Auf dieser Seite
- Was ist die Umschulung zum Fachinformatiker?
- Welche Voraussetzungen brauchst du?
- Wie läuft die Umschulung zum Fachinformatiker ab?
- Wer zahlt die Umschulung zum Fachinformatiker?
- FIAE oder FISI: Welche Fachrichtung passt?
- Umschulung in Teilzeit oder nebenberuflich
- Was verdient man nach der Umschulung?
- Quellen und amtliche Einstiege
- Nächster Schritt
Die Umschulung zum Fachinformatiker ist ein verkürzter Weg zum anerkannten IHK-Berufsabschluss in der IT, meist in rund 24 statt 36 Monaten. Sie richtet sich an Erwachsene mit Berufserfahrung, die sich neu orientieren, und endet mit derselben IHK-Abschlussprüfung wie die reguläre Ausbildung. Der Abschluss ist bundesweit gleichwertig. Die Kosten übernimmt je nach Lebenslage ein Kostenträger, am häufigsten die Agentur für Arbeit.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Dauer | rund 24 Monate Vollzeit, in Teilzeit etwa 38 Monate |
| Abschluss | IHK-Prüfung, identisch mit der regulären Ausbildung |
| Rechtsgrundlage | §§ 58, 59 BBiG (Umschulung), FIAusbV |
| Fachrichtungen | Anwendungsentwicklung, Systemintegration, Daten- und Prozessanalyse, Digitale Vernetzung |
| Förderung | Bildungsgutschein oder Reha-Träger möglich, wenn Voraussetzungen erfüllt sind |
Was ist die Umschulung zum Fachinformatiker?
Die Umschulung vermittelt in kompakter Form denselben Beruf wie die duale Ausbildung, nur zeitlich verdichtet und auf Erwachsene zugeschnitten. Statt drei Jahren dauert sie in Vollzeit meist rund 24 Monate. Die Verkürzung ist kein Nachlass beim Abschluss, sondern folgt aus den Umschulungsregelungen der §§ 58 und 59 Berufsbildungsgesetz, die die besonderen Erfordernisse der beruflichen Erwachsenenbildung berücksichtigen. Am Ende steht dieselbe IHK-Abschlussprüfung wie bei regulären Auszubildenden, und der Abschluss ist bundesweit anerkannt.
Der wichtigste Unterschied zur Ausbildung liegt im Lernweg. Du lernst die Theorie meist bei einem Bildungsträger im Kurs statt in der Berufsschule, und die betriebliche Praxis kommt über eine Praktikumsphase statt über einen dreijährigen Ausbildungsvertrag. Wie viel echte IT-Praxis du bekommst, entscheidet stark über deinen späteren Einstieg. Die Grundlagen der verschiedenen Umschulungswege erklärt die Übersicht IT-Umschulung.
Welche Voraussetzungen brauchst du?
Bei den Voraussetzungen sind zwei Ebenen zu trennen: Der Bildungsträger stellt eigene Aufnahmekriterien, und der Kostenträger prüft die Förderung getrennt davon. Ein bestimmter Schulabschluss ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, empfohlen wird ein mittlerer Abschluss. Wichtiger als IT-Vorwissen sind logisches Denken, Interesse an Technik und Deutschkenntnisse auf etwa B2-Niveau, weil Unterricht und Prüfung sprachlich anspruchsvoll sind.
| Voraussetzung | Typische Praxis |
|---|---|
| Vorerfahrung | abgeschlossene Erstausbildung oder rund drei Jahre Berufserfahrung (Ermessen) |
| Schulabschluss | kein bestimmter vorgeschrieben, mittlerer Abschluss empfohlen |
| Deutschkenntnisse | meist mindestens B2 |
| Aufnahme beim Träger | häufig Eignungstest (Logik, IT-Affinität, teils Englisch) und Gespräch |
| Alter | keine gesetzliche Altersgrenze, auch Ü40 und Ü50 sind üblich |
Eine gesetzliche Altersgrenze gibt es nicht. Bei geringem Abstand zur Rente kann die Agentur die Notwendigkeit oder Wirtschaftlichkeit im Einzelfall anders bewerten, ein hartes Ausschlusskriterium ist das Alter aber nicht. Ob und wie eine Förderung greift, klärst du im Beratungsgespräch zum Bildungsgutschein.
Wie läuft die Umschulung zum Fachinformatiker ab?
Der Ablauf gliedert sich in eine Theoriephase beim Träger und eine betriebliche Praxisphase. In der Theorie arbeitest du die Lernfelder des Rahmenlehrplans durch, meist im täglichen Kursbetrieb. Die Praxisphase absolvierst du in einem Betrieb, oft über mehrere Monate am Stück. Genau hier entsteht die Berufserfahrung, die dir später bei der Bewerbung fehlen würde, deshalb ist die Qualität des Praktikumsbetriebs entscheidend.
Die Abschlussprüfung ist dieselbe gestreckte IHK-Prüfung wie in der Ausbildung. Der erste Teil (AP1) steht etwa in der Mitte der Umschulung und fließt bereits in die Endnote ein. Der zweite Teil (AP2) besteht aus mehreren schriftlichen Prüfungsbereichen sowie einer betrieblichen Projektarbeit mit Dokumentation und Fachgespräch. In der Projektarbeit setzt du eigenständig eine Aufgabe aus deinem Praktikumsbetrieb um. Damit die Prüfung gelingt, musst du den Stoff regelmäßig auch zu Hause nacharbeiten: 24 Monate verdichten den Umfang von 36 Monaten Ausbildung, die Eigenverantwortung ist höher als in der klassischen Ausbildung.
Wer zahlt die Umschulung zum Fachinformatiker?
Es gibt keinen einheitlichen Umschulungs-Topf. Wer die Kosten trägt, hängt von deiner Lebenssituation ab. Vier Kostenträger kommen in Betracht, dazu die Selbstfinanzierung als Sonderfall.
| Kostenträger | Passt besonders, wenn … | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Agentur für Arbeit / Jobcenter | du arbeitslos bist, Arbeitslosigkeit droht oder ein Abschluss fehlt | § 81 SGB III (Bildungsgutschein) |
| Deutsche Rentenversicherung | gesundheitliche Gründe deinen bisherigen Beruf gefährden | §§ 9 ff. SGB VI (LTA) |
| Berufsgenossenschaft | ein Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit der Auslöser ist | SGB VII |
| Berufsförderungsdienst der Bundeswehr | du Soldat auf Zeit bist oder es warst | Soldatenversorgungsgesetz |
| Selbstzahler / Arbeitgeber | kein Träger zuständig ist | betriebliche Umschulung oder Eigenmittel |
Der häufigste Weg ist der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit. Er ist eine Ermessensleistung, kein Rechtsanspruch, und deckt Lehrgangs- und Prüfungsgebühren, Lernmittel und Fahrtkosten. Deinen Lebensunterhalt sicherst du parallel über Arbeitslosengeld oder Bürgergeld. Bei einer abschlussorientierten Umschulung kommen ein Weiterbildungsgeld und Prüfungsprämien hinzu. Eine Übersicht über alle Wege und die Zuordnung nach Lebenslage findest du unter Förderung und Finanzierung.
FIAE oder FISI: Welche Fachrichtung passt?
Vor der Anmeldung entscheidest du dich für eine Fachrichtung. Ein klares Berufsziel überzeugt auch im Beratungsgespräch mehr als “irgendwas mit IT”. Am häufigsten und breitesten angeboten werden die Anwendungsentwicklung und die Systemintegration.
| Fachrichtung | Passt eher, wenn du … | Umschulung |
|---|---|---|
| Anwendungsentwicklung (FIAE) | programmieren, testen und Anforderungen in Software übersetzen willst | Umschulung FIAE |
| Systemintegration (FISI) | Server, Netzwerke, Cloud und Support praktisch betreuen willst | Umschulung FISI |
Die beiden Richtungen unterscheiden sich deutlich im Alltag: FIAE dreht sich um das Schreiben von Software, FISI um Aufbau und Betrieb von IT-Infrastruktur. Wenn du unsicher bist, hilft der ausführliche Vergleich FIAE oder FISI: der Unterschied oder das Berufsquiz.
Daneben gibt es die beiden neueren Fachrichtungen Daten- und Prozessanalyse, die sich um Datenauswertung und Geschäftsprozesse dreht, und Digitale Vernetzung, bei der vernetzte Systeme, Produktion und Automatisierung im Mittelpunkt stehen. Beide werden als Umschulung deutlich seltener angeboten als FIAE und FISI. Wer sie anstrebt, klärt die Verfügbarkeit am besten direkt mit regionalen Trägern.
Umschulung in Teilzeit oder nebenberuflich
Die Umschulung ist auch in Teilzeit möglich, etwa für Alleinerziehende oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen. Sie verlängert sich dann auf rund 38 Monate, weil derselbe Stoff auf mehr Zeit verteilt wird. Der Abschluss und die IHK-Prüfung bleiben identisch. Achte bei der Trägerwahl darauf, dass Betreuungszeiten, Prüfungstermine und Praktikum realistisch zusammenpassen. Ob eine Teilzeitform gefördert wird, klärst du mit deinem Kostenträger im Beratungsgespräch.
Was verdient man nach der Umschulung?
Weil der Abschluss mit dem der regulären Ausbildung identisch ist, gelten dieselben Gehaltsspannen. Das Einstiegsgehalt hängt von Fachrichtung, Region, Arbeitgeber und Verantwortung ab. Ein realistischer Punkt für Umschüler: Fehlende Berufspraxis im neuen Feld kann den ersten Einstieg dämpfen, weil manche Arbeitgeber neben dem Abschluss auch Erfahrung sehen wollen. Ein gutes Praktikum während der Umschulung und eigene Projekte gleichen das aus. Belastbare Zahlen nach Erfahrung und Arbeitgebertyp findest du auf der Seite Fachinformatiker Gehalt.
Quellen und amtliche Einstiege
- § 58 BBiG: Umschulungsordnung
- § 59 BBiG: Umschulungsprüfungsregelungen
- § 81 SGB III: Bildungsgutschein
- Ausbildungsverordnung Fachinformatiker/in (FIAusbV)
- Bundesagentur für Arbeit: Bildungsgutschein für berufliche Weiterbildung
Nächster Schritt
Unsicher, ob eine geförderte Umschulung für dich realistisch ist und welche Fachrichtung passt? Der Eignungscheck IT-Umschulung beantwortet beides in sieben Fragen: Er ordnet dir einen wahrscheinlichen Kostenträger zu, schätzt deine Förderchancen als Ampel ein und gibt eine Tendenz zwischen FIAE und FISI. Das Ergebnis ist eine unverbindliche Indikation, kein Ersatz für das Beratungsgespräch beim Kostenträger.
Wähle danach deine Fachrichtung und lies die passende Detailseite: Umschulung Anwendungsentwicklung oder Umschulung Systemintegration. Kläre parallel die Finanzierung deiner Umschulung und die Voraussetzungen für den Bildungsgutschein. Worauf du bei der Wahl des Bildungsträgers achtest und welchen Anbieter wir empfehlen, liest du auf der Seite Umschulungsanbieter finden.