Der komplette Leitfaden für den Einstieg als Fachinformatiker
Von der Bewerbung über die Ausbildung bis zur ersten Stelle. Was wirklich zählt, ehrlich erklärt und ohne Schönfärberei.
Noel Lang
Gründer & Fachinformatiker
Fachinformatiker ist nicht ein einzelner Job, sondern ein anerkannter Ausbildungsberuf mit vier Fachrichtungen. Je nach Schwerpunkt entwickelst du Software, betreibst IT-Systeme, analysierst Daten oder vernetzt technische Systeme. Dieser Leitfaden ordnet den ganzen Weg: Entscheidung, Bewerbung, Ausbildung, Prüfung und Einstieg danach.
Wenn du nur eine Sache mitnimmst: Wähle nicht die Fachrichtung mit dem besten Klang, sondern die, deren Alltag du drei Jahre lang wirklich machen willst.
Die vier Fachrichtungen
| Fachrichtung | Alltag | Passt zu dir, wenn … |
|---|---|---|
| Anwendungsentwicklung | Software planen, programmieren, testen | du gerne logisch baust und Fehler im Code suchst |
| Systemintegration | Server, Netzwerke, Cloud, Support, Sicherheit | du Systeme verstehen und stabil betreiben willst |
| Daten- und Prozessanalyse | Daten auswerten, Prozesse verbessern | du analytisch denkst und Geschäftsprozesse verstehen willst |
| Digitale Vernetzung | vernetzte Systeme integrieren und überwachen | du Schnittstellen zwischen IT, Geräten und Prozessen spannend findest |
Viele Bewerber kennen vor allem Anwendungsentwicklung und Systemintegration. Das ist verständlich, aber zu eng. Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung sind ebenfalls offizielle Fachrichtungen und können passen, wenn du nicht nur “programmieren oder Server” im Kopf hast.
Berufsprofil
Fachinformatiker/in für Anwendungsentwicklung
Du konzipierst und programmierst Software, von der Anforderung bis zum Test. Die Fachrichtung führt in betriebliche Softwareentwicklung ein.
3 Jahre
Dauer
tarif-/betriebsabhängig
Vergütung
IHK
Abschluss
Welche Fachrichtung passt zu dir?
Stell dir nicht zuerst die Abschlussprüfung vor, sondern den Alltag:
- Willst du viele Stunden an Code, Logik und Tests arbeiten? Dann schau dir FIAE an.
- Willst du Netzwerke, Server, Rechte, Backups und Störungen verstehen? Dann prüfe FISI.
- Willst du Datenqualität, Kennzahlen und Prozessverbesserung verbinden? Dann passt DPA.
- Willst du vernetzte Systeme, Monitoring und technische Schnittstellen? Dann ist DV interessant.
Wenn du zwischen zwei Richtungen schwankst, lies die Vergleiche Anwendungsentwicklung oder Daten- und Prozessanalyse und Systemintegration oder Digitale Vernetzung.
Der Weg in die Ausbildung
Der typische Ablauf ist einfach, aber jeder Schritt hat Fallstricke:
- Beruf und Fachrichtung verstehen.
- Betriebe recherchieren, nicht nur große Namen.
- Praktische Interessen belegen: Projekt, Praktikum, Schul-IT, Homelab.
- Bewerbung schreiben.
- Gespräch vorbereiten.
- Ausbildungsbetrieb kritisch prüfen.
Lies auch
Bewerbungstipps für die IT-Ausbildung
Bei der Bewerbung zählt nicht, dass du schon alles kannst. Entscheidend ist, dass dein Interesse glaubwürdig ist. “Ich interessiere mich für IT” ist schwach. “Ich habe einen kleinen Discord-Bot gebaut und dabei gelernt, wie APIs funktionieren” ist konkret.
Gute und schlechte Ausbildungsbetriebe
Ein guter Betrieb hat einen Plan für deine Ausbildung. Du bekommst nicht ab Tag eins perfekte Aufgaben, aber du erkennst Struktur: Ansprechpartner, Lernziele, Feedback, Projektanteile und Zeit für Berufsschule.
| Signal | Gut | Warnzeichen |
|---|---|---|
| Betreuung | fester Ausbilder, regelmäßige Gespräche | niemand fühlt sich zuständig |
| Aufgaben | steigende Verantwortung | nur Tickets, Ablage oder Routine |
| Fehlerkultur | Fehler werden ausgewertet | Fehler werden lächerlich gemacht |
| Berufsschule | wird ernst genommen | ”Schule ist egal, Hauptsache Arbeit” |
| Prüfung | rechtzeitige Vorbereitung | erst kurz vor AP2 wird darüber gesprochen |
Frag im Vorstellungsgespräch nach echten Beispielen: “Was hat Ihr letzter Azubi im zweiten Lehrjahr gemacht?” Diese Frage ist besser als jede Arbeitgeberbewertung.
Die Ausbildung selbst
Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre und findet dual statt: Betrieb und Berufsschule. Im Betrieb lernst du den Arbeitsalltag, in der Berufsschule die fachlichen Grundlagen. Je nach Bundesland, Schule und Betrieb unterscheiden sich Tempo und Tiefe deutlich.
Wichtig ist, dass du von Anfang an dokumentierst:
- Was hast du gelernt?
- Welche Probleme hast du gelöst?
- Welche Fachbegriffe kamen neu dazu?
- Welche Aufgaben kannst du inzwischen selbstständig?
- Was fehlt dir noch für die Prüfung?
Das hilft nicht nur beim Berichtsheft, sondern später auch bei Projektarbeit, Bewerbung und Übernahmegespräch.
Prüfungen: AP1, AP2 und Projektarbeit
Im vierten Ausbildungshalbjahr kommt AP Teil 1 Erster Teil der gestreckten Abschlussprüfung in den modernisierten dualen IT-Berufen. Sie findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt, dauert 90 Minuten und zählt 20 % der Abschlussbewertung. Im Glossar lesen . Für Fachinformatiker findet sie im Prüfungsbereich “Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes” statt und geht mit 20 Prozent in die Gesamtbewertung ein. Am Ende folgt AP Teil 2, dort trennen sich die Fachrichtungen.
Für Fachinformatiker ist die betriebliche Projektarbeit besonders wichtig. Du führst ein reales Projekt durch, dokumentierst es und verteidigst deine Entscheidungen im Fachgespräch. Starte nicht erst im letzten Monat damit, über Projektthemen nachzudenken. Gute Themen entstehen aus echten betrieblichen Problemen.
Wichtige Anschlussseiten:
Nach der Ausbildung
Nach der Abschlussprüfung gibt es drei typische Wege: Übernahme im Ausbildungsbetrieb, Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber oder Weiterbildung. Welche Option sinnvoll ist, hängt davon ab, ob du im Betrieb wirklich weiterlernen kannst.
Ein Übernahmeangebot ist nicht automatisch gut. Prüfe:
- Rolle und Aufgaben nach der Ausbildung
- Gehalt und Entwicklungspfad
- Weiterbildungsmöglichkeiten
- Team und technische Umgebung
- ob du weiter als ehemaliger Azubi behandelt wirst
Für Gehaltsthemen ist die Pillar-Seite Fachinformatiker Gehalt der bessere Startpunkt als Bauchgefühl oder einzelne Forenkommentare.
Fazit
Fachinformatiker ist ein starker Einstieg in die IT, wenn du die Fachrichtung bewusst wählst und den Betrieb kritisch prüfst. Die Ausbildung belohnt Leute, die regelmäßig lernen, Fragen stellen und praktische Probleme sauber lösen.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst, starte mit Was macht ein Fachinformatiker?. Wenn du dich bewerben willst, lies als Nächstes Bewerbungstipps für die IT-Ausbildung.
Lernplattform
Übe mit prüfungsnahen Aufgaben.
Aufgaben, Lernkarten und Lernpfade in der AIDI-Lernplattform.
Offizielle Quellen
- FIAusbV § 2: Dauer der Fachinformatiker-Ausbildung
- FIAusbV § 4: Struktur der Berufsausbildung und Fachrichtungen
- FIAusbV § 7: Aufteilung der Abschlussprüfung
- FIAusbV § 9: Prüfungsbereich von Teil 1
- FIAusbV § 16: Gewichtung in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung
- FIAusbV § 24: Gewichtung in der Fachrichtung Systemintegration
- FIAusbV § 32: Gewichtung in der Fachrichtung Daten- und Prozessanalyse
- FIAusbV § 40: Gewichtung in der Fachrichtung Digitale Vernetzung
- BIBB: Fachinformatiker/Fachinformatikerin Anwendungsentwicklung
- BIBB: Fachinformatiker/Fachinformatikerin Systemintegration

Noel Lang
Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, baut Lernplattformen für IT-Azubis und schreibt hier über alles rund um den IT-Berufseinstieg.
Alle Artikel von Noel