Die Berufsschule in der IT-Ausbildung

Die Berufsschule ist neben deinem Ausbildungsbetrieb der zweite zentrale Lernort. Hier bekommst du das theoretische Fachwissen, das du für deinen Beruf brauchst: vom Programmieren über Netzwerktechnik bis hin zu IT-Sicherheit.

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Noel Lang

Gründer & Fachinformatiker

Veröffentlicht: Aktualisiert: 6 Min. Lesezeit

Die Berufsschule ist neben deinem Ausbildungsbetrieb der zweite zentrale Lernort in deiner IT-Ausbildung. Hier erhältst du das theoretische Fachwissen, das du für deinen Beruf brauchst: vom Programmieren über Netzwerktechnik bis hin zu IT-Sicherheit.

Der Unterricht findet je nach Bundesland und Schule entweder an festen Berufsschultagen pro Woche oder im Blockunterricht statt. Beim Blockunterricht bist du mehrere Tage oder Wochen am Stück in der Schule und danach wieder im Betrieb. Dein Ausbildungsbetrieb muss dich für den Berufsschulunterricht freistellen.

Die Berufsschule vermittelt dir nicht nur IT-Fachwissen. Je nach Bundesland und Schule kommen auch berufsübergreifende Fächer wie Deutsch, Englisch, Politik, Religion/Ethik oder Wirtschafts- und Sozialkunde hinzu. Das ist kein Beiwerk: In der IT musst du Anforderungen verstehen, mit Kunden und Teams kommunizieren, Entscheidungen begründen und wirtschaftliche Folgen einschätzen.

Der berufsbezogene Unterricht orientiert sich am KMK-Rahmenlehrplan. Er ist mit den Ausbildungsordnungen und den betrieblichen Ausbildungsrahmenplänen abgestimmt. Die Umsetzung im Stundenplan liegt aber bei den Ländern und Schulen. Deshalb können Unterrichtsmodell, Fächerbezeichnungen und Reihenfolge vor Ort unterschiedlich aussehen.

Deine Leistungen werden im Berufsschulzeugnis dokumentiert. Sie fließen normalerweise nicht direkt in die IHK-Abschlussnote ein, können aber für Bewerbungen, Übernahmegespräche und die Einschätzung deines Lernstands wichtig sein.

UnterrichtsformTypischer AblaufVorteil
Teilzeitunterricht1 bis 2 feste Schultage pro Wocheregelmäßiger Wechsel zwischen Betrieb und Schule
Blockunterrichtmehrere Wochen Schule am Stückkonzentriertes Lernen ohne täglichen Wechsel
Gemeinsame Lernfeldergemeinsame Basis der IT-BerufeGrundlage für AP Teil 1 und betriebliches Verständnis
Fachrichtungsspezifische LernfelderVertiefung ab späteren LernfeldernVorbereitung auf AP Teil 2 und Berufsprofil

Organisation des Berufsschulunterrichts

Der Berufsschulunterricht wird von den Bundesländern organisiert. Jedes Land entscheidet selbst, wie es den bundesweiten Rahmenlehrplan umsetzt. In der Praxis gibt es vor allem zwei Modelle: Teilzeitunterricht und Blockunterricht.

Beim Teilzeitmodell besuchst du die Berufsschule an ein bis zwei festen Tagen pro Woche. Die restliche Zeit arbeitest du in deinem Ausbildungsbetrieb. Diese Variante ermöglicht dir eine regelmäßige Verbindung von Theorie und Praxis. Du kannst das Gelernte zeitnah im Betrieb anwenden.

Im Blockunterricht bist du für zusammenhängende Zeiträume in der Berufsschule, gefolgt von einer längeren Phase im Betrieb. Diese Form wird besonders dann genutzt, wenn Auszubildende aus einem größeren Einzugsgebiet kommen oder Themen zusammenhängend vermittelt werden sollen.

Der Unterricht ist in Lernfelder gegliedert, die sich an berufstypischen Handlungssituationen orientieren. Der KMK-Rahmenlehrplan sieht für die technischen IT-Berufe eine gemeinsame Basis vor. Die Lernfelder 1 bis 5 sind in den IT-Rahmenlehrplänen identisch formuliert, Lernfeld 6 ebenfalls im zweiten Ausbildungsjahr. Bei Fachinformatikern und IT-System-Elektronikern bauen auch die Lernfelder 7 bis 9 auf gleichen Kompetenzen auf.

Die konkrete Umsetzung bleibt Sache der Länder und Schulen. Deshalb können Stundenumfang, Blockplanung, Fächerbezeichnungen und die Reihenfolge einzelner Themen von dieser Übersicht abweichen.

Typische frühe Lernfelder sind:

  • das Unternehmen und die eigene Rolle beschreiben
  • Arbeitsplätze nach Kundenwunsch ausstatten
  • Clients in Netzwerke einbinden
  • Schutzbedarfsanalysen durchführen
  • Software zur Verwaltung von Daten anpassen
  • Serviceanfragen bearbeiten

Später kommen fachrichtungsspezifische Lernfelder hinzu. In Anwendungsentwicklung geht es dann stärker um Benutzerschnittstellen, Anwendungslogik und kundenspezifische Softwareentwicklung. In Systemintegration stehen Serverdienste, Automatisierung, Betrieb und Sicherheit vernetzter Systeme im Vordergrund. Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung haben eigene Schwerpunkte.

Freistellung und Anrechnung

Für den Berufsschulunterricht gilt § 15 BBiG. Dein Betrieb muss dich für die Teilnahme am Berufsschulunterricht freistellen. Außerdem darf er dich vor einem vor 9 Uhr beginnenden Berufsschulunterricht nicht beschäftigen.

Wichtig sind vor allem diese Anrechnungsregeln:

  • Ein Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden von mindestens 45 Minuten wird einmal pro Woche mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit angerechnet.
  • Eine Berufsschulwoche mit planmäßigem Blockunterricht von mindestens 25 Stunden an mindestens fünf Tagen wird mit der durchschnittlichen wöchentlichen Ausbildungszeit angerechnet.
  • Die Zeit der Freistellung wird auf die Ausbildungszeit angerechnet.

Wenn dein Betrieb dich nach der Berufsschule noch einplanen will, kommt es also auf Stundenumfang, Unterrichtsmodell, Alter und konkrete Anrechnung an. Bei Konflikten solltest du nicht nur mit Bauchgefühl argumentieren, sondern Stundenplan, Ausbildungszeit, Wegezeit und § 15 BBiG nebeneinanderlegen. Für Minderjährige gelten zusätzlich die Regeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes.

Was die Berufsschule für die IHK-Prüfung bringt

Die Berufsschule ersetzt keine gezielte Prüfungsvorbereitung, aber sie legt viele Grundlagen. Laut KMK-Rahmenlehrplan sind die Lernfelder 1 bis 6 wegen ihrer Prüfungsrelevanz vor Teil 1 der Abschlussprüfung zu unterrichten.

Für dich heißt das:

  • Nimm die frühen Lernfelder ernst, auch wenn sie allgemein wirken.
  • Schreibe dir Begriffe, Rechenwege und typische Aufgabenformate direkt prüfungstauglich auf.
  • Vergleiche Berufsschulthemen regelmäßig mit AP Teil 1 und später mit AP Teil 2.
  • Nutze schlechte Noten nicht als Urteil über dich, sondern als Hinweis auf konkrete Lücken.

Die Zulassung zur IHK-Abschlussprüfung hängt nach § 43 BBiG unter anderem an Ausbildungsdauer, Teilnahme an vorgeschriebenen Prüfungsbestandteilen und dem schriftlichen oder elektronischen Ausbildungsnachweis. Häufige Fehlzeiten in der Berufsschule können trotzdem problematisch werden, weil sie deinen Ausbildungsstand und deine Nachweise betreffen. Kläre längere Krankheit oder wiederholte Fehlzeiten deshalb früh mit Betrieb, Schule und IHK.

Wenn Berufsschule und Betrieb nicht zusammenpassen

In der dualen Ausbildung sollen Betrieb und Berufsschule zusammenwirken. In der Realität passt das nicht immer perfekt. Typische Probleme sind:

  • Die Schule behandelt ein Thema, das du im Betrieb nie praktisch siehst.
  • Der Betrieb erwartet Kenntnisse, die in der Schule erst später kommen.
  • Fachrichtungen werden gemeinsam unterrichtet und du musst dir Spezialthemen zusätzlich erarbeiten.
  • Die technische Ausstattung der Schule reicht für manche Übungen nicht aus.

Das ist ärgerlich, aber nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass deine Ausbildung schlecht ist. Entscheidend ist, ob du am Ende die berufliche Handlungsfähigkeit erreichst. Sprich Lücken konkret an:

  • “Wir machen in der Schule gerade Netzwerke. Kann ich im Betrieb beim nächsten VLAN-/Firewall-Thema mitlaufen?”
  • “Für AP1 fehlen mir noch Subnetting und einfache SQL-Abfragen. Wo kann ich das praktisch üben?”
  • “In meiner Fachrichtung kommt dieses Thema zu kurz. Gibt es ein internes Projekt, Ticket oder Lernzeit dafür?”

So nutzt du die Berufsschule besser

Viele Azubis behandeln Berufsschule wie Pflichtprogramm. Besser ist, sie als Frühwarnsystem zu nutzen. Wenn du im Unterricht merkst, dass dir Grundlagen fehlen, ist das günstiger als vier Wochen vor der Prüfung.

Pragmatische Routine:

  1. Lege pro Lernfeld eine eigene Notiz an.
  2. Sammle dort Begriffe, Rechenwege, typische Aufgaben und offene Fragen.
  3. Markiere alles, was du im Betrieb praktisch gesehen hast.
  4. Frage im Betrieb gezielt nach Praxisbezug für offene Themen.
  5. Übertrage prüfungsrelevante Grundlagen in deine AP1- oder AP2-Lernliste.

Wenn du stärker selbst lernen willst, passen dazu effektiv lernen in der IT-Ausbildung, der AP1-Lernguide, AP Teil 1 und später die fachrichtungsspezifischen Seiten unter AP Teil 2.

Offizielle Quellen

BerufsschuleAusbildungLernfelderTheorie
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Noel Lang

Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, baut Lernplattformen für IT-Azubis und schreibt hier über alles rund um den IT-Berufseinstieg.

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