Rechte & Pflichten: Pflichten als Azubi

Mit dem Start deiner IT-Ausbildung übernimmst du wichtige Pflichten: aktives Lernen, sorgfältige Dokumentation, Weisungsgebundenheit und Verschwiegenheit. Hier erfährst du, was das im Ausbildungsalltag konkret bedeutet.

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Noel Lang

Gründer & Fachinformatiker

Veröffentlicht: Aktualisiert: 6 Min. Lesezeit

Mit dem Start deiner Ausbildung in einem IT-Beruf übernimmst du wichtige Pflichten, die im Berufsbildungsgesetz und in deinem Ausbildungsvertrag festgelegt sind. Diese Pflichten bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Ausbildung und deine spätere Berufstätigkeit in der IT-Branche.

Die wichtigsten Pflichten für dich als Auszubildender sind:

  • Aktives Lernen und Mitarbeiten im Betrieb und in der Berufsschule
  • Sorgfältiges Führen des Ausbildungsnachweises
  • Befolgen von Weisungen der Ausbilder
  • Gewissenhafte Behandlung von Arbeitsmitteln
  • Wahrung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen

Diese Pflichten gelten während der gesamten Ausbildungszeit. Wenn du sie ernst nimmst und gewissenhaft erfüllst, schaffst du eine gute Basis für deinen erfolgreichen Berufsabschluss. In den folgenden Abschnitten erfährst du im Detail, was die einzelnen Pflichten für dich bedeuten und wie du sie im Ausbildungsalltag umsetzt.

PflichtWas das im Alltag bedeutetTypischer Fehler
Lernpflichtaktiv mitarbeiten, nachfragen, Berufsschule ernst nehmennur Aufgaben abarbeiten ohne Verständnis
Ausbildungsnachweisregelmäßig und vollständig dokumentierenEinträge wochenlang aufschieben
Weisungen beachtenberechtigte Anweisungen von Ausbildern befolgenunklare Aufgaben nicht rückfragen
SorgfaltArbeitsmittel und Daten verantwortungsvoll behandelnZugangsdaten oder Geräte nachlässig nutzen
VerschwiegenheitKunden- und Betriebsinformationen schützeninterne Details privat oder online teilen

Die Lernpflicht: deine wichtigste Aufgabe

Das Berufsbildungsgesetz verpflichtet dich, aktiv an deiner Ausbildung mitzuwirken. Deine zentrale Aufgabe besteht darin, dir alle Fertigkeiten und Kenntnisse anzueignen, die für deinen IT-Beruf notwendig sind. Dies bedeutet nicht nur die passive Teilnahme am Unterricht, sondern erfordert deine aktive Mitarbeit sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule.

Im Betrieb solltest du:

  • Aufmerksam die Erklärungen deiner Ausbilder verfolgen
  • Eigenständig Aufgaben bearbeiten und Lösungen entwickeln
  • Bei Unklarheiten nachfragen und um Hilfe bitten
  • Dich auch über die Pflichtaufgaben hinaus mit neuen Technologien beschäftigen

In der Berufsschule gehören zu deinen Pflichten:

  • Regelmäßige und pünktliche Teilnahme am Unterricht
  • Aktive Mitarbeit in allen Fächern
  • Gewissenhafte Vor- und Nachbereitung des Unterrichtsstoffs
  • Fristgerechtes Erledigen von Hausaufgaben

Besonders wichtig ist deine Eigeninitiative beim Lernen. In IT-Berufen ändern sich Werkzeuge, Sicherheitsanforderungen und Arbeitsweisen regelmäßig. Nutze deshalb die Lernangebote deines Betriebs, Online-Ressourcen und Fachliteratur. Plane regelmäßige Lernzeiten ein und setze dir realistische Lernziele.

Wenn du längere Zeit krank bist oder aus anderen Gründen nicht am Unterricht teilnehmen kannst, musst du dies unverzüglich sowohl dem Betrieb als auch der Berufsschule melden. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, ist die ärztliche Bescheinigung spätestens am darauffolgenden Arbeitstag fällig; dein Betrieb kann sie auch früher verlangen. Den versäumten Stoff musst du eigenständig nachholen.

Zur Lernpflicht gehört auch, dich rechtzeitig auf die vorgeschriebenen Prüfungsteile vorzubereiten. In den IT-Berufen betrifft das vor allem AP Teil 1 und AP Teil 2. Dein Ausbildungsbetrieb und die Berufsschule unterstützen dich dabei, die Initiative muss aber von dir ausgehen.

Dokumentationspflichten und Ausbildungsnachweis

Der Ausbildungsnachweis, früher auch als Berichtsheft bekannt, ist ein wichtiges Dokument deiner Ausbildung. Das regelmäßige und sorgfältige Führen des Nachweises ist eine Pflicht und spielt bei der Zulassung zur Abschlussprüfung eine zentrale Rolle.

Ein vollständiger Ausbildungsnachweis enthält:

  • Beschreibungen der durchgeführten Tätigkeiten im Betrieb
  • Dokumentation des Berufsschulunterrichts
  • Teilnahme an Schulungen und anderen Ausbildungsmaßnahmen
  • Projekte und deren Ergebnisse
  • Bestätigung oder Freigabe durch die zuständige ausbildende Person

Die Einträge müssen regelmäßig und zeitnah erfolgen. Ob du täglich, wöchentlich oder in einem anderen Rhythmus dokumentierst, hängt von Betrieb, IHK-Praxis und der vereinbarten Form ab. Dein Betrieb muss dir während der Arbeitszeit Gelegenheit geben, den Ausbildungsnachweis zu führen. Plane dafür am besten einen festen Zeitpunkt ein, zum Beispiel jeweils am Ende der Arbeitswoche.

So führst du den Ausbildungsnachweis korrekt:

  1. Beschreibe deine Tätigkeiten knapp aber präzise
  2. Verwende Fachbegriffe richtig
  3. Achte auf Vollständigkeit und Lesbarkeit
  4. Dokumentiere auch die Berufsschulthemen
  5. Hole regelmäßig die erforderliche Kontrolle, Freigabe oder Unterschrift ein

Viele Betriebe nutzen inzwischen digitale Ausbildungsnachweise. Die Form, ob digital oder auf Papier, wird in deinem Ausbildungsvertrag festgelegt. Bei der digitalen Version gelten die gleichen Anforderungen an Regelmäßigkeit und Nachvollziehbarkeit; statt einer handschriftlichen Unterschrift kann je nach System eine elektronische Freigabe vorgesehen sein.

Wenn du den Ausbildungsnachweis nicht oder nur unvollständig führst, kann deine Prüfungszulassung gefährdet sein. Außerdem ist der Nachweis ein wichtiges Dokument bei möglichen Konflikten während der Ausbildung, da er den Ausbildungsverlauf belegt. Bewahre daher alle Unterlagen sorgfältig auf und mache dir regelmäßig Sicherungskopien, besonders bei der digitalen Version.

Weisungsgebundenheit und betriebliche Ordnung

In IT-Unternehmen ist eine klare Organisationsstruktur wichtig für reibungslose Arbeitsabläufe. Als Auszubildender musst du berechtigte Weisungen befolgen, die dir im Rahmen deiner Berufsausbildung erteilt werden. Diese Weisungsbefugnis gilt für Ausbildende, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie andere Personen, die im Betrieb entsprechend beauftragt oder als weisungsberechtigt benannt sind.

Typische weisungsberechtigte Personen in deiner Ausbildung sind:

  • Dein direkter Ausbilder oder deine Ausbilderin
  • Die Ausbildungsleitung
  • Projektleiter und Teamleiter in deinem Einsatzbereich
  • Fachkräfte, die mit deiner Anleitung beauftragt sind

Die betriebliche Ordnung umfasst verschiedene Regelwerke und Vorschriften, die du einhalten musst. Besonders wichtig in IT-Unternehmen sind:

Arbeitszeit und Anwesenheit:

  • Pünktliches Erscheinen zur vereinbarten Arbeitszeit
  • Einhalten der Pausenzeiten
  • Rechtzeitige Krankmeldung (meist vor Arbeitsbeginn)
  • Beantragung von Urlaub nach betrieblichen Vorgaben

IT-Sicherheit und Datenschutz:

  • Nutzung von Passwörtern und Zugangsdaten nach Vorgabe
  • Einhaltung der IT-Sicherheitsrichtlinien
  • Verantwortungsvoller Umgang mit betrieblicher Hardware
  • Beachtung der Datenschutzbestimmungen

Die Anweisungen müssen sich dabei im Rahmen deiner Ausbildung bewegen. Ausbildende dürfen dir nur Aufgaben übertragen, die dem Ausbildungszweck dienen und deinen körperlichen Kräften angemessen sind. Wenn du dauerhaft ausbildungsfremde Tätigkeiten bekommst, kläre das zuerst mit deinem Ausbilder oder der Ausbildungsleitung und hole dir bei Bedarf Unterstützung durch Betriebsrat, JAV oder IHK-Ausbildungsberatung.

Verstöße gegen die betriebliche Ordnung oder die Nichtbefolgung von Anweisungen können arbeitsrechtliche Konsequenzen haben. Diese reichen von einem klärenden Gespräch über eine Abmahnung bis hin zur Kündigung in schweren Fällen. Handle daher stets verantwortungsbewusst und frage im Zweifelsfall lieber einmal mehr nach.

Sorgfaltspflicht im Umgang mit Arbeitsmitteln

In der IT-Ausbildung arbeitest du mit hochwertiger technischer Ausrüstung. Der sorgfältige Umgang mit diesen Arbeitsmitteln gehört zu deinen wichtigsten Pflichten. Dein Ausbildungsbetrieb stellt dir die notwendige Ausstattung kostenlos zur Verfügung, im Gegenzug wird ein verantwortungsvoller Umgang damit erwartet.

Besondere Sorgfalt ist erforderlich bei:

Hardware:

  • Laptops, Tablets und mobile Geräte
  • Server und Netzwerkkomponenten
  • Mess- und Diagnosegeräte
  • Werkzeuge für Hardware-Installationen

Software und Daten:

  • Betriebssysteme und Anwendungsprogramme
  • Entwicklungsumgebungen und Tools
  • Lizenzen und Zugangsdaten
  • Kunden- und Unternehmensdaten

So gehst du richtig mit den Arbeitsmitteln um:

  1. Befolge die Bedienungsanleitungen und Nutzungsrichtlinien
  2. Melde Schäden oder Fehlfunktionen sofort
  3. Sichere Daten regelmäßig nach Vorgabe
  4. Halte deinen Arbeitsplatz sauber und ordentlich
  5. Verwende die Geräte nur für dienstliche Zwecke

Für Zugangsdaten gilt besondere Vorsicht: Speichere Passwörter, Tokens oder Kundenzugänge nicht in privaten Notizen, Chatverläufen oder unverschlüsselten Dateien. Nutze die im Betrieb vorgesehenen Passwortmanager, Secret-Stores und Freigabeprozesse.

Bei Beschädigungen durch pflichtwidriges Verhalten kann eine Haftung im Einzelfall in Betracht kommen. Besonders kritisch wird es, wenn du Sicherheitsvorschriften missachtest oder grob fahrlässig handelst. Normale Abnutzung und typische betriebliche Risiken sind davon zu unterscheiden.

Besonders wichtig ist der sichere Transport von mobilen Geräten. Verwende immer die dafür vorgesehenen Taschen oder Koffer. Lasse keine Geräte unbeaufsichtigt und sichere sie gegen Diebstahl. Bei Homeoffice-Arbeit gelten die gleichen Sorgfaltspflichten wie im Betrieb.

Verschwiegenheitspflicht

Als Auszubildender in einem IT-Beruf erhältst du Zugang zu sensiblen Informationen. Die Verschwiegenheitspflicht verpflichtet dich, diese Informationen geheim zu halten, nicht nur während der Ausbildung, sondern auch danach. Diese Pflicht ist besonders wichtig, da IT-Unternehmen oft mit vertraulichen Daten arbeiten.

Zu den schützenswerten Informationen gehören:

  • Geschäftsprozesse und Entwicklungsprojekte
  • Kundendaten und Auftragsdetails
  • Zugangsdaten und Passwörter
  • Technische Spezifikationen
  • Interne Dokumente und Kommunikation

Die Verschwiegenheitspflicht gilt insbesondere gegenüber:

  1. Konkurrenzunternehmen
  2. Freunden und Familie
  3. Anderen Auszubildenden
  4. Sozialen Medien
  5. Ehemaligen Kollegen nach der Ausbildung

Deine Verschwiegenheitspflicht wird meist durch zusätzliche Vereinbarungen konkretisiert. Häufig musst du eine separate Vertraulichkeitsvereinbarung oder eine Datenschutzerklärung unterschreiben. Diese Dokumente regeln im Detail, welche Informationen als vertraulich gelten und wie du damit umgehen musst.

Ein Verstoß gegen die Verschwiegenheitspflicht kann je nach Schwere, Verschulden und Einzelfall erhebliche Folgen haben:

  • Abmahnung oder in schweren Fällen außerordentliche Kündigung
  • mögliche Schadenersatzforderungen
  • mögliche strafrechtliche Konsequenzen bei besonders geschützten Daten oder Geheimnissen
  • Nachteile für spätere Referenzen und Bewerbungen

Im Zweifelsfall frage lieber einmal mehr bei deinem Ausbilder nach, welche Informationen du weitergeben darfst und welche nicht. Besondere Vorsicht ist auch bei der Nutzung von privaten Geräten oder beim Homeoffice geboten. Achte darauf, dass keine vertraulichen Unterlagen für Unbefugte zugänglich sind.

Konsequenzen bei Pflichtverletzungen

Wenn du deine Pflichten als Auszubildender verletzt, kann dies verschiedene Konsequenzen nach sich ziehen. Häufig wird zunächst abgestuft reagiert, damit du dein Verhalten korrigieren kannst. Bei besonders schweren Pflichtverletzungen kann die Reaktion aber auch sofort ernster ausfallen.

Typische Pflichtverletzungen und ihre Folgen:

Mögliche Folgen bei leichteren Verstößen:

  • Verspätungen: Gespräch mit Ausbilder oder Ermahnung
  • Unordentliche Dokumentation: Nachbesserung und engere Kontrolle
  • Kleine Nachlässigkeiten: mündliche Ermahnung

Mögliche Folgen bei schwereren Verstößen:

  • Unentschuldigtes Fehlen: schriftliche Abmahnung
  • Verweigerung berechtigter Ausbildungsaufträge: Abmahnung
  • Datenschutzverstöße: je nach Schwere Abmahnung, Kündigungsprüfung oder weitere rechtliche Folgen

So vermeidest du Konflikte von vornherein:

  1. Kommuniziere offen mit deinem Ausbilder
  2. Frage nach, wenn du unsicher bist
  3. Reagiere sofort auf Kritik
  4. Dokumentiere wichtige Gespräche
  5. Nutze Beratungsangebote der IHK

Bei rechtlichen Streitigkeiten aus einem bestehenden Ausbildungsverhältnis kann ein Schlichtungsausschuss bei der zuständigen Stelle relevant sein. Nach § 111 ArbGG können solche Ausschüsse gebildet werden; wenn für deinen Fall ein zuständiger Ausschuss besteht, muss die Verhandlung dort einer Klage beim Arbeitsgericht vorausgehen. Kläre im konkreten Fall mit deiner IHK, welche Stelle zuständig ist.

Solltest du eine Abmahnung erhalten, nimm diese ernst und reagiere angemessen:

  • Prüfe den Sachverhalt sorgfältig
  • Verfasse gegebenenfalls eine Gegendarstellung
  • Ändere das beanstandete Verhalten
  • Dokumentiere deine Bemühungen zur Besserung

Die beste Strategie ist es, Pflichtverletzungen von Anfang an zu vermeiden. Bleibe mit deinem Ausbilder im Gespräch und hole dir bei Unsicherheiten rechtzeitig Unterstützung. Eine erfolgreiche Ausbildung ist immer das Ergebnis guter Zusammenarbeit zwischen dir und deinem Ausbildungsbetrieb.

Offizielle Quellen

AusbildungRechtePflichtenAzubi
Portrait von Noel Lang

Noel Lang

Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, baut Lernplattformen für IT-Azubis und schreibt hier über alles rund um den IT-Berufseinstieg.

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