Das IT-Weiterbildungssystem: Karrierewege für IT-Fachkräfte
Das neue IT-Weiterbildungssystem bietet seit November 2024 zwei eingeführte Stufen: geprüfte Berufsspezialisten und den Bachelor Professional in IT.
Noel Lang
Gründer & Fachinformatiker
Das neue IT-Weiterbildungssystem (IT-WBS) bietet seit dem 1. November 2024 einen geregelten Fortbildungsweg für IT-Fachkräfte. Eingeführt sind aktuell zwei Stufen: geprüfte Berufsspezialisten und der Bachelor Professional in IT. Eine dritte Stufe mit Master Professional in IT ist noch kein fertiger Abschluss; das BIBB prüft mögliche Bedarfe und Inhalte.
Die Besonderheit des Systems liegt in seiner Praxisnähe. Die Fortbildungen sind öffentlich-rechtlich geregelt, werden von den Industrie- und Handelskammern geprüft und zielen auf berufliche Handlungsfähigkeit. Das ist etwas anderes als ein Hochschulstudium: Die Abschlüsse können im Deutschen Qualifikationsrahmen vergleichbar eingeordnet sein, sind aber keine akademischen Bachelor- oder Mastergrade.
Für dich ist vor allem wichtig: Weiterbildung lohnt sich nur, wenn sie zu deinem Ziel passt. Manchmal ist ein IHK-Fortbildungsabschluss sinnvoll, manchmal ein Herstellerzertifikat, ein berufsbegleitendes Studium, ein Jobwechsel oder ein klareres Projekt im aktuellen Betrieb.
| Stufe | Abschluss | Lernumfang | Stand |
|---|---|---|---|
| 1 | geprüfte/r Berufsspezialist/in | in der Regel mindestens 400 Stunden | eingeführt |
| 2 | Bachelor Professional in IT | umfassende Fortbildungsprüfung mit Spezialisierung, Handlungsfeldern, Führung und IT-Projekt | eingeführt |
| 3 | Master Professional in IT | noch nicht als IT-Abschluss eingeführt | BIBB evaluiert mögliche Bedarfe |
Für die Entscheidung helfen dir drei Fragen:
- Willst du eher fachlich tiefer werden oder Menschen und Projekte führen?
- Kannst du die Weiterbildung realistisch neben deinem Job stemmen?
- Unterstützt dein Arbeitgeber dich mit Zeit, Geld oder passenden Projekten?
- Bringt dir der Abschluss in deinem Zielbereich mehr als ein Studium, Zertifikat oder direkter Jobwechsel?
Die eingeführten Stufen des IT-Weiterbildungssystems
Streng genommen sind aktuell nur zwei Stufen eingeführt. Die erste Stufe sind die geprüften Berufsspezialisten. Diese Qualifikation vertieft deine vorhandene berufliche Handlungsfähigkeit in einer konkreten IT-Domäne und ergänzt sie um Themen wie Projektkoordination, Compliance, Datensicherheit, Risikomanagement und projektbezogene Schulung. Der Lernumfang liegt laut Verordnungen in der Regel bei mindestens 400 Stunden.
Der Bachelor Professional in IT ist die zweite Stufe. Er umfasst eine fachliche Spezialisierung, IT-spezifische Handlungsfelder, Mitarbeitendenführung und Personalmanagement sowie ein IT-Projekt. Der Berufsspezialist ist keine zwingende Voraussetzung für den Bachelor Professional in IT. Wer bereits einen passenden Berufsspezialistenabschluss erworben hat, kann aber von einem Prüfungsteil befreit werden.
Der Master Professional in IT ist derzeit keine konkrete neue IT-Fortbildungsprüfung. Zur höherqualifizierenden Berufsbildung gehört zwar grundsätzlich auch eine dritte Fortbildungsstufe, aber für das IT-WBS werden Bedarfe und mögliche Inhalte erst im Rahmen der Implementierungsbegleitung geprüft. Plane deine Karriere deshalb nicht so, als gäbe es diesen Abschluss schon.
Die Prüfungen in allen Stufen sind handlungsorientiert gestaltet. Du bearbeitest praxisnahe Situationsaufgaben, die reale IT-Szenarien simulieren. Ein wichtiger Bestandteil sind auch projektbezogene Prüfungen, in denen du komplexe IT-Aufgaben eigenständig löst. Diese Kombination stellt sicher, dass du die erworbenen Kompetenzen direkt in deinem Arbeitsalltag einsetzen kannst.
Besonders attraktiv ist die Flexibilität des Systems: Du kannst zuerst fachlich spezialisieren oder direkt den Bachelor Professional in IT anstreben, wenn du die Zulassungsvoraussetzungen erfüllst. Ob ein Vorbereitungskurs berufsbegleitend, in Blöcken oder online läuft, hängt vom jeweiligen Anbieter ab.
Spezialisierungsmöglichkeiten für IT-Fachkräfte
Das neue IT-Weiterbildungssystem bietet fünf Spezialisierungsrichtungen. Diese Domänen findest du sowohl bei den Berufsspezialistenprofilen als auch im Bachelor Professional in IT wieder.
In der Softwareentwicklung konzentrierst du dich auf die Konzeption und Umsetzung von Anwendungslösungen. Du lernst, wie du Entwicklungsumgebungen und -bibliotheken effektiv einsetzt, Programmspezifikationen festlegst und Qualitätssicherungsmaßnahmen durchführst. Diese Spezialisierung ist besonders interessant, wenn du komplexe Softwareprojekte leiten möchtest.
Die Spezialisierung Systemintegration und Vernetzung bereitet dich auf die Integration und Administration von IT-Systemen vor. Du beschäftigst dich mit der Planung von Netzwerkinfrastrukturen, der Implementation von Sicherheitslösungen und dem Management von IT-Ressourcen. Diese Richtung qualifiziert dich für die technische Leitung von IT-Infrastrukturprojekten.
In der IT-Beratung entwickelst du Kompetenzen in der Analyse von Kundenanforderungen und der Entwicklung von IT-Strategien. Du lernst, wie du Digitalisierungsprojekte planst und Kunden bei der Transformation ihrer IT-Landschaft begleitest. Diese Spezialisierung verbindet technisches Know-how mit Beratungskompetenz.
Die Spezialisierung Datenanalyse fokussiert sich auf die Auswertung und Nutzung von Daten zur Prozessoptimierung. Du lernst den Umgang mit verschiedenen Analysewerkzeugen und die Entwicklung von Datenstrategien. Diese Richtung wird besonders wichtig für Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse datenbasiert optimieren möchten.
Im Bereich Informationssicherheit beschäftigst du dich mit der Absicherung von IT-Systemen und dem Schutz sensibler Daten. Du entwickelst Sicherheitskonzepte und lernst, wie du Bedrohungen erkennst und abwehrst. Diese Spezialisierung gewinnt mit der zunehmenden Digitalisierung stetig an Bedeutung.
Vergleich zum akademischen Werdegang
Die Abschlussbezeichnung Bachelor Professional soll die höherqualifizierende Berufsbildung sichtbarer machen. Der wichtige Unterschied: Ein Bachelor Professional ist ein beruflicher Fortbildungsabschluss, kein akademischer Bachelorgrad. Er kann im Deutschen Qualifikationsrahmen auf einem vergleichbaren Niveau eingeordnet sein, ersetzt aber nicht automatisch Hochschulzugang, ECTS-Punkte oder die formalen Anforderungen eines konkreten Masterstudiengangs.
Der große Vorteil des beruflichen Weiterbildungssystems liegt in seiner Praxisnähe. Du wendest das Gelernte direkt in deinem Arbeitsalltag an und kannst reale Projekte in die Prüfungen einbringen. Die Inhalte sind stark an den Anforderungen der Wirtschaft ausgerichtet und vermitteln neben technischem Wissen auch wichtige Management- und Führungskompetenzen. Diese Kombination macht dich besonders wertvoll für Arbeitgeber.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die finanzielle Situation während der Weiterbildung. Viele Teilnehmende bleiben berufstätig und finanzieren Lehrgang, Prüfungsgebühren und Lernzeit neben dem Job. Ob dein Arbeitgeber Kosten übernimmt, ob Aufstiegs-BAföG möglich ist oder ob du Kosten steuerlich geltend machen kannst, musst du konkret prüfen. Das hängt von Abschluss, Anbieter, persönlicher Situation und Förderbedingungen ab.
Die Durchlässigkeit des Systems ermöglicht flexible Karrierewege. Trotzdem gilt: Eine Hochschule entscheidet selbst, ob und wie sie berufliche Fortbildungsabschlüsse auf ein Studium anrechnet oder als Zugangsvoraussetzung bewertet. Kläre das direkt mit der Hochschule, bevor du daraus einen Studienplan ableitest.
Berufsbegleitende Weiterbildung
Die Weiterbildungen im IT-WBS richten sich an Menschen mit beruflicher IT-Praxis. Der Aufwand ist nicht nur Unterrichtszeit: Du brauchst Zeit für Vorbereitung, Projektarbeit, Dokumentation, Wiederholung und Prüfung. Beim Berufsspezialisten nennen die Verordnungen in der Regel mindestens 400 Stunden Lernumfang. Beim Bachelor Professional solltest du mit einem deutlich größeren Aufwand rechnen, weil mehrere Prüfungsteile und ein IT-Projekt dazugehören.
Die Bildungsanbieter bieten verschiedene Unterrichtsmodelle an. Häufig finden die Kurse abends oder am Wochenende statt. Auch Blockunterricht ist möglich, bei dem du mehrere Tage am Stück lernst und diese Blöcke über das Jahr verteilst. Viele Anbieter setzen zudem auf Blended Learning, eine Kombination aus Präsenzunterricht und E-Learning. Das gibt dir die Flexibilität, einen Teil des Lernens selbst zu organisieren.
Die Prüfungsvorbereitung kann gut zu deinem Arbeitsalltag passen, wenn dein Betrieb passende Projekte, Zeit und Unterstützung gibt. Ohne diese Unterstützung wird berufsbegleitende Weiterbildung schnell zur Dauerbelastung. Sprich deshalb frühzeitig über Arbeitszeit, Projektzugang, Prüfungstage, Kostenübernahme und Erwartungen nach dem Abschluss.
Anerkennung in der Wirtschaft
Die Abschlüsse des IT-Weiterbildungssystems sind öffentlich-rechtlich geregelt und werden durch IHK-Prüfungen abgeschlossen. Das ist ein starkes Signal für Vergleichbarkeit. Wie stark ein konkreter Abschluss bei Arbeitgebern wirkt, hängt trotzdem von Rolle, Region, Bekanntheit des Abschlusses, deiner Projekterfahrung und deiner bisherigen Verantwortung ab.
Die bundeseinheitliche Regelung der Abschlüsse und die Prüfung durch die Industrie- und Handelskammern schaffen einen einheitlichen Rahmen. Der Deutsche Qualifikationsrahmen hilft bei der Einordnung von Kompetenzen, ist aber kein Versprechen, dass jede Stelle, Hochschule oder jedes Land den Abschluss identisch behandelt.
Für Gehalt gilt: Der Abschluss allein garantiert keinen Sprung. Wert entsteht, wenn du mit dem Abschluss tatsächlich mehr Verantwortung übernimmst, größere Projekte steuerst, Fachentscheidungen triffst oder Führungsaufgaben bekommst.
Perspektiven und Chancen
Das neue IT-Weiterbildungssystem kann dir neue Karrieremöglichkeiten eröffnen, wenn du es passend zu deinem Ziel auswählst. Besonders sinnvoll ist es, wenn du nicht nur tiefer in Technik willst, sondern auch Projektkoordination, Prozessdenken, Beratung, Sicherheit oder Führung übernehmen möchtest.
Die Zukunft des Systems entwickelt sich weiter. Das Bundesinstitut für Berufsbildung evaluiert bereits den Bedarf für weitere Qualifikationsprofile auf der Master-Professional-Ebene. Dabei werden Technologietrends und Anforderungen der Wirtschaft berücksichtigt. Trotzdem solltest du deine Entscheidung an den eingeführten Abschlüssen und konkreten Angeboten ausrichten, nicht an möglichen künftigen Stufen.
Mit einem Abschluss im IT-Weiterbildungssystem kannst du dich für mehr Verantwortung positionieren. Entscheidend bleibt aber, dass du parallel echte Praxis nachweisen kannst: Projekte, Entscheidungen, Kommunikation mit Stakeholdern, technische Tiefe und sichtbare Ergebnisse.
Nächster Schritt
Wenn du nach der Ausbildung weiterplanst, vergleiche diesen Weg mit Nach der Ausbildung studieren, IT-Zertifizierungen und Fachliche Spezialisierung. Für die finanzielle Einordnung helfen Gehaltsverhandlung in der IT und Fachinformatiker Gehalt.
Offizielle Quellen
- BIBB: Neuordnung des IT-Weiterbildungssystems
- Bachelor-Professional-IT-Fortbildungsprüfungsverordnung
- Softwareentwicklung-Fortbildungsprüfungsverordnung
- Systemintegration-und-Vernetzung-Fortbildungsprüfungsverordnung
- Datenanalyse-Fortbildungsprüfungsverordnung
- Informationssicherheits-Fortbildungsprüfungsverordnung
- IT-Beratung-Fortbildungsprüfungsverordnung
- DQR: Niveau 6

Noel Lang
Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, baut Lernplattformen für IT-Azubis und schreibt hier über alles rund um den IT-Berufseinstieg.
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