Die Abschlussprüfung Teil 2 für Fachinformatiker der Fachrichtung Digitale Vernetzung dreht sich um komplexe vernetzte Systeme: du musst Anforderungen verstehen, Systeme integrieren, Störungen eingrenzen und den sicheren Betrieb begründen. Der größte Teil ist die Projektarbeit mit 50 % Gewichtung. Die folgende Tabelle ist eine redaktionelle Zusammenfassung der FIAusbV; verbindlich sind deine Ausbildungsverordnung und die Vorgaben deiner zuständigen IHK.
Diese Fachrichtung liegt zwischen klassischer Netzwerktechnik, Automatisierung, IT-Sicherheit und Systemintegration. In der Prüfung reicht es deshalb nicht, einzelne Befehle zu kennen. Du musst Zusammenhänge erklären: Warum ist ein System gestört? Welche Komponente ist betroffen? Welche Änderung löst das Problem ohne neue Risiken?
| Prüfungsbereich | Dauer | Gewichtung |
|---|---|---|
| Planen und Umsetzen eines Projektes der digitalen Vernetzung | Projektarbeit, Dokumentation, Präsentation und Fachgespräch | 50 % |
| Diagnose und Störungsbeseitigung in vernetzten Systemen | 90 Minuten | 10 % |
| Betrieb und Erweiterung von vernetzten Systemen | 90 Minuten | 10 % |
| Wirtschafts- und Sozialkunde | 60 Minuten | 10 % |
Die übrigen 20 % stammen aus AP Teil 1. Die übergreifende Struktur findest du in der AP2-Übersicht.
Betriebliche Projektarbeit
Die Projektarbeit heißt Planen und Umsetzen eines Projektes der digitalen Vernetzung. Du führst ein reales betriebliches Projekt durch, dokumentierst es und präsentierst deine Entscheidungen im Fachgespräch.
Gute Projekte zeigen nicht nur, dass du etwas anschließen oder konfigurieren kannst. Sie zeigen, dass du Anforderungen aufnimmst, Alternativen vergleichst, Risiken bewertest und ein vernetztes System kontrolliert in Betrieb bringst.
Geeignete Projektideen sind:
- Integration einer Anlage, eines Sensors oder eines Subsystems in eine bestehende Infrastruktur
- Aufbau eines Monitorings für Netzwerk-, Prozess- oder Diagnosedaten
- Segmentierung eines Netzes für mehr Sicherheit und Verfügbarkeit
- Einführung eines sicheren Remote-Zugriffs für eine technische Umgebung
- Erweiterung einer vernetzten Produktions- oder Gebäudeinfrastruktur
- Absicherung einer Schnittstelle zwischen IT- und OT-Systemen
Ein gutes Thema hat messbare Anforderungen: Verfügbarkeit, Latenz, Durchsatz, Ausfallsicherheit, Zugriffsschutz oder Wartbarkeit. Ein schwaches Thema bleibt bei “Gerät eingebaut und getestet” stehen.
Plane den Projektantrag so, dass der Prüfungsausschuss deine Ausgangslage, Zielsetzung, Abgrenzung und Zeitplanung schnell versteht. Die spätere Projektdokumentation muss zeigen, warum du genau diese Lösung gewählt hast.
Diagnose und Störungsbeseitigung
Im Prüfungsbereich Diagnose und Störungsbeseitigung in vernetzten Systemen musst du Störungen systematisch eingrenzen. Wichtig ist die Reihenfolge: Beobachtung, Hypothese, Prüfung, Maßnahme, Kontrolle.
Typische Aufgaben drehen sich um:
- Netzwerkpläne, Protokolle und Kommunikationsbeziehungen auswerten
- Fehler in Adressierung, Routing, VLANs oder Namensauflösung erkennen
- Logdateien, Monitoringdaten und Diagnosemeldungen interpretieren
- Sicherheitsereignisse und Schwachstellen bewerten
- Störungen nach Ursache, Auswirkung und Priorität einordnen
- Maßnahmen dokumentieren und den Betrieb wiederherstellen
Für diesen Bereich solltest du Grundlagen wie OSI-Modell, IPv4, IPv6, DNS, DHCP, Routing, VLAN, Firewall und VPN sicher erklären können.
| Fehlerbild | Mögliche Prüfungsfrage |
|---|---|
| Gerät ist erreichbar, Anwendung nicht | Welche Schichten und Dienste prüfst du zuerst? |
| Kommunikation nur in einem Segment möglich | Welche Rolle spielen VLAN, Routing und Firewall-Regeln? |
| Namensauflösung fehlerhaft | Wie grenzt du DNS, Client-Konfiguration und Netzwerkproblem ab? |
| Sporadische Ausfälle | Welche Messwerte und Logs brauchst du für eine belastbare Diagnose? |
| Sicherheitsalarm | Welche Sofortmaßnahmen sind angemessen und welche Belege sicherst du? |
Betrieb und Erweiterung vernetzter Systeme
Im Prüfungsbereich Betrieb und Erweiterung von vernetzten Systemen geht es um Planung, Integration und stabilen Betrieb. Du bekommst meist ein Szenario, in dem eine Infrastruktur erweitert oder verändert werden soll.
Wichtige Kompetenzen sind:
- technische Lösungskonzepte für heterogene Systeme entwickeln
- Kommunikationsbeziehungen zwischen Systemen prüfen
- Ressourcen, Last und Verfügbarkeit bewerten
- Netzwerkinfrastruktur und Protokolle anpassen
- Sicherheitsmaßnahmen planen und begründen
- Übergabe, Dokumentation und Betriebskontrolle berücksichtigen
Die Prüfung fragt häufig nicht: “Was ist die richtige Komponente?”, sondern: “Welche Komponente passt zu diesen Anforderungen und warum?” Begründe deshalb mit Kriterien wie Ausfallsicherheit, Skalierbarkeit, Wartbarkeit, Sicherheit, Kosten und Kompatibilität.
Lernplan für Digitale Vernetzung
Für diese Fachrichtung ist ein fallbasierter Lernplan sinnvoll:
- Wiederhole Netzwerktechnik: Adressierung, Routing, VLANs, DNS, DHCP, VPN.
- Übe Fehlersuche mit strukturierten Diagnoseketten.
- Lies Netzwerk- und Systemskizzen und beschreibe Datenflüsse.
- Vergleiche zwei Lösungsalternativen mit Vor- und Nachteilen.
- Formuliere Sicherheitsmaßnahmen konkret, nicht als Schlagwort.
- Übe Fachgesprächsfragen zu deinem Projekt.
Wenn du aus der Systemintegration kommst, wirken manche Themen vertraut. Der Schwerpunkt liegt hier aber stärker auf vernetzten Gesamtsystemen, Schnittstellen, Prozessdaten und dem Zusammenspiel mehrerer technischer Ebenen.
Häufige Fehler
- Du springst bei einer Störung direkt zur Lösung, ohne Diagnoseweg.
- Du nennst Netzwerkbegriffe, erklärst aber nicht deren Wirkung im Szenario.
- Du ignorierst Dokumentation, Übergabe und Betrieb.
- Du beschreibst Sicherheitsmaßnahmen zu allgemein.
- Du planst ein Projekt ohne messbare Anforderungen.
- Du übst nur Konfiguration, aber keine Begründung.
Nächste Schritte
Starte mit der AP2-Übersicht, wenn du die Gesamtstruktur noch sortieren musst. Für die Projektphase sind Projektarbeit, Projektantrag und Projektdokumentation die wichtigsten Anschlussseiten.
Offizielle Quellen
- Fachinformatiker-Ausbildungsverordnung
- FIAusbV § 35: Prüfungsbereiche von Teil 2 Digitale Vernetzung
- FIAusbV § 36: Planen und Umsetzen eines Projektes der digitalen Vernetzung
- FIAusbV § 37: Diagnose und Störungsbeseitigung in vernetzten Systemen
- FIAusbV § 38: Betrieb und Erweiterung von vernetzten Systemen
- FIAusbV § 40: Gewichtung und Bestehen
- FIAusbV § 41: Mündliche Ergänzungsprüfung
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