Zwischen Betrieb und Berufsschule
Die duale IT-Ausbildung findet an zwei Lernorten statt: im Betrieb sammelst du praktische Erfahrung, in der Berufsschule lernst du die Theorie. Wie du beide Orte koordinierst, welche Rechte du hast und wie du das Beste aus beiden Welten herausholst.
Noel Lang
Gründer & Fachinformatiker
Die duale IT-Ausbildung verbindet zwei Lernorte miteinander: den Ausbildungsbetrieb und die Berufsschule. Im Betrieb sammelst du praktische Erfahrung, in der Berufsschule arbeitest du an den fachlichen und allgemeinen Grundlagen.
Im besten Fall ergänzen sich beide Lernorte: Was du in der Berufsschule theoretisch lernst, kannst du im Betrieb einordnen oder anwenden. Und deine praktischen Erfahrungen aus dem Betrieb helfen dir, die Theorie in der Berufsschule besser zu verstehen.
Die wichtigsten Eckpunkte der dualen Ausbildung auf einen Blick:
- Die Berufsschule vermittelt die berufsbezogenen Inhalte in Lernfeldern
- Der Betrieb muss die berufliche Handlungsfähigkeit planmäßig, zeitlich und sachlich gegliedert vermitteln
- die Lernorte sollen zeitlich und sachlich zusammenwirken
- Spezialisierung und Tiefe hängen vom Beruf, der Fachrichtung, dem Betrieb und der Schule ab
Die Herausforderung besteht darin, beide Lernorte unter einen Hut zu bekommen. Dafür gibt es klare gesetzliche Regelungen, zum Beispiel zur Freistellung für die Berufsschule oder zur Anrechnung der Schulzeiten. Wie das genau funktioniert und was du dabei beachten musst, erfährst du in den nächsten Abschnitten.
Diese Seite ist eine Orientierung für typische IT-Ausbildungen. Bei Streitfällen zählt die konkrete Vertragslage, dein Stundenplan, dein Alter und die Auskunft deiner zuständigen Stelle.
Teilzeit- oder Blockunterricht: Wie läuft die Berufsschule ab?
Der Berufsschulunterricht wird in zwei verschiedenen Modellen angeboten. Welches Modell für dich gilt, hängt von deiner Berufsschule ab:
Teilzeitunterricht: Im Teilzeitmodell besuchst du an ein bis zwei festen Tagen pro Woche die Berufsschule. Die restlichen Tage verbringst du im Ausbildungsbetrieb. Dieses Modell ermöglicht dir einen regelmäßigen Wechsel zwischen Theorie und Praxis. Du kannst das Gelernte zeitnah im Betrieb anwenden und bleibst durchgehend in beide Lernorte eingebunden.
Blockunterricht: Beim Blockunterricht findet der Berufsschulunterricht in zusammenhängenden Blöcken statt. In diesen Wochen bist du überwiegend in der Berufsschule. Zwischen den Blöcken arbeitest du wieder im Betrieb. Für die gesetzliche Anrechnung ist wichtig, ob eine Berufsschulwoche planmäßig mindestens 25 Unterrichtsstunden an mindestens fünf Tagen umfasst.
Die Vor- und Nachteile der Modelle im Vergleich:
| Aspekt | Teilzeitunterricht | Blockunterricht |
|---|---|---|
| Theorie-Praxis-Transfer | Direkter Transfer möglich | Verzögerter Transfer |
| Konzentration | Regelmäßiger Wechsel | Fokussiertes Lernen |
| Betriebliche Einbindung | Durchgehend | Mit Unterbrechungen |
| Projektarbeit | eng mit dem Wochenrhythmus verzahnt | sollte Schulblöcke früh berücksichtigen |
Für Betriebe bedeutet Blockunterricht eine längere zusammenhängende Abwesenheit der Auszubildenden. Das sollte bei Projektplanung, Tickets und Kundenterminen berücksichtigt werden. Zwischen den Blöcken können Auszubildende wieder im Betrieb eingeplant werden.
Als Auszubildender solltest du dich frühzeitig über dein Unterrichtsmodell informieren. Plane deine Lernzeiten entsprechend und sprich mit deinem Ausbildungsbetrieb über die Organisation. Bei beiden Modellen gilt: Der Betrieb muss dich für den Berufsschulunterricht freistellen.
Freistellung für die Berufsschule
Dein Ausbildungsbetrieb muss dich für den Besuch der Berufsschule freistellen. Diese Freistellungspflicht ist in § 15 BBiG geregelt. Für Zeiten der Freistellung nach § 15 ist die Ausbildungsvergütung nach § 19 BBiG weiterzuzahlen.
Grundlegende Regelungen für alle Auszubildenden
Folgende Regelungen gelten unabhängig vom Alter:
- Vor einem Berufsschultag, der vor 9 Uhr beginnt, darfst du nicht im Betrieb beschäftigt werden
- Berufsschulunterricht wird einschließlich Pausen und notwendiger Wegezeit zwischen Berufsschule und Ausbildungsstätte auf die Ausbildungszeit angerechnet
- Ein Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden von mindestens je 45 Minuten wird einmal pro Woche mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit angerechnet
- Eine Berufsschulwoche mit planmäßigem Blockunterricht von mindestens 25 Stunden an mindestens fünf Tagen wird mit der durchschnittlichen wöchentlichen Ausbildungszeit angerechnet
Besondere Regelungen für Jugendliche unter 18 Jahren
Für Auszubildende unter 18 Jahren gilt zusätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz. § 9 JArbSchG enthält ähnliche Schutzregeln für Berufsschule und Anrechnung. Wichtig ist vor allem: Ein Entgeltausfall darf durch den Berufsschulbesuch nicht eintreten.
Wenn du minderjährig bist, musst du außerdem die allgemeinen Grenzen des Jugendarbeitsschutzes beachten. Das betrifft zum Beispiel tägliche und wöchentliche Höchstarbeitszeiten, Pausen, Ruhezeiten und Beschäftigungsverbote.
Was bedeutet das praktisch?
Prüfe bei Streit über “nach der Schule noch in den Betrieb” nicht nur die Unterrichtsstunden, sondern diese Punkte:
- Ist es der erste Berufsschultag der Woche mit mehr als fünf Unterrichtsstunden?
- Gibt es Blockunterricht mit mindestens 25 Unterrichtsstunden an mindestens fünf Tagen?
- Wie lang ist die notwendige Wegezeit von der Berufsschule zur Ausbildungsstätte?
- Welche tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit ist vereinbart?
- Bist du unter 18 und fallen zusätzliche Schutzregeln des JArbSchG an?
Ein pauschales “Du musst nach der Schule immer noch kommen” ist genauso ungenau wie “Nach der Berufsschule ist immer frei”. Entscheidend ist die konkrete Anrechnung nach § 15 BBiG und, bei Minderjährigen, zusätzlich § 9 JArbSchG.
Wenn du unsicher bist, schreibe dir Stundenplan, Pausen, Wegezeit und vereinbarte Ausbildungszeit auf und frage damit bei Ausbilder, Berufsschule oder zuständiger IHK nach.
Prüfungen und andere Ausbildungsmaßnahmen
§ 15 BBiG regelt nicht nur Berufsschule. Du bist auch für Prüfungen und Ausbildungsmaßnahmen freizustellen, die aufgrund öffentlich-rechtlicher oder vertraglicher Bestimmungen außerhalb der Ausbildungsstätte stattfinden. Außerdem gibt es eine Freistellung für den Arbeitstag, der der schriftlichen Abschlussprüfung unmittelbar vorangeht.
Für freiwillige Veranstaltungen oder zusätzliche Termine solltest du dagegen konkret klären, ob sie als freistellungspflichtige Ausbildungsmaßnahme gelten oder ob dein Betrieb zustimmen muss. In Berufsschulwochen mit Blockunterricht können nach § 15 BBiG zusätzliche betriebliche Ausbildungsveranstaltungen bis zu zwei Stunden wöchentlich zulässig sein.
Tipps für die Organisation
Die Koordination von Berufsschule und Betrieb wird leichter, wenn Termine, Aufgaben und offene Fragen sichtbar bleiben.
Kommunikation ist der Schlüssel
Informiere deinen Ausbilder frühzeitig über wichtige Termine und Ereignisse in der Berufsschule:
- Klassenarbeiten und Prüfungen
- Projektwochen oder Exkursionen
- Änderungen im Stundenplan
- Zeugnistermine
Sprich auch regelmäßig mit deinen Berufsschullehrern über aktuelle Projekte im Betrieb, wenn sie fachlich zum Unterricht passen. So lassen sich Unterricht und Praxis eher miteinander verbinden.
Verknüpfung von Theorie und Praxis
Führe ein Notizbuch, in dem du Verbindungen zwischen Berufsschule und Betrieb dokumentierst. Notiere dir zum Beispiel:
- Welche Schulthemen du im Betrieb praktisch anwenden konntest
- Welche betrieblichen Aufgaben du mit Schulwissen besser verstehst
- Offene Fragen, die du im jeweils anderen Lernort klären möchtest
Nutze auch deine Ausbildungsnachweise, um diese Verbindungen festzuhalten. Sie helfen dir bei der Prüfungsvorbereitung und machen sichtbar, welche Themen du gerade in Betrieb und Berufsschule bearbeitest.
Denk daran: Eine gute Organisation zwischen Berufsschule und Betrieb zahlt sich besonders in der Prüfungsvorbereitung aus. Mit diesen Routinen behältst du beide Lernorte besser im Blick.
Offizielle Quellen

Noel Lang
Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, baut Lernplattformen für IT-Azubis und schreibt hier über alles rund um den IT-Berufseinstieg.
Alle Artikel von Noel