IT-Zertifizierungen im Überblick

Zertifizierungen sind ein wichtiger Nachweis deiner Fachkenntnisse in der IT-Branche. Hier erfährst du, welche Foundation-Zertifikate, herstellerspezifischen Zertifizierungen und Spezialisierungen es gibt und wie du eine sinnvolle Strategie entwickelst.

Portrait von Noel Lang

Noel Lang

Gründer & Fachinformatiker

Veröffentlicht: Aktualisiert: 8 Min. Lesezeit

In der IT-Branche sind Zertifizierungen ein wichtiger Nachweis deiner Fachkenntnisse. Anders als allgemeine Schul- oder Hochschulnoten beziehen sie sich meist konkret auf Fach-, Methoden- oder Produktkenntnisse. Für Unternehmen sind sie deshalb nützlich, weil sie einen formal geprüften Hinweis auf Kenntnisse in eingesetzten Verfahren und Technologien geben.

Es gibt dabei einen wichtigen Unterschied zwischen Teilnahmebescheinigungen, Zertifikaten und Zertifizierungen. Eine Teilnahmebescheinigung sagt oft nur, dass du einen Kurs besucht hast. Ein Zertifikat kann je nach Anbieter eine bestandene Prüfung oder einen Kursabschluss dokumentieren. Eine Zertifizierung ist in der IT häufig zeitlich befristet oder an regelmäßige Erneuerung gebunden. Prüfe deshalb immer beim Anbieter, wie lange ein Credential gültig ist und wie Rezertifizierung funktioniert.

Die wichtigsten Arten von IT-Zertifizierungen sind:

  • Herstellerzertifizierungen von Technologieanbietern wie Microsoft, Cisco oder AWS
  • Methodenzertifizierungen für Projektmanagement, Sicherheit oder agile Arbeitsweisen
  • Unabhängige Zertifizierungen von Branchenverbänden und Prüfungsorganisationen

Während deiner gesamten IT-Karriere werden Zertifizierungen eine wichtige Rolle spielen. Viele Unternehmen haben verstanden, dass sie nur durch kontinuierliche Weiterbildung ihrer Mitarbeiter wettbewerbsfähig bleiben. Sie übernehmen daher oft die Kosten für Zertifizierungen oder bieten interne Weiterbildungsprogramme an. Zertifizierungen sind dabei ein guter formaler Nachweis für theoretisches Knowhow, aber kein Ersatz für praktische Erfahrung und Engagement.

Grundlagen und Foundation-Zertifikate

Zu Beginn deiner IT-Karriere können Foundation-Zertifikate besonders wertvoll sein. Sie vermitteln grundlegendes Fachwissen und erleichtern den Einstieg in weiterführende Zertifizierungen, sind aber nicht bei jedem Anbieter eine zwingende Voraussetzung. Die wichtigsten Foundation-Zertifikate decken verschiedene Kernbereiche der IT ab.

CompTIA bietet mit seinen Zertifikaten einen herstellerunabhängigen Einstieg in die IT-Welt. Das CompTIA A+ Zertifikat gilt als Grundlagenzertifikat für IT-Support und Systemadministration. Es umfasst Themen wie Hardware, Betriebssysteme und Netzwerke. Das CompTIA Network+ vertieft dein Netzwerk-Knowhow, während CompTIA Security+ grundlegende IT-Sicherheitskonzepte abdeckt.

Diese Foundation-Zertifikate sind besonders relevant für deine ersten Berufsjahre:

  • ITIL Foundation: Vermittelt das Basiswissen für IT-Service-Management
  • CompTIA A+/Network+: Grundlagen der Hardware und Netzwerktechnik
  • Microsoft Fundamentals: Einstieg in Azure, Security, Microsoft 365 oder Power Platform
  • AWS Cloud Practitioner oder AWS AI Practitioner: Basiswissen für Cloud- beziehungsweise KI-Themen auf AWS
  • ISTQB Certified Tester Foundation Level: Grundlagen des Softwaretestings

Im IT-Service-Management ist das ITIL Foundation Zertifikat ein verbreiteter Einstieg. Du lernst hier die wichtigsten Konzepte und Prozesse kennen, wie Services bereitgestellt und betrieben werden. Das kann besonders relevant sein, wenn du im Betrieb, Support, Service Management oder in der IT-Koordination arbeitest.

Die Cloud-Anbieter haben eigene Einstiegscredentials entwickelt. AWS führt zum Beispiel Foundational-Zertifizierungen wie Cloud Practitioner und AI Practitioner; Microsoft bietet Fundamentals-Zertifizierungen und zusätzlich Applied Skills für konkrete Szenarien. Solche Einstiege sind sinnvoll, wenn du in Richtung Cloud, KI oder Plattformbetrieb gehen möchtest.

Im Bereich Softwareentwicklung und Testing bildet der ISTQB Certified Tester Foundation Level eine wichtige Basis. Du lernst systematische Testmethoden kennen und wie Qualitätssicherung in der Softwareentwicklung funktioniert. Dies ist besonders für Fachinformatiker der Anwendungsentwicklung relevant.

Die Kosten und Laufzeiten von Foundation-Zertifikaten unterscheiden sich je nach Anbieter, Prüfungsland und Paket. Prüfe deshalb immer die aktuelle Prüfungsseite des Anbieters, bevor du mit konkreten Beträgen planst. Viele Arbeitgeber übernehmen solche Kosten, wenn das Zertifikat einen direkten Nutzen für deine Rolle oder das Unternehmen hat.

Herstellerspezifische Zertifizierungen

Die großen Technologieanbieter haben umfangreiche Zertifizierungsprogramme entwickelt. Viele davon bauen auf Rollen, Erfahrungsstufen oder Produktbereichen auf und ermöglichen dir eine systematische Weiterentwicklung deiner Fachkenntnisse. Die konkrete Staffelung unterscheidet sich je nach Anbieter und ändert sich regelmäßig.

Microsoft-Zertifizierungen

Microsoft hat sein Zertifizierungsprogramm stark auf Cloud-, Security-, Business- und KI-Rollen ausgerichtet. Die wichtigsten Einstiege sind:

  • Microsoft Fundamentals: Einstieg in Azure, Security, Microsoft 365, Power Platform, Daten oder KI-Themen
  • Microsoft Applied Skills: kurze, szenariobezogene Credentials mit praktischen Aufgaben
  • Azure Administrator Associate: Für die Verwaltung von Cloud-Infrastrukturen
  • Azure Developer Associate: Für die Cloud-native Entwicklung
  • Azure Solutions Architect Expert: Für die Planung komplexer Cloud-Architekturen
  • Microsoft 365 Certified: Für die Administration von Microsoft 365 Diensten

Diese Credentials sind besonders relevant, wenn dein Betrieb Microsoft-Cloud-, Security- oder Microsoft-365-Dienste einsetzt. Die frühere Microsoft-Technology-Associate-Reihe ist seit 2022 abgekündigt; für neue Einsteiger sind Fundamentals, Applied Skills und rollenbasierte Microsoft-Credentials der aktuellere Einstieg. Prüfungsgebühren, Namen und Verlängerungsregeln ändern sich bei Microsoft regelmäßig; prüfe deshalb die konkrete Zertifizierung bei Microsoft Learn.

Amazon Web Services (AWS)

AWS bietet ein ähnlich strukturiertes Programm:

  • AWS Certified Cloud Practitioner
  • AWS Certified AI Practitioner
  • AWS Solutions Architect
  • AWS Developer
  • AWS SysOps Administrator
  • AWS DevOps Engineer

Diese Zertifizierungen sind besonders wertvoll für IT-Berufe, die sich mit Cloud-Infrastrukturen, Cloud-Entwicklung, Betrieb oder KI-Diensten auf AWS beschäftigen. AWS veröffentlicht für jede Zertifizierung eigene Prüfungsleitfäden; nutze diese als Grundlage für Themen, Niveau und Vorbereitung.

Cisco Zertifizierungen

Cisco ist im Netzwerkbereich ein wichtiger Anbieter mit mehreren Zertifizierungspfaden. Ein typischer Einstieg in Enterprise Networking sieht so aus:

LevelBezeichnungTypische Position
AssociateCCNANetzwerk-Administrator
ProfessionalCCNPNetzwerk-Engineer
ExpertCCIENetzwerk-Architekt

Die CCNA-Zertifizierung ist ein verbreiteter Einstieg in die Cisco-Welt. Daneben gibt es bei Cisco auch Entry-Level-Angebote wie CCST sowie weitere Pfade für Cybersecurity, Data Center, Collaboration, Security, Service Provider und Wireless. Für Fachinformatiker der Systemintegration und der Digitalen Vernetzung ist Cisco besonders relevant, wenn du Netzwerke planst, betreibst oder Fehler systematisch eingrenzt.

Oracle Zertifizierungen

Oracle bietet Zertifizierungen in verschiedenen Bereichen an:

  • Datenbank-Administration
  • Java-Entwicklung
  • Cloud-Infrastruktur
  • Middleware-Technologien

Diese sind besonders interessant für Fachinformatiker der Anwendungsentwicklung und Daten- und Prozessanalyse. Prüfe auch hier die aktuelle Prüfungsseite, weil sich Preise, Prüfungsformen und Produktpfade ändern können.

SAP Zertifizierungen

Für IT-Berufe im Enterprise-Umfeld sind SAP-Zertifizierungen wichtig. SAP unterscheidet zwischen Anwender- und Berater-Zertifizierungen. Die Berater-Zertifizierungen gibt es in den Bereichen:

  • Application (Customizing)
  • Development (Programmierung)
  • Technology (Installation/Administration)

Diese Zertifizierungen sind besonders relevant für Kaufleute für Digitalisierungsmanagement und Fachinformatiker.

Karriereplanung mit Herstellerzertifizierungen

Bei der Auswahl der Zertifizierungen solltest du strategisch vorgehen. Konzentriere dich auf die Technologien, die in deinem Unternehmen eingesetzt werden oder in deinem Wunsch-Tätigkeitsfeld relevant sind. Die Zertifizierungen der großen Anbieter sind dabei oft aufeinander aufbauend gestaltet. Du beginnst mit einem Associate-Level und kannst dich dann über Professional bis zum Expert-Level entwickeln.

Beachte auch die Gültigkeitsdauer: Viele Herstellerzertifizierungen müssen regelmäßig erneuert oder durch aktuelle Nachweise bestätigt werden. Die Kosten dafür übernehmen häufig Arbeitgeber, wenn die Zertifizierung für deine konkrete Rolle gebraucht wird.

Die IT-Branche entwickelt sich kontinuierlich weiter und damit auch die Anforderungen an Zertifizierungen. Aktuell sind besonders Spezialisierungen in den Bereichen Security, Cloud und agile Methoden gefragt. Diese ergänzen die klassischen Herstellerzertifizierungen und ermöglichen dir eine gezielte Profilierung in Zukunftsfeldern.

IT-Security Zertifizierungen

Im Bereich IT-Sicherheit haben sich mehrere hochwertige Zertifizierungen etabliert:

  • Certified Information Systems Security Professional (CISSP)
  • Certified Ethical Hacker (CEH)
  • CompTIA Security+ (als Einstieg)
  • GIAC Security Essentials Certification (GSEC)

Diese Zertifizierungen sind besonders relevant für Fachinformatiker der Systemintegration und der Digitalen Vernetzung. Auch hier ändern sich Prüfungsgebühren und Verlängerungsregeln je nach Anbieter; plane daher erst nach Prüfung der offiziellen Zertifizierungsseite.

Agile und Projektmanagement

Die agile Arbeitsweise hat sich in der IT-Entwicklung durchgesetzt. Die wichtigsten Zertifizierungsanbieter sind:

AnbieterZertifizierungFokus
Scrum.orgProfessional Scrum MasterScrum-Prozesse
PMIPMI Agile Certified PractitionerAgiles Projektmanagement
Kanban UniversityKanban Management ProfessionalKanban-Methodik

Diese Zertifizierungen sind für alle IT-Berufe relevant, besonders wenn du eine Führungsrolle anstrebst.

Empfehlungen für deine Zertifizierungsstrategie

Wähle deine Zertifizierungen gezielt nach deinen Karrierezielen aus. Beginne mit einem Foundation-Zertifikat in deinem Kernbereich. Spezialisiere dich dann schrittweise durch weiterführende Zertifizierungen. Beachte dabei diese Aspekte:

  • Prüfe, welche Zertifizierungen in deiner Zielbranche Standard sind
  • Kläre die Kostenübernahme mit deinem Arbeitgeber
  • Plane die regelmäßigen Rezertifizierungen ein
  • Kombiniere Herstellerzertifizierungen mit methodischen Zertifikaten

Die Investition in Zertifizierungen kann sich auszahlen, wenn sie zu deiner Rolle, deinem Unternehmen und deinem nächsten Karriereziel passt. Bleibe aber realistisch. Zertifizierungen sind hilfreich, ersetzen aber keine praktische Erfahrung, keine guten Projekte und keine kontinuierliche Weiterbildung.

Nächster Schritt

Wähle erst ein Ziel und dann ein Zertifikat. Für die übergeordnete Karriereplanung helfen Fachliche Spezialisierung, IT-Weiterbildungssystem und Nach der Ausbildung studieren. Wenn es um Gehalt oder Angebote geht, kombiniere Zertifizierungen mit Gehaltsverhandlung in der IT.

Offizielle Quellen

ZertifizierungKarriereWeiterbildungIT-Berufe
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Noel Lang

Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, baut Lernplattformen für IT-Azubis und schreibt hier über alles rund um den IT-Berufseinstieg.

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