Ein IT-Angebot schrittweise kalkulieren
Du ermittelst den Bezugspreis, kalkulierst mit Zuschlagssätzen ein Kundenangebot und prüfst das Ergebnis fachlich.
Vom Lieferantenpreis zum Kundenangebot
Die Nordlicht IT-Service GmbH soll vier Arbeitsplätze für eine Physiotherapiepraxis liefern. Die passenden Geräte stehen bereits fest. Nun liegen Lieferantenkonditionen vor, und die Kundin möchte ein vollständiges Angebot. Ein einzelner Preis aus dem Lieferantenkatalog reicht dafür nicht: Rabatt, Skonto und Lieferkosten verändern den tatsächlichen Bezugspreis. Danach muss dein Betrieb seine eigenen Kosten und einen Gewinn berücksichtigen.
In dieser Lektion gehst du den Rechenweg einmal vollständig durch. Du lernst dabei nicht nur die Formeln. Du prüfst nach jedem Schritt, welcher Betrag die Grundlage für die nächste Rechnung ist.
Nach der Lektion kannst du:
- aus Lieferantenkonditionen einen Bezugspreis berechnen,
- vorgegebene Zuschlagssätze richtig anwenden,
- Netto- und Bruttopreis auseinanderhalten,
- Geldbeträge nachvollziehbar runden,
- eine Auswahl begründen, ohne nur auf den niedrigsten Preis zu schauen.
Du brauchst dafür Prozentrechnung und die Grundrechenarten. Alle Preise im Szenario sind neu erstellt. Sie stammen nicht aus einer Prüfung.
Drei Preise erfüllen drei verschiedene Aufgaben
Bevor du rechnest, trennst du drei Perspektiven:
| Preis | Wofür du ihn brauchst |
|---|---|
| Listeneinkaufspreis | Ausgangspreis des Lieferanten vor Nachlässen |
| Bezugspreis oder Einstandspreis | Betrag nach Rabatt und Skonto zuzüglich Bezugskosten |
| Angebotspreis | Preis, den dein Betrieb der Kundin anbietet |
Der Bezugspreis ist also nicht automatisch dein Angebotspreis. Würde der Betrieb zum Bezugspreis weiterverkaufen, wären interne Aufwände wie Beratung, Verwaltung, Lagerung oder Gewährleistungsabwicklung noch nicht berücksichtigt. Im Szenario werden diese Aufwände durch einen vorgegebenen Handlungskostenzuschlag abgebildet.
Netto und brutto nicht vermischen
Ein Nettopreis enthält noch keine Umsatzsteuer. Beim Bruttopreis ist die Umsatzsteuer bereits enthalten. Für unser Beispiel gilt der allgemeine Umsatzsteuersatz von 19 Prozent nach § 12 Absatz 1 Umsatzsteuergesetz, Stand 10. Juli 2026.
Bruttopreis = Nettopreis + Umsatzsteuer
Umsatzsteuer = Nettopreis × 19 %
Ob ein Betrieb bei seiner eigenen Kostenbetrachtung mit Netto- oder Bruttowerten arbeitet, hängt auch von seiner steuerlichen Situation ab. In dieser Lektion ist die Vorgabe eindeutig: Die Lieferantenwerte und Zuschläge werden netto kalkuliert. Erst am Ende kommt die Umsatzsteuer für den ausgewiesenen Bruttoangebotspreis hinzu.
Schnellcheck
Ordne die Preise ein
Entscheide dich bei jeder Frage. Du bekommst die Erklärung direkt nach deiner Antwort.
Geschafft
von 2
Situationen richtig eingeordnet.
Die Bezugskalkulation folgt einer festen Richtung
Der Lieferant Bytehafen GmbH nennt für die vier Arbeitsplatzpakete folgende Konditionen:
| Position | Kondition |
|---|---|
| Listeneinkaufspreis netto | 4.800,00 € |
| Lieferantenrabatt | 10 % |
| Lieferantenskonto bei fristgerechter Zahlung | 2 % |
| Fracht | 84,00 € |
Rabatt ist ein Preisnachlass auf den Listeneinkaufspreis. Nach dem Rabatt erhältst du den Zieleinkaufspreis.
4.800,00 € × 10 % = 480,00 € Rabatt
4.800,00 € - 480,00 € = 4.320,00 € Zieleinkaufspreis
Skonto ist in diesem Szenario ein Nachlass für die Zahlung innerhalb der vereinbarten Frist. Seine Grundlage ist nicht mehr der Listenpreis, sondern der bereits rabattierte Zieleinkaufspreis.
4.320,00 € × 2 % = 86,40 € Skonto
4.320,00 € - 86,40 € = 4.233,60 € Bareinkaufspreis
Bezugskosten entstehen, damit die Ware in den Betrieb gelangt. Hier besteht diese Position nur aus der angegebenen Fracht. Sie wird addiert, weil sie den Einkauf verteuert.
4.233,60 € + 84,00 € = 4.317,60 € Bezugspreis
Das vollständige Schema zeigt die Richtung auf einen Blick:
| Rechenschritt | Betrag |
|---|---|
| Listeneinkaufspreis | 4.800,00 € |
| minus 10 % Lieferantenrabatt | - 480,00 € |
| gleich Zieleinkaufspreis | 4.320,00 € |
| minus 2 % Lieferantenskonto | - 86,40 € |
| gleich Bareinkaufspreis | 4.233,60 € |
| plus Bezugskosten | + 84,00 € |
| gleich Bezugspreis | 4.317,60 € |
Rechenaufgabe
Berechne den Bezugspreis
Ein Lieferant nennt 2.750,00 Euro netto. Er gewährt 8 Prozent Rabatt und anschließend 2 Prozent Skonto. Die Fracht beträgt 65,00 Euro. Runde jeden Geldbetrag auf Cent.
Das Ergebnis liegt im richtigen Bereich.
Das Ergebnis passt noch nicht.
8 Prozent von 2.750,00 Euro sind 220,00 Euro. Der Zieleinkaufspreis beträgt 2.530,00 Euro. Davon sind 2 Prozent Skonto 50,60 Euro. Nach dem Abzug bleiben 2.479,40 Euro. Mit 65,00 Euro Fracht ergibt sich ein Bezugspreis von 2.544,40 Euro.
Prüfe Rechenweg und Ergebnis getrennt
Bei einer Kalkulation kann das Ergebnis plausibel aussehen und der Rechenweg trotzdem falsch sein. Prüfe deshalb in zwei Durchgängen.
Im ersten Durchgang prüfst du die Richtung:
- Rabatt und Skonto müssen den Preis senken.
- Bezugskosten müssen den Preis erhöhen.
- Zuschläge und Umsatzsteuer müssen den späteren Angebotspreis erhöhen.
Im zweiten Durchgang prüfst du die Rechengrundlage. Frage bei jedem Prozentsatz: “Von welchem Zwischenwert werden die Prozent berechnet?”
Eine Auszubildende rechnet für Bytehafen so:
4.800,00 € - 10 % - 2 % + 84,00 €
= 4.308,00 €
Der Rechenweg behandelt Rabatt und Skonto wie eine gemeinsame Minderung von 12 Prozent des Listenpreises. Tatsächlich wird das Skonto erst nach dem Rabatt vom Zieleinkaufspreis berechnet. Der korrekte Bezugspreis beträgt 4.317,60 Euro. Die Differenz von 9,60 Euro entsteht allein durch die falsche Bezugsgröße.
Fehlersuche
Finde den entscheidenden Kalkulationsfehler
Prüfe den Rechenweg: 3.600,00 Euro Listenpreis, 5 Prozent Rabatt, 2 Prozent Skonto und 70,00 Euro Fracht. Gerechnet wurde: 3.600,00 - 180,00 - 72,00 + 70,00 = 3.418,00 Euro.
Fehler gefunden.
Diese Stelle ist nicht die Ursache.
Nach 5 Prozent Rabatt beträgt der Zieleinkaufspreis 3.420,00 Euro. Das Skonto beträgt deshalb 68,40 Euro. Nach dem Abzug und der Fracht ergibt sich ein Bezugspreis von 3.421,60 Euro.
Mit Zuschlagssätzen zum Kundenangebot
Der Bezugspreis von 4.317,60 Euro ist jetzt belastbar. Für das Kundenangebot gibt die Nordlicht IT-Service GmbH zwei Zuschlagssätze vor:
- Handlungskostenzuschlag: 14 Prozent vom Bezugspreis
- Gewinnzuschlag: 8 Prozent von den Selbstkosten
Der Handlungskostenzuschlag bildet in diesem vereinfachten Schema die betrieblichen Kosten ab. Du berechnest ihn vom Bezugspreis:
4.317,60 € × 14 % = 604,46 € Handlungskosten
4.317,60 € + 604,46 € = 4.922,06 € Selbstkosten
Der Gewinnzuschlag wird danach von den Selbstkosten berechnet:
4.922,06 € × 8 % = 393,76 € Gewinn
4.922,06 € + 393,76 € = 5.315,82 € Nettoangebotspreis
Zum Schluss wird der Bruttoangebotspreis ermittelt:
5.315,82 € × 19 % = 1.010,01 € Umsatzsteuer
5.315,82 € + 1.010,01 € = 6.325,83 € Bruttoangebotspreis
| Rechenschritt | Betrag |
|---|---|
| Bezugspreis | 4.317,60 € |
| plus 14 % Handlungskostenzuschlag | + 604,46 € |
| gleich Selbstkosten | 4.922,06 € |
| plus 8 % Gewinnzuschlag | + 393,76 € |
| gleich Nettoangebotspreis | 5.315,82 € |
| plus 19 % Umsatzsteuer | + 1.010,01 € |
| gleich Bruttoangebotspreis | 6.325,83 € |
Damit steht das Kundenangebot. Die wichtigste Frage bleibt auch hier dieselbe: Auf welchen Zwischenwert bezieht sich der jeweilige Zuschlag?
Schnellcheck
Wähle die richtige Rechengrundlage
Entscheide dich bei jeder Frage. Du bekommst die Erklärung direkt nach deiner Antwort.
Geschafft
von 3
Situationen richtig eingeordnet.
Runden, ohne den Rechenweg zu verstecken
Geldbeträge werden im Beispiel auf zwei Nachkommastellen gerundet. Bei der üblichen kaufmännischen Rundung wird die zweite Nachkommastelle erhöht, wenn die dritte Nachkommastelle mindestens 5 ist.
130,848 € wird zu 130,85 €
393,7648 € wird zu 393,76 €
Runde nicht schon den Prozentsatz oder einen Faktor unnötig grob. Runde den berechneten Geldbetrag auf Cent und verwende den gerundeten Zwischenwert im nächsten Schritt. So bleibt dein Rechenweg nachvollziehbar. In einer realen Angebotssoftware gelten die dort hinterlegten Rundungsregeln und Vertragsvorgaben.
Wenn deine Lösung um wenige Cent von einer anderen Lösung abweicht, vergleiche zuerst die Rundungszeitpunkte. Eine kleine Abweichung kann aus einer anderen Rundungsregel stammen. Eine größere Abweichung spricht eher für eine falsche Rechengrundlage oder ein vertauschtes Vorzeichen.
Der niedrigste Bezugspreis entscheidet nicht allein
Ein zweiter Lieferant bietet dieselben vier Arbeitsplatzpakete zu diesen Konditionen an:
| Position | Küstentechnik AG |
|---|---|
| Listeneinkaufspreis netto | 4.640,00 € |
| Rabatt | 6 % |
| Skonto | 3 % |
| Fracht | 110,00 € |
| Lieferzeit | 3 Arbeitstage |
Die Bytehafen GmbH kommt auf einen Bezugspreis von 4.317,60 Euro, benötigt aber 8 Arbeitstage. Die Kundin braucht die Arbeitsplätze spätestens in 5 Arbeitstagen.
Ein quantitativer Angebotsvergleich betrachtet berechenbare Größen wie den Bezugspreis. Ein qualitativer Angebotsvergleich betrachtet weitere vereinbarte Kriterien, etwa Lieferzeit, Service, Garantiebedingungen oder die Erfüllung technischer Anforderungen. Ein niedrigerer Preis hilft nicht, wenn ein Muss-Kriterium verfehlt wird.
Transferaufgabe
Vergleiche Preis und Lieferbedingung
Berechne den Bezugspreis der Küstentechnik AG. Vergleiche ihn mit 4.317,60 Euro bei Bytehafen. Empfiehl einen Lieferanten, wenn die Lieferung spätestens in 5 Arbeitstagen eintreffen muss.
Musterlösung vergleichen
Musterlösung: Der Rabatt beträgt 278,40 Euro. Damit liegt der Zieleinkaufspreis bei 4.361,60 Euro. Das Skonto beträgt nach kaufmännischer Rundung 130,85 Euro. Nach dem Abzug bleiben 4.230,75 Euro. Mit 110,00 Euro Fracht beträgt der Bezugspreis 4.340,75 Euro.
Bytehafen ist damit um 23,15 Euro günstiger. Die Lieferzeit von 8 Arbeitstagen verfehlt jedoch das Muss-Kriterium von höchstens 5 Arbeitstagen. Unter den gegebenen Informationen ist Küstentechnik die passende Wahl, obwohl der Bezugspreis etwas höher liegt. Vor der Bestellung würdest du zusätzlich prüfen, ob beide Angebote technisch denselben Leistungsumfang enthalten.
Was du für die nächste Kalkulation mitnimmst
Eine nachvollziehbare Angebotskalkulation entsteht nicht durch einen einzigen Prozentfaktor. Sie entsteht durch eine feste Reihenfolge und klar benannte Rechengrundlagen:
- Lieferantenrabatt vom Listeneinkaufspreis abziehen.
- Lieferantenskonto vom Zieleinkaufspreis abziehen.
- Bezugskosten zum Bareinkaufspreis addieren.
- Vorgegebene Kosten- und Gewinnzuschläge auf ihre jeweilige Grundlage anwenden.
- Die Umsatzsteuer erst auf den Nettoangebotspreis rechnen.
- Das Ergebnis auf Rechenrichtung, Bezugsgrößen, Rundung und qualitative Muss-Kriterien prüfen.
Die Begriffe und Stufen können in betrieblichen Kalkulationsschemata detaillierter ausfallen. Nutze deshalb immer das vorgegebene Schema und benenne jeden Zwischenwert. Diese Lektion berechnet ein konkretes Beschaffungs- und Kundenangebot. Langfristige Betriebskosten, Leasing, Finanzierung, Amortisation und Nutzwertanalyse gehören zur weiterführenden Betrachtung der Wirtschaftlichkeit.
Quellenbasis und Abgrenzung
Die berufliche Handlung stammt aus Lernfeld 2 des KMK-Rahmenlehrplans. Dort vergleichen Lernende Bezugsquellen quantitativ und qualitativ, bestimmen einen Lieferanten und erstellen mit vorgegebenen Zuschlagssätzen ein Kundenangebot. Die Fachinformatikerausbildungsverordnung ordnet das Einholen und Bewerten von Angeboten sowie den Vergleich von Spezifikationen und Konditionen der Berufsbildposition A3 zu. Der AP1-Prüfungskatalog nennt den qualitativen und quantitativen Angebotsvergleich als mögliche Themenbreite. Eine ältere Beispielprüfung wurde nur genutzt, um das wiederkehrende Handlungsmuster aus Bezugspreis und begründeter Lieferantenauswahl zu erkennen. Szenario, Zahlen und Formulierungen dieser Lektion sind neu.
Der Steuersatz von 19 Prozent ist mit § 12 Absatz 1 Umsatzsteuergesetz belegt und auf den Stand 10. Juli 2026 bezogen. Sonderfälle des Umsatzsteuerrechts, die Vorsteuerbehandlung und abweichende Steuersätze sind nicht Gegenstand dieser Lektion.
Belegmatrix
- Rabatt, Skonto und Bezugskosten richtig anwenden
- Ordnungsmittel: LF2 und A3
- Quellen: KMK-Rahmenlehrplan, FIAusbV und abstrahiertes Muster aus AP1 Frühjahr 2023
- Aktivität: durchgerechnetes Bytehafen-Angebot, Zahlenaufgabe und Fehlersuche
- Bezugspreis berechnen und prüfen
- Ordnungsmittel: LF2, A3 und T1
- Quellen: KMK-Rahmenlehrplan, AP1-Prüfungskatalog und abstrahiertes Muster aus AP1 Frühjahr 2023
- Aktivität: Bezugskalkulation, Zahlenaufgabe und Transferaufgabe
- Netto- und Bruttoangebot mit Zuschlagssätzen ermitteln
- Ordnungsmittel: LF2 und A3
- Quellen: KMK-Rahmenlehrplan und § 12 Absatz 1 UStG
- Aktivität: Kundenkalkulation und Quiz zu den Rechengrundlagen
- Rundung und Preisunterschied einordnen
- Ordnungsmittel: LF2 und A3
- Quellen: Rahmenlehrplan und Prüfungsmuster als Handlungsrahmen
- Aktivität: Rundungsabschnitt, Fehlersuche und Transferaufgabe
- Lieferantenauswahl qualitativ begründen
- Ordnungsmittel: LF2, A3 und T1
- Quellen: KMK-Rahmenlehrplan, FIAusbV und AP1-Prüfungskatalog
- Aktivität: Vergleich von Bytehafen und Küstentechnik mit Lieferfrist
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