerhalb des freigegebenen Wertebereichs. Die Wertebereichsprüfung verwirft solche Werte unabhängig davon, wie ruhig der Verlauf davor war.

Die Grenzen gehören zur konkreten Messstelle. Eine Temperatur von 95 °C kann in einem Heizprozess normal und in einem Kühlraum unplausibel sein. Ein technisch möglicher Sensorwert ist nicht automatisch ein fachlich möglicher Prozesswert.

2. Passt die Änderung zur vergangenen Zeit?

Ein absolut gültiger Wert kann trotzdem zu schnell erreicht worden sein. Aus 121 cm und 196 cm ergibt sich eine Änderung von 75 cm in fünf Sekunden. Die Anlagenvorgabe erlaubt höchstens 8 cm in diesem Zeitraum.

Die Änderungsratenprüfung betrachtet deshalb nicht nur die Differenz, sondern auch das Zeitintervall:

Aenderungsrate = Betrag(aktueller Wert - letzter gueltiger Wert) / verstrichene Zeit

Bei gleichbleibendem Fünf-Sekunden-Takt genügt im Beispiel ein Grenzwert von 8 cm je 5 s. Bei schwankenden Abständen rechnest du auf eine gemeinsame Zeiteinheit um. Sonst würde dieselbe physische Änderung je nach Übertragungszeit unterschiedlich bewertet.

Ein schneller echter Prozesswechsel darf nicht pauschal als Fehler verschwinden. Öffnet beispielsweise ein Ablassventil, kann sich die zulässige Änderungsrate ändern. Solche Betriebszustände müssen im Regelwerk ausdrücklich vorkommen.

3. Ist der Wert frisch und ist die Folge vollständig?

Ein Zahlenwert kann fachlich passen und trotzdem veraltet sein. Jeder Datensatz braucht deshalb mindestens eine Sensor-ID, den Messwert und den Zeitpunkt der Messung.

{
  "sensorId": "L-41A",
  "valueCm": 121,
  "measuredAt": "2026-07-10T09:17:15.000+02:00",
  "sequence": 8841
}

Der Edge-Controller erwartet alle fünf Sekunden einen neuen Wert. Die Anlagenvorgabe stuft einen Wert bis einschließlich 15 Sekunden Alter als frisch ein. Ist er älter, gilt er als veraltet. Eine Lücke in der Sequenznummer zeigt zusätzlich, dass mindestens ein Datensatz in der erwarteten Folge fehlt.

Zeitstempel und Sequenznummer beantworten unterschiedliche Fragen. Der Zeitstempel zeigt, wann gemessen wurde. Die Sequenznummer macht eine Lücke sichtbar, selbst wenn mehrere Nachrichten später dicht nacheinander eintreffen. Eine Lücke belegt aber noch nicht ihre Ursache. Sensor, lokaler Puffer, Übertragung und Verarbeitung kommen weiterhin infrage.

4. Stimmen unabhängige Messungen ausreichend überein?

L-41A und L-41B messen dieselbe Prozessgröße mit unterschiedlichen Messprinzipien. Sind beide aktuell und einzeln gültig, vergleicht der Controller ihre Werte. Eine Abweichung bis einschließlich 6 cm ist laut Szenariovorgabe zulässig.

Dieser Kreuzvergleich stärkt die Entscheidung, weil zwei getrennte Messwege denselben Zustand beobachten. Er hilft aber nur, wenn die Messungen zeitlich zusammenpassen und nicht von derselben Fehlerursache abhängen. Zwei Sensoren mit gemeinsamer Spannungsversorgung sind beispielsweise nicht gegen jeden Ausfall unabhängig.

Vom Messwert zur Betriebsentscheidung

Vier Prüfungen ordnen jeden Messwert ein, bevor die Steuerung ihn verwendet.

Textfassung:

Ein neuer Messwert durchläuft zuerst die Wertebereichs- und Änderungsratenprüfung. Danach prüft der Controller Aktualität und Lücken. Wenn eine zeitlich passende redundante Messung vorliegt, folgt der Kreuzvergleich. Aus allen Befunden entsteht ein Vertrauensstatus. Erst dieser Status entscheidet, ob die Steuerung einen Wert verwendet, begrenzt ersetzt oder in den festgelegten sicheren Zustand wechselt.

Schnellcheck

Ordne auffällige Messwerte ein

Entscheide dich bei jeder Frage. Du bekommst die Erklärung direkt nach deiner Antwort.

L-41A meldet 205 cm und L-41B gleichzeitig 203 cm. Beide Werte sind frisch, innerhalb des Bereichs und der Verlauf passt zum geöffneten Einlassventil. Wie ordnest du 205 cm ein?

Das passt.

Noch nicht ganz.

Der Wert ist ungewöhnlich, aber alle vereinbarten Regeln tragen ihn. Ein Ausreißer in einer Verteilung ist nicht automatisch ein Messfehler. Die kleine Differenz der Sensoren liegt innerhalb der Szenariovorgabe.

L-41A bleibt 12 Sekunden lang bei 130 cm. Der Wert liegt im Bereich und L-41B meldet 131 cm. Was ist die beste Aussage?

Das passt.

Noch nicht ganz.

Ein unveränderter Wert kann bei einem ruhigen Prozess korrekt sein. Im Szenario gilt er bis einschließlich 15 Sekunden als frisch. Diese Freigabe ist trotzdem zeitlich begrenzt.

Beide Sensoren melden nahezu denselben Wert, nutzen aber dieselbe ausgefallene Spannungsversorgung. Was belegt die Übereinstimmung?

Das passt.

Noch nicht ganz.

Redundanz wirkt nur gegen Fehler, die nicht beide Wege zugleich betreffen. Der Kreuzvergleich ersetzt weder die Prüfung der Aktualität noch die Betrachtung gemeinsamer Abhängigkeiten.

Geschafft

von 3

Situationen richtig eingeordnet.

Trenne ungewöhnliche Werte von belegten Fehlern

Der Begriff Ausreißer beschreibt zunächst einen Wert, der deutlich vom üblichen Verlauf oder von anderen Beobachtungen abweicht. Das ist eine statistische Auffälligkeit. Ein Fehler ist dagegen durch eine verletzte Regel, einen Diagnosebefund oder einen bekannten Defekt belegt.

Für den Mischtank entstehen drei unterschiedliche Fälle:

BeobachtungEinordnungReaktion
205 cm und 203 cm, beide frisch, Verlauf betrieblich erklärbarungewöhnlich, aber plausibelWerte nutzen und Verlauf beobachten
196 cm nach 121 cm in fünf Sekunden, zweiter Sensor 123 cmÄnderungsrate und Kreuzvergleich verletztL-41A sperren, L-41B nach eigenen Regeln prüfen
Beide Sensoren ohne neue ZeitstempelAusfall der aktuellen Messinformationzeitlich begrenzte Ersatzstrategie oder Fail-safe auslösen

Ein automatisches “Ausreißer löschen” wäre hier falsch. Es könnte einen echten schnellen Prozesszustand unsichtbar machen. Speichere den Rohwert samt Prüfstatus, sofern das Betriebskonzept dies vorsieht. So bleibt nachvollziehbar, welche Information einging und warum sie nicht für die Steuerung verwendet wurde.

Leite aus dem Befund eine begrenzte Reaktion ab

Eine gute Plausibilitätslogik endet nicht bei gültig oder ungültig. Sie legt fest, was das System mit dem Befund macht. Für den Beispieltank gilt das folgende freigegebene Reaktionskonzept.

  1. Sind beide Sensoren frisch und plausibel, verwendet die Steuerung den Mittelwert.
  2. Ist genau ein Sensor plausibel, verwendet sie vorübergehend diesen Wert und meldet den Redundanzverlust.
  3. Fehlt ein neuer Wert, darf der letzte gültige Steuerwert höchstens 15 Sekunden lang gehalten werden. Die Anzeige kennzeichnet ihn als Ersatzwert.
  4. Sind beide Sensoren ungültig oder älter als 15 Sekunden, schließt die Steuerung das Einlassventil und stoppt die Dosierpumpe. Dies ist der für das Szenario definierte Fail-safe-Zustand.
  5. Eine Bedienperson darf den Status erst nach Prüfung und nach dem vorgesehenen Freigabeverfahren zurücksetzen.

Ein Ersatzwert ist damit kein reparierter Messwert. Er ist eine offen gekennzeichnete, zeitlich begrenzte Überbrückung. Für eine Anzeige kann ein älterer Wert länger akzeptabel sein als für eine automatische Stellentscheidung. Deshalb gehören Verwendungszweck und Ablaufzeit zusammen in die Regel.

Sortieraufgabe

Bringe die Reaktion in eine nachvollziehbare Reihenfolge

Beide Sensoren liefern seit 16 Sekunden keine frischen Werte. Sortiere die Schritte vom Befund bis zur kontrollierten Rückkehr.

Ziehe die Einträge an die richtige Position. Geht auch per Tastatur über den Griff.

Die Reihenfolge stimmt.

Die Reihenfolge passt noch nicht.

Zuerst wird der Ausfall anhand der definierten Aktualitätsgrenze belegt. Der sichere Zustand darf nicht auf eine lange Ursachenanalyse warten. Danach dokumentiert der Alarm den Befund und die bereits ausgeführte Reaktion. Die Rückkehr folgt erst auf Prüfung und Freigabe.

Formuliere einen Alarm, der eine Handlung ermöglicht

“Sensorfehler” ist zu wenig. Die Meldung lässt offen, welcher Sensor betroffen ist, welche Regel verletzt wurde und wie das System reagiert hat. Eine hilfreiche Alarmmeldung enthält:

  • betroffene Messstelle und Sensoren,
  • verletzte Regel mit Soll und Ist,
  • Messzeitpunkt und Zeitpunkt der Bewertung,
  • verwendeten Ersatzstatus oder ausgeführten Fail-safe-Zustand,
  • eine eindeutige Alarm- oder Ereigniskennung,
  • den vorgesehenen nächsten Prüfschritt.
Alarm: LEVEL_INPUT_UNTRUSTED
Ereignis: EVT-20260710-091720-184
Messstelle: Tank T-41
Befund: L-41A sprang von 121 cm auf 196 cm in 5 s; erlaubt sind max. 8 cm je 5 s.
Kreuzvergleich: L-41B = 123 cm; Differenz = 73 cm; erlaubt sind max. 6 cm.
Reaktion: L-41A für Steuerung gesperrt; L-41B vorübergehend verwendet.
Nächster Schritt: L-41A und seinen lokalen Messweg prüfen.

Die Meldung behauptet nicht vorschnell, welcher Bauteilfehler vorliegt. Sie beschreibt den belegten Widerspruch und die Systemreaktion. Die eigentliche Ursachenanalyse kann anschließend Sensor, Versorgung, Anschluss, Umwandlung oder Datenübernahme getrennt untersuchen.

Mehrfachauswahl

Wähle die tragenden Angaben für den Alarm

Welche Angaben helfen dabei, die Entscheidung später nachzuvollziehen?

Wähle alle passenden Antworten

Alle passenden Antworten gefunden.

Die Auswahl ist noch nicht vollständig richtig.

Der Alarm dokumentiert Befund, zeitlichen Kontext, betroffene Stelle und Reaktion. Eine vermutete Ursache darf als Hypothese erscheinen, aber nicht als belegte Diagnose.

Setze die Regeln in eindeutige Entscheidungslogik um

Die folgende Darstellung ist Pseudocode. Sie zeigt die Reihenfolge, nicht die Syntax einer bestimmten Steuerungsplattform.

pruefeMessung(aktuell, letzterGueltigerWert, redundanterWert, jetzt):
    bereichOk = 0 <= aktuell.wertCm <= 240
    frisch = jetzt - aktuell.messzeit <= 15 sekunden
    rateOk = betrag(aktuell.wertCm - letzterGueltigerWert.wertCm)
             <= 8 cm je 5 sekunden umgerechnet auf das echte Zeitintervall
    vergleichOk = redundanterWert fehlt
                   oder betrag(aktuell.wertCm - redundanterWert.wertCm) <= 6

    wenn bereichOk und frisch und rateOk und vergleichOk:
        status = PLAUSIBEL
    sonst:
        status = NICHT_VERTRAUENSWUERDIG

    gib status und alle Einzelbefunde zurueck

Die Einzelbefunde bleiben erhalten. Ein einziges false ohne Begründung wäre für Alarmierung und Fehlersuche zu schwach. Die Reaktionslogik betrachtet anschließend beide Sensorstatus, die Ablaufzeit des letzten gültigen Werts und den freigegebenen sicheren Zustand.

Teste Grenzen und Kombinationen

Eine Plausibilitätslogik braucht mehr als einen Normalfall. Gerade die Grenzen zeigen, ob kleiner als und kleiner oder gleich zur Spezifikation passen. Für das Szenario gelten 0 bis 240 cm, höchstens 8 cm je 5 s, höchstens 6 cm Sensordifferenz und höchstens 15 Sekunden Alter jeweils einschließlich der Grenze.

TestfallEingabe oder ZustandErwartetes Ergebnis
Untere Bereichsgrenze0 cmBereich gültig
Knapp unter der Grenze-0,1 cmBereich ungültig
Obere Bereichsgrenze240 cmBereich gültig
ÄnderungsgrenzeÄnderung um genau 8 cm in 5 sRate gültig
Rate knapp überschrittenÄnderung um 8,1 cm in 5 sRate ungültig
AltersgrenzeMesswert genau 15 s altnoch frisch
VeraltetMesswert 15,1 s altnicht frisch
VergleichsgrenzeDifferenz genau 6 cmVergleich gültig
WiderspruchDifferenz 6,1 cmVergleich ungültig
Einfacher AusfallA ungültig, B frisch und in allen Regeln gültigB vorübergehend nutzen, Redundanzverlust alarmieren
Doppelter AusfallA und B veraltetEinlass schließen, Dosierpumpe stoppen, Alarm erzeugen

Ergänze auch Kombinationen. Ein Wert kann gleichzeitig im Bereich, aber veraltet sein. Ein Sensor kann eine gültige Änderungsrate haben, während der Kreuzvergleich scheitert. Die Einzelregeln müssen dann sichtbar bleiben, damit die Reaktion begründet werden kann.

Transferaufgabe

Entwirf die Plausibilitätslogik für einen Förderantrieb

Ein Förderband besitzt einen Drehzahlsensor am Motor und einen zweiten Sensor an der Umlenkrolle. Die Spezifikation nennt 0 bis 1.800 U/min, höchstens 300 U/min Änderung pro Sekunde, höchstens 90 U/min Differenz zwischen beiden Sensoren und einen Messtakt von einer Sekunde. Nach mehr als drei Sekunden ohne vertrauenswürdige Messung soll der Antrieb nach dem freigegebenen Anlagenkonzept kontrolliert stoppen. Entwirf die Prüf- und Reaktionslogik. Formuliere außerdem sechs konkrete Testfälle, darunter mindestens zwei Grenzfälle und einen Doppelausfall.

Musterlösung vergleichen

Musterlösung: Für jeden Sensor prüfe ich zuerst den Bereich von 0 bis 1.800 U/min. Danach berechne ich die Drehzahländerung aus der Differenz zum letzten gültigen Wert und dem tatsächlichen Zeitabstand. Bis einschließlich 300 U/min je Sekunde ist die Rate gültig. Ein Zeitstempel darf höchstens drei Sekunden alt sein. Sind beide Messungen frisch und einzeln plausibel, darf ihre Differenz höchstens 90 U/min betragen.

Sind beide Sensoren plausibel, verwendet die Steuerung den nach Spezifikation vorgesehenen Führungswert. Ist nur ein Sensor plausibel, meldet sie den Redundanzverlust und nutzt ihn nur innerhalb der freigegebenen Überbrückungszeit. Liegt länger als drei Sekunden keine vertrauenswürdige Messung vor, führt sie den definierten kontrollierten Stopp aus. Der Alarm nennt Sensor-IDs, verletzte Regeln, Messzeiten, letzte gültige Werte und die ausgeführte Reaktion.

Sechs Testfälle sind: 0 U/min ist als untere Grenze gültig; 1.800 U/min ist als obere Grenze gültig; 1.800,1 U/min verletzt den Bereich; eine Änderung um genau 300 U/min in einer Sekunde ist gültig; zwei frische Werte mit genau 90 U/min Differenz bestehen den Vergleich; zwei mehr als drei Sekunden alte Werte lösen den kontrollierten Stopp und den Alarm aus. Zusätzlich würde ich eine Änderung um 300 U/min in einer halben Sekunde testen. Sie entspricht 600 U/min je Sekunde und verletzt deshalb die Änderungsrate.

Das steckt auch in meiner Lösung:

Wo diese Lektion endet

Du hast hier die Vertrauenswürdigkeit einer Sensormessung für eine unmittelbare OT-Entscheidung bewertet. Drei Nachbarthemen bleiben bewusst außerhalb:

  • Allgemeine Datenqualität untersucht zusätzlich große Datenbestände, Dubletten, Formate, Vollständigkeit, fachliche Konsistenz und Eignung für eine spätere Analyse. Eine Steuerungsregel für einen einzelnen Messkanal ersetzt diesen Prozess nicht.
  • Ende-zu-Ende-Diagnose verfolgt ein Signal vom Sensor über Steuerung, Gateway und Nachrichtendienst bis zur Anwendung oder zum Aktor. Eine Zeitlücke in dieser Lektion zeigt einen Befund, lokalisiert aber nicht automatisch die gestörte Komponente.
  • Funktionale Sicherheit und Risikobeurteilung legen fest, welcher Anlagenzustand tatsächlich sicher ist. Diese Lektion wendet den im Szenario vorgegebenen Fail-safe-Zustand an. Sie entwirft keine Sicherheitsfunktion und ersetzt keine fachliche Freigabe.

Damit steht das Vorgehen: Du prüfst mehrere unabhängige Merkmale, bewahrst die Einzelbefunde und trennst Auffälligkeit von belegtem Fehler. Danach folgt eine vorher festgelegte Reaktion mit klarer zeitlicher Grenze. Testfälle sichern sowohl die normale Verarbeitung als auch die Stellen ab, an denen das Verhalten kippt.

Belegmatrix

LernzielOrdnungsmittel und QuellenLernaktivität
Messwerte mit vier Regelarten prüfenKMK-Rahmenlehrplan LF11d; Ausbildungsrahmenplan E3 Buchstaben c und f; interner AP2-Lernguide Seiten 45 und 48Vierstufige Erklärung, Ablaufdiagramm und Quiz
Ausreißer und Fehler unterscheidenAusbildungsrahmenplan E3 Buchstabe f; § 37 FIAusbVFallvergleich und Quiz
Ersatzwert, Redundanz und Fail-safe begründenAusbildungsrahmenplan E3 Buchstaben b und f; Prüfungskatalog DVReaktionskonzept, Sortieraufgabe und Transferaufgabe
Alarm nachvollziehbar formulieren§ 37 FIAusbV; Prüfungskatalog DV; interner AP2-Lernguide Seite 45Alarmbeispiel und Mehrfachauswahl
Grenz-, Fehler- und Ausfallfälle entwerfenAusbildungsrahmenplan E3 Buchstaben b, c und f; § 37 FIAusbVTestfalltabelle und Transferaufgabe

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