Ausbildungsinhalte der IT-Berufe im Überblick
Die IT-Ausbildungsberufe bieten verschiedene Wege in die digitale Arbeitswelt. Dieser Überblick zeigt, was du in Betrieb und Berufsschule lernst, wie sich die Inhalte je nach Betrieb unterscheiden und worauf es in der Abschlussprüfung ankommt.
Noel Lang
Gründer & Fachinformatiker
Die IT-Ausbildungsberufe bieten dir verschiedene Wege in die digitale Arbeitswelt. Als Fachinformatiker kannst du zwischen vier Fachrichtungen wählen: In der Anwendungsentwicklung entwickelst du Software und programmierst Anwendungen. In der Systemintegration kümmerst du dich um IT-Systeme, Netzwerke und deren Administration. Die Daten- und Prozessanalyse beschäftigt sich mit der Auswertung großer Datenmengen und der Optimierung von Geschäftsprozessen. In der Digitalen Vernetzung verbindest du IT-Systeme mit Maschinen und Produktionsanlagen.
Als IT-System-Elektroniker installierst und wartest du IT-Systeme und kümmerst dich um deren Stromversorgung und elektrische Sicherheit. Der Schwerpunkt liegt stärker auf Hardware, Installation und elektrotechnischen Anforderungen.
Die kaufmännischen IT-Berufe ergänzen das technische Know-how um betriebswirtschaftliche Kompetenzen: Als Kaufmann für IT-System-Management berätst du Kunden zu IT-Lösungen und kümmerst dich um Vertrieb und Service. Als Kaufmann für Digitalisierungsmanagement analysierst und optimierst du digitale Geschäftsprozesse und entwickelst neue digitale Geschäftsmodelle.
Die ersten 18 Monate deiner Ausbildung enthalten in den modernisierten IT-Berufen einen gemeinsamen Kern. Dazu gehören zum Beispiel das Einrichten von Arbeitsplätzen, Kundenberatung, IT-Sicherheit, Datenschutz, Qualitätssicherung und Auftragsabschluss. Berufsspezifische Inhalte können schon früher vorkommen, werden aber im späteren Ausbildungsverlauf deutlich stärker.
Die folgende Tabelle ist eine redaktionelle Zusammenfassung. Verbindlich sind die Ausbildungsordnung deines konkreten Berufs, der betriebliche Ausbildungsplan und der Rahmenlehrplan deiner Berufsschule.
| Ausbildungsbereich | Typische Inhalte | Relevant für |
|---|---|---|
| Gemeinsame Grundlagen | Arbeitsplätze einrichten, Kunden beraten, IT-Sicherheit, Datenschutz | alle IT-Berufe |
| Software und Daten | Programmierung, Datenbanken, Schnittstellen, Tests | FIAE, DPA, teilweise Kaufleute |
| Systeme und Netzwerke | Server, Clients, Netzwerkdienste, Fehleranalyse | FISI, IT-SE, DV |
| Wirtschaft und Prozesse | Kosten, Angebote, Geschäftsprozesse, WiSo | alle IT-Berufe |
| Fachrichtung oder Berufsschwerpunkt | stärkere Vertiefung ab dem späteren Ausbildungsverlauf | dein konkreter Ausbildungsberuf |
Wenn du die Ausbildungsinhalte mit dem Alltag eines konkreten Berufs abgleichen willst, lies die Profile zu Fachinformatiker Anwendungsentwicklung, Fachinformatiker Systemintegration, Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse, Fachinformatiker Digitale Vernetzung, IT-System-Elektroniker, Kaufleute für IT-System-Management und Kaufleute für Digitalisierungsmanagement.
Der Ausbildungsrahmenplan als Basis
Die betriebliche Ausbildung folgt einem Ausbildungsrahmenplan, der Bestandteil der jeweiligen Ausbildungsordnung ist. Dieser legt verbindlich fest, welche Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten dir mindestens vermittelt werden müssen. Der Plan ist in verschiedene Abschnitte gegliedert, die aufeinander aufbauen.
In den ersten 18 Monaten lernst du vor allem berufsübergreifende Grundlagen. Dazu gehören das Planen und Vorbereiten von Arbeitsaufgaben, das Beraten von Kunden, die Beurteilung von IT-Systemen und die Umsetzung von IT-Sicherheit und Datenschutz. Diese gemeinsame Basis ist in den Ausbildungsordnungen der modernisierten IT-Berufe ausdrücklich angelegt.
Ab dem späteren Ausbildungsverlauf tritt dein Berufs- oder Fachrichtungsschwerpunkt stärker hervor. Als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung konzentrierst du dich zum Beispiel stärker auf Softwareentwicklung und Qualitätssicherung. In der Systemintegration stehen dagegen die Administration von IT-Systemen, Netzwerke und Systemintegration im Vordergrund.
Dein Ausbildungsbetrieb muss auf Basis des Rahmenplans einen betrieblichen Ausbildungsplan für dich erstellen. Dieser konkretisiert, wann und wie dir die Inhalte vermittelt werden. Dabei hat der Betrieb Gestaltungsspielraum. Die Reihenfolge kann an betriebliche Abläufe angepasst werden, solange alle vorgeschriebenen Inhalte behandelt werden.
Zusätzlich legt dein Ausbildungsbetrieb ein Einsatzgebiet fest, in dem die Ausbildungsinhalte vertieft werden. Als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung nennt die Ausbildungsverordnung zum Beispiel kaufmännische Systeme, technische Systeme oder Multimedia-Systeme. Du kannst Wünsche einbringen, maßgeblich sind aber Ausbildungsordnung, Betrieb und zuständige Stelle.
Der Ausbildungsrahmenplan setzt Mindestvorgaben, damit die Ausbildung nicht nur aus den zufälligen Tagesaufgaben deines Betriebs besteht. Das ist auch wichtig für die Prüfungen, die sich an der jeweiligen Ausbildungsverordnung und den zuständigen Prüfungsstellen orientieren.
Theoretische Grundlagen in der Berufsschule
Parallel zur praktischen Ausbildung im Betrieb besuchst du die Berufsschule. Der Unterricht folgt einem Rahmenlehrplan, der bundesweit mit dem Ausbildungsrahmenplan abgestimmt ist. So sollen sich Theorie und Praxis ergänzen. Je nach Berufsschule findet der Unterricht an 1–2 Tagen pro Woche oder im Blockunterricht statt.
Der Unterricht ist in Lernfelder gegliedert, die sich an beruflichen Handlungssituationen orientieren. Die ersten Lernfelder bilden eine gemeinsame Grundlage; nach KMK sind die Lernfelder 1 bis 5 in den technischen und kaufmännischen IT-Rahmenlehrplänen identisch formuliert, Lernfeld 6 ist ebenfalls gemeinsam angelegt. Du lernst zum Beispiel, wie du Arbeitsplätze ausstattest, Clients in Netzwerke einbindest, Schutzbedarfe analysierst und Serviceanfragen bearbeitest.
Ab dem zweiten Ausbildungsjahr kommen fachrichtungsspezifische Lernfelder hinzu. Als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung beschäftigst du dich intensiv mit Softwareentwicklung und Programmierung. In der Systemintegration stehen dagegen Netzwerktechnik und Systemadministration im Fokus. Die Daten- und Prozessanalyse konzentriert sich auf Datenauswertung und Prozessoptimierung, während in der Digitalen Vernetzung die Integration von IT in Produktionssysteme zentral ist.
Neben den berufsbezogenen Fächern hast du auch allgemeinbildenden Unterricht wie Deutsch, Englisch, Politik und Wirtschaftskunde. Diese Fächer sind wichtig, weil du in deinem späteren Beruf nicht nur technisches Wissen brauchst, sondern auch kommunizieren, Dokumentationen erstellen und wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen musst.
Die Berufsschule liefert auch eine Grundlage für die Prüfungsvorbereitung. Nach den Ausbildungsordnungen umfasst Teil 1 der Abschlussprüfung neben den betrieblichen Inhalten der ersten 18 Monate auch den passenden Berufsschulstoff. Konkrete Prüfungsvorbereitungskurse hängen aber von Schule, IHK-Region und Betrieb ab.
Unterschiede je nach Ausbildungsbetrieb
Obwohl die Grundlagen der Ausbildung überall gleich sind, unterscheiden sich die konkreten Ausbildungsinhalte je nach Branche und Betrieb deutlich. Als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung entwickelst du in einer Bank zum Beispiel Anwendungen für das Online-Banking oder Systeme zur Kreditprüfung. Im Industriebetrieb programmierst du dagegen eher Software für die Produktionssteuerung oder Qualitätskontrolle.
Die Unterschiede zeigen sich auch in den eingesetzten Technologien und Werkzeugen. Während in manchen Betrieben hauptsächlich mit Java oder C++ programmiert wird, setzen andere auf Python oder JavaScript. Einige Unternehmen arbeiten mit Cloud-Technologien, andere betreiben ihre IT-Systeme komplett im eigenen Rechenzentrum.
Auch die Größe des Ausbildungsbetriebs spielt eine wichtige Rolle. In großen Unternehmen durchläufst du oft verschiedene Abteilungen und lernst unterschiedliche Bereiche kennen. Kleine und mittlere Betriebe binden dich dagegen häufiger direkt in konkrete Aufgaben oder Projekte ein. Verantwortung sollte dabei schrittweise wachsen und zur Betreuung im Betrieb passen.
Bei der Wahl des Ausbildungsbetriebs solltest du deshalb genau auf die Stellenausschreibungen achten. Informiere dich über:
- Die eingesetzten Technologien und Entwicklungsumgebungen
- Die typischen Projekte und Aufgabenbereiche
- Die Größe des IT-Teams und die Betreuung während der Ausbildung
- Mögliche Spezialisierungen und Einsatzgebiete
- Die Übernahmechancen nach der Ausbildung
Die unterschiedlichen Schwerpunkte der Betriebe bieten dir die Chance, dich bereits während der Ausbildung in die Richtung zu entwickeln, die dich besonders interessiert. Ausbildungsrahmenplan und Berufsschule setzen dabei einen verbindlichen Rahmen, damit die zentralen Kompetenzen deines Berufs nicht untergehen.
Prüfungsrelevante Inhalte
Deine Ausbildung schließt du mit einer gestreckten Abschlussprüfung ab. Diese besteht aus zwei Teilen: Teil 1 findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt, Teil 2 am Ende der Ausbildung. Die Prüfungsinhalte orientieren sich dabei an der jeweiligen Ausbildungsverordnung, dem Ausbildungsrahmenplan und den Vorgaben der zuständigen Prüfungsstelle.
In Teil 1 der Prüfung zeigst du deine Kompetenz beim Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes. Du bearbeitest praxisbezogene Aufgaben wie die Ermittlung von Kundenanforderungen, die Auswahl von Hard- und Software sowie die Konfiguration und den Test des Arbeitsplatzes. Dabei spielen auch Datenschutz, IT-Sicherheit und Qualitätssicherung eine Rolle.
Teil 2 der Prüfung unterscheidet sich je nach Beruf und Fachrichtung. Als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung erstellst du zum Beispiel eine betriebliche Projektarbeit im Prüfungsbereich “Planen und Umsetzen eines Softwareprojektes”; für Projektarbeit und Dokumentation sind dort höchstens 80 Stunden vorgesehen. In anderen Fachrichtungen und IT-Berufen gelten andere Projektbereiche und Zeitrahmen.
Zur Vorbereitung auf die Prüfungen stehen dir verschiedene Ressourcen zur Verfügung:
- Rechtmäßig bezogene Originalaufgaben oder Aufgabenbände aus offiziellen Shops
- Übungsbücher und Online-Kurse von Bildungsanbietern (wie wir)
- Lerngruppen mit anderen Auszubildenden
- Prüfungsvorbereitende Kurse der Berufsschule oder IHK
Besonders wichtig für Teil 1 sind die Inhalte aus den ersten 18 Monaten. Dazu gehören je nach Beruf zum Beispiel Arbeitsplätze, Netzwerke, Datenschutz, IT-Sicherheit, Qualitätssicherung, Service und Auftragsabschluss. In Teil 2 kommen die berufsspezifischen Prüfungsbereiche hinzu.
Tipps zur Orientierung
Um dich gut auf deine IT-Ausbildung vorzubereiten, solltest du verschiedene Informationsquellen nutzen. Die offiziellen Ausbildungsordnungen findest du bei Gesetze im Internet; das BIBB bündelt zusätzlich Berufsprofile, Rechtsgrundlagen und Rahmenlehrplan-Hinweise. Dort erhältst du detaillierte Informationen zu Ausbildungsinhalten und Prüfungsanforderungen.
Die Industrie- und Handelskammern (IHK) bieten zusätzlich Beratungsgespräche an und informieren über Ausbildungsbetriebe in deiner Region. Auch die Berufsberater der Arbeitsagentur können dir bei der Wahl der passenden Fachrichtung und des richtigen Ausbildungsbetriebs helfen.
Nutze die Chance, bei Ausbildungsmessen oder Tagen der offenen Tür direkt mit Ausbildungsbetrieben und aktuellen Auszubildenden zu sprechen. So erfährst du aus erster Hand, wie die Ausbildung in der Praxis aussieht. Viele Unternehmen bieten auch Praktika an, durch die du einen konkreten Einblick in den Arbeitsalltag bekommst.
Informiere dich auch über Verdienstmöglichkeiten und Karrierechancen nach der Ausbildung. Nutze dafür nicht nur einzelne Erfahrungsberichte, sondern vergleiche Fachrichtung, Region, Branche und Unternehmensgröße. Als Startpunkt helfen IT-Ausbildung Gehalt und Fachinformatiker Gehalt.
Offizielle Quellen
- Fachinformatikerausbildungsverordnung
- FIAusbV § 3: Gegenstand der Berufsausbildung und Ausbildungsrahmenplan
- FIAusbV § 5: Einsatzgebiet
- FIAusbV § 6: Ausbildungsplan
- IT-System-Elektroniker-Ausbildungsverordnung
- IT-System-Management-Kaufleute-Ausbildungsverordnung
- Digitalisierungsmanagement-Kaufleute-Ausbildungsverordnung
- BIBB Berufesuche: Fachinformatiker/in
- KMK Rahmenlehrplan: Fachinformatiker/in und IT-System-Elektroniker/in
- KMK Rahmenlehrplan: Kaufleute für IT-System-Management und Digitalisierungsmanagement

Noel Lang
Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, baut Lernplattformen für IT-Azubis und schreibt hier über alles rund um den IT-Berufseinstieg.
Alle Artikel von Noel