Berichtsheft richtig führen: Mehr als nur Papierkram
Das Berichtsheft ist Pflicht und Zulassungsvoraussetzung für die Abschlussprüfung. Wie du es korrekt führst, welche Fehler du vermeidest und was du bei Problemen tun kannst.
Noel Lang
Gründer & Fachinformatiker
Das Berichtsheft, auch Ausbildungsnachweis genannt, ist ein wichtiger Teil deiner Ausbildung. Nach dem Berufsbildungsgesetz bist du als Auszubildender verpflichtet, einen schriftlichen oder elektronischen Ausbildungsnachweis zu führen. Das gilt auch für die IT-Berufe.
Der Ausbildungsnachweis dokumentiert den Verlauf deiner Ausbildung und ist gleichzeitig eine wichtige Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung. Wenn der Nachweis fehlt oder unvollständig ist, kann die Zulassung zur Abschlussprüfung gefährdet sein.
Die wichtigsten Fakten zum Berichtsheft auf einen Blick:
- Es muss während der Ausbildungszeit geführt werden
- Der Betrieb muss dir Gelegenheit geben, es am Arbeitsplatz zu führen
- Die Form, schriftlich oder elektronisch, gehört in die Vertragsabfassung
- Dein Ausbilder muss es regelmäßig durchsehen; Unterschrift oder digitale Freigabe richten sich nach Verfahren und IHK-Praxis
- Es ist Zulassungsvoraussetzung für die Abschlussprüfung
Verbindlich sind BBiG, dein Ausbildungsvertrag, das genutzte Nachweisverfahren und die Vorgaben deiner zuständigen IHK.
In den folgenden Abschnitten erfährst du, warum das Berichtsheft so wichtig ist und wie du es richtig führst. Außerdem beantworten wir die häufigsten Fragen rund um den Ausbildungsnachweis.
| Bereich | Was ins Berichtsheft gehört | Beispiel aus der IT-Ausbildung |
|---|---|---|
| Betriebliche Tätigkeit | konkrete Aufgaben, Systeme, Werkzeuge | Tickets bearbeitet, Testserver eingerichtet |
| Berufsschule | behandelte Themen und Fächer | SQL-Grundlagen, WiSo, Englisch |
| Projekte | Ziel, eigener Beitrag, Ergebnis | kleines Skript geschrieben und dokumentiert |
| Fehlzeiten | Krankheit, Urlaub, Feiertage | Berufsschultag ausgefallen, Urlaub eingetragen |
| Kontrolle | Datum und Unterschrift/Freigabe | regelmäßige Prüfung durch Ausbilder |
Warum das Berichtsheft wichtig ist
Das Berichtsheft erfüllt mehrere wichtige Funktionen in deiner Ausbildung. Es dient nicht nur als Dokumentation, sondern auch als nachvollziehbarer Nachweis für dich und deinen Ausbildungsbetrieb. Durch die regelmäßigen Einträge entsteht ein Überblick über deine Ausbildungsinhalte.
Besonders wertvoll wird das Berichtsheft in schwierigen Situationen. Wenn es Probleme in der Ausbildung gibt, kannst du anhand deiner Aufzeichnungen belegen, welche Tätigkeiten du ausgeführt hast und welche Inhalte vermittelt wurden. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn dein Betrieb nicht alle vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte vermittelt oder wenn die Betreuung durch deinen Ausbilder nicht ausreichend ist.
Bei einem Betriebswechsel hilft das Berichtsheft dem neuen Ausbildungsbetrieb, deinen bisherigen Ausbildungsstand einzuschätzen. So können fehlende Inhalte erkannt und nachgeholt werden. Für Gespräche mit Schule, Betrieb oder Ausbildungsberatung kann es außerdem eine nützliche Grundlage sein, weil die praktischen und schulischen Inhalte nachvollziehbar dokumentiert sind.
Das Berichtsheft hilft dir besonders in diesen Situationen:
- Bei Konflikten mit dem Ausbildungsbetrieb
- Bei einem Wechsel des Ausbildungsbetriebs
- Bei Unstimmigkeiten über vermittelte Ausbildungsinhalte
- Bei der Prüfung deiner Zulassungsvoraussetzungen für die Abschlussprüfung
- Bei der Beurteilung deines Ausbildungsstands nach längeren Fehlzeiten
Ein konkretes Beispiel aus der IT-Ausbildung: Wenn du dauerhaft nur für einfache Supportaufgaben eingesetzt wirst und fachrichtungs- oder berufsrelevante Inhalte fehlen, kannst du dies anhand deiner Dokumentation nachvollziehbar machen. Das Berichtsheft wird so zu einem wichtigen Instrument für die Qualitätssicherung deiner Ausbildung.
Der regelmäßige Austausch mit deinem Ausbilder über die Einträge im Berichtsheft gibt dir außerdem die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Feedback zu deiner Entwicklung zu bekommen. So behältst du den Überblick über deinen Lernfortschritt und kannst aktiv auf die vollständige Vermittlung aller Ausbildungsinhalte hinwirken.
So führst du das Berichtsheft richtig
Das Berichtsheft kannst du je nach Vorgabe täglich oder wöchentlich führen. In IT-Berufen ist die wöchentliche Dokumentation verbreitet, da Projekte und Aufgaben oft über mehrere Tage laufen. Dein Ausbildungsbetrieb und das regionale Verfahren legen Rhythmus und konkrete Form fest.
Digital oder auf Papier?
Der Ausbildungsnachweis kann schriftlich oder elektronisch geführt werden. Maßgeblich ist, was in deiner Vertragsabfassung steht und welches Verfahren dein Betrieb beziehungsweise deine IHK nutzt. Digitale Berichtshefte bieten je nach System einige Vorteile für IT-Auszubildende:
- Einfache Korrekturmöglichkeiten
- Sicherungs- oder Exportfunktionen
- Direkte digitale Freigabe durch den Ausbilder
- Bessere Lesbarkeit der Einträge
- Schnellere Bearbeitung durch Vorlagen
Die richtigen Einträge machen
Ein guter Eintrag beschreibt deine Tätigkeiten präzise und nachvollziehbar. Hier ein Beispiel für einen typischen Wocheneintrag in der IT-Ausbildung:
“Diese Woche habe ich ein Ticketsystem für den Support eingerichtet. Dafür habe ich zunächst verschiedene Open-Source-Lösungen verglichen und mich nach Absprache mit meinem Ausbilder für OTRS entschieden. Nach der Installation auf einem Testserver habe ich das System konfiguriert und erste Testtickets erstellt. Außerdem habe ich an zwei Tagen den First-Level-Support betreut und dabei 12 Kundenanfragen bearbeitet.”
Vermeide diese häufigen Fehler:
- Zu kurze oder nichtssagende Einträge (“PC repariert”)
- Zu allgemeine Beschreibungen (“Den ganzen Tag programmiert”)
- Fehlende Angaben zu Werkzeugen oder Technologien
- Unvollständige Dokumentation der Berufsschultage
Zeit und Ort für die Dokumentation
Dein Ausbildungsbetrieb muss dir während der Arbeitszeit die Möglichkeit geben, das Berichtsheft zu führen. Am besten legst du dir einen festen Rhythmus zu. Viele Auszubildende reservieren sich dafür:
- Die letzten 15 Minuten jeden Arbeitstags oder
- Eine halbe Stunde am Ende der Arbeitswoche
Dokumentiere auch deine Berufsschultage mit den behandelten Themen. Ein guter Eintrag könnte so aussehen: “Berufsschule: Datenbanken, Einführung in SQL, praktische Übungen zu SELECT-Abfragen und WHERE-Bedingungen”.
Kontrolle und Freigaben
Dein Ausbilder muss das Berichtsheft regelmäßig durchsehen. Viele Betriebe arbeiten mit wöchentlicher Durchsicht, einzelne IHK-Merkblätter nennen mindestens monatliche Kontrolle als Mindestpraxis. Plane dafür einen festen Termin ein. Bei digitalen Berichtsheften erfolgt die Bestätigung meist durch eine elektronische Freigabe.
Speichere dein Berichtsheft, ob digital oder analog, sicher und mache regelmäßig Sicherungskopien. Im Zulassungsverfahren zur Abschlussprüfung musst du den Ausbildungsnachweis schriftlich oder elektronisch über deinen Ausbildungsbetrieb vorlegen können. Ob und wann deine IHK den Nachweis aktiv sehen will, hängt vom jeweiligen Zulassungsverfahren ab.
Die Einträge werden von dir erstellt und müssen regelmäßig von der zuständigen ausbildenden Person kontrolliert werden. In Papierform geschieht das meist per Unterschrift, in digitalen Systemen häufig per elektronischer Freigabe. Wenn dein Ausbilder im Urlaub oder krank ist, kann auch ein benannter Vertreter zuständig sein.
Vergessene Einträge solltest du zeitnah nachholen. Informiere deinen Ausbilder darüber und hole die nötige Bestätigung oder Freigabe nach. Längere Lücken im Berichtsheft können Probleme bei der Prüfungszulassung verursachen. Diese häufigsten Versäumnisse solltest du vermeiden: fehlende Bestätigungen, nicht dokumentierte Berufsschultage, Lücken von mehreren Wochen sowie unvollständige Einträge bei Krankheit oder Urlaub.
Bei einem verlorenen Berichtsheft solltest du sofort deinen Ausbilder informieren und mit ihm klären, ob die IHK einbezogen werden muss. Erstelle dann aus dem Gedächtnis und anhand deiner Arbeitsunterlagen neue Einträge. Dein Ausbilder sollte diese prüfen und je nach Verfahren nachträglich bestätigen. Bei digitalen Berichtsheften kann meist eine Sicherungskopie wiederhergestellt werden.
Das Berichtsheft kann im Zulassungsverfahren zur Abschlussprüfung, auf Anforderung der IHK, bei einem Ausbilderwechsel, bei einem Betriebswechsel oder bei Gesprächen mit Ausbildungsberatern relevant werden. Manche IHKs fordern den Nachweis nur nach Aufforderung oder stichprobenartig an. Entscheidend ist, dass du ihn bei Bedarf vollständig und nachvollziehbar vorlegen kannst.
Wenn dein Ausbilder die Bestätigung verweigert oder dir keine Gelegenheit zum Führen des Berichtshefts am Arbeitsplatz einräumt, sprich zunächst mit ihm darüber. Führt das zu keiner Lösung, wende dich an die Ausbildungsabteilung in deinem Betrieb, den Betriebsrat (falls vorhanden), die zuständige IHK oder die JAV (Jugend- und Auszubildendenvertretung). Diese Stellen können Ansprechstellen sein und bei der Klärung helfen.
Offizielle Quellen
- Berufsbildungsgesetz § 13: Verhalten während der Berufsausbildung
- Berufsbildungsgesetz § 14: Berufsausbildung
- Berufsbildungsgesetz § 43: Zulassung zur Abschlussprüfung
- Berufsbildungsgesetz § 11: Vertragsabfassung
- IHK Bonn/Rhein-Sieg: Ausbildungsnachweise und Berichtshefte
- IHK Potsdam: Ausbildungsnachweis und Zulassungsverfahren

Noel Lang
Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, baut Lernplattformen für IT-Azubis und schreibt hier über alles rund um den IT-Berufseinstieg.
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