Ist die Fachinformatiker Ausbildung schwer?

Die Ausbildung zum Fachinformatiker ist nicht so schwer, wie viele denken. Was dich wirklich erwartet, was schwierig werden kann und warum du vor Mathematik keine Angst haben musst.

Portrait von Noel Lang

Noel Lang

Gründer & Fachinformatiker

Veröffentlicht: Aktualisiert: 4 Min. Lesezeit
Dunkler Berg mit gepunkteter Route zu einem leuchtenden Punkt auf dem Gipfel

Die Ausbildung zum Fachinformatiker ist eine sehr gute Möglichkeit, um in der IT-Branche arbeiten zu können.

Viele haben Angst, dass ihnen die Ausbildung zu schwer sein wird. Ist die Ausbildung also wirklich schwer?

Nein, die Ausbildung ist nicht automatisch zu schwer. Sie ist anspruchsvoll, aber mit guter Betreuung, regelmäßigem Lernen und echtem Interesse sehr gut machbar. Dein Schulabschluss entscheidet nicht allein darüber, ob du bestehst. Wichtiger ist, dass du Lücken erkennst, nacharbeitest und praktische Aufgaben ernst nimmst.

In diesem Blogartikel möchte ich dir zeigen, was dich in der Ausbildung erwarten wird, was eventuell schwierig werden könnte und warum du dir vor allem über Mathematik keine Sorgen machen musst.

BereichWird oft überschätztKann wirklich schwierig werden
Mathematikabstrakte HochschulmathematikProzentrechnung, Dreisatz, einfache Funktionen sicher anwenden
Programmierenvor Ausbildungsbeginn perfekt coden könnenregelmäßig üben und Fehlermeldungen verstehen lernen
Berufsschulezu schwer für Nicht-AbiturientenStoff nacharbeiten, wenn Betrieb und Schule auseinanderlaufen
Betriebbekannter Firmenname reichtgute Betreuung, echte Aufgaben und Zeit zum Lernen finden
Prüfungalles auswendig lernenAufgaben verstehen, sauber rechnen und Entscheidungen begründen

Was dich in der Ausbildung erwarten wird

Der Aufbau der Fachinformatiker Ausbildung

Die Ausbildung zum Fachinformatiker ist in vier Fachrichtungen aufgeteilt: Anwendungsentwicklung, Systemintegration, Daten- und Prozessanalyse sowie Digitale Vernetzung. Die Ausbildungsordnung unterscheidet berufsprofilgebende Fertigkeiten, fachrichtungsübergreifende Inhalte und fachrichtungsspezifische Inhalte. In der Berufsschule bauen die ersten Lernfelder die gemeinsame Grundlage auf, später wird stärker nach Fachrichtung differenziert.

Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre und findet dual statt: im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule. Was du konkret lernst, wird nicht nur durch die Schule bestimmt, sondern auch durch den Ausbildungsrahmenplan und den betrieblichen Ausbildungsplan.

Berufsschule und Ausbildungsbetrieb

In deinem Ausbildungsbetrieb wirst du die meiste Zeit deiner Ausbildung verbringen. Dort werden dir die tatsächlichen Fähigkeiten beigebracht, die du für deine Arbeit brauchst. Was genau du machen wirst, hängt von deiner gewählten Fachrichtung und deinem Ausbildungsbetrieb ab.

In der Berufsschule werden dir die theoretischen Inhalte vermittelt. Neben den berufsspezifischen Lernfeldern gibt es je nach Bundesland und Berufsschule noch Fächer wie Deutsch, Englisch, Gemeinschaftskunde oder Ethik.

Folgende Dinge können schwierig sein

  1. Der Wechsel von der Schule ins Arbeitsleben: Gerade wenn du frisch von der Schule kommst, wird er erstmal eine Umstellung für dich sein, Vollzeit in einem Beruf zu arbeiten. Das darfst du am Anfang nicht unterschätzen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass man sich schnell daran gewöhnt. Und die Berufsschule nimmt da auch nochmal den Druck raus.

  2. Der Spagat zwischen technischen und kaufmännischen Themen: In der Berufsschule werden dir nicht nur technische Themen wie Programmieren, Netzwerktechnik oder Datenbanken beigebracht. Die Fachinformatiker Ausbildung besteht zu einem großen Teil auch aus kaufmännischen Themen wie Betriebswirtschaftslehre (BWL) oder Wirtschaftskunde. Das kann vor allem für diejenigen schwierig sein, die sich nur für den technischen Aspekt interessieren. Aber diese Themen sind wichtig für eure Abschlussprüfung.

  3. Einen Ausbildungsplatz bekommen: Fachinformatiker-Ausbildungsplätze sind gefragt, besonders in Anwendungsentwicklung und Systemintegration. Je nach Region und Betrieb kann es daher schwieriger sein, überhaupt einen Platz zu bekommen. Deswegen solltest du dir bei deiner Bewerbung besonders viel Mühe geben, um konkret zu zeigen, warum du zu diesem Beruf passt.

Wovor du absolut keine Angst haben musst

  1. Keine Vorkenntnisse haben: Die Ausbildung ist dazu da, dir alle notwendigen Inhalte beizubringen. Es ist definitiv hilfreich, wenn du bereits Vorerfahrungen mitbringst (und ist in vielen Fällen hinsichtlich der Bewerbung auch ganz gut), aber mach dir nicht den Kopf kaputt, wenn du noch keine Zeile Code geschrieben hast. Das ist absolut kein Problem.

  2. Mathematik: Viele verbinden den Fachinformatiker automatisch mit Mathematik und denken sofort an ein Informatikstudium. Die duale Ausbildung ist anders aufgebaut. Mathematische Inhalte tauchen meist in beruflichen Situationen auf: Kosten vergleichen, Netzwerke berechnen, Einheiten umrechnen, Daten auswerten oder einfache technische Zusammenhänge verstehen. Wichtig sind vor allem sichere Grundlagen: Grundrechenarten, Dreisatz, Prozentrechnung, Einheiten, einfache Funktionen und sauberes Lesen von Aufgaben.

  3. Berufsschule: Generell ist die Berufsschule vom Niveau sehr machbar. Je höher dein Schulabschluss ist, desto einfacher wird es für dich. In der Berufsschule kommen Menschen mit den verschiedensten Abschlüssen zusammen (Hauptschule, Realschule, Abitur…), weswegen dort von den Lehrerinnen und Lehrern gemeinsamer Nenner gefunden werden muss. Ich hatte damals mit meinem Realschulabschluss absolut kein Problem, mit dem Unterrichtsstoff mitzuhalten.

Fazit

Ich würde nicht behaupten, dass die Fachinformatiker Ausbildung schwer ist. Allerdings wird sie dir auch nicht geschenkt, das sollte bis hier hin klar sein.

Aber du solltest dir definitiv keine Sorgen machen und bloß nicht denken, dass du “zu blöd” für die Ausbildung bist. Es liegt an dir, deiner Motivation sowie deiner Lernbereitschaft und was du daraus machst.

Eine große Rolle spielt die Wahl deines Ausbildungsbetriebes, da du dort die meiste Zeit verbringen wirst. Deswegen versuche, so viel Zeit wie möglich in die Auswahl des Betriebes zu investieren und versuche so viel über das Unternehmen herauszufinden wie möglich. Es gibt leider einige Unternehmen, die keine adäquate Ausbildung anbieten, was dir die Ausbildung leider nur unnötig schwerer macht.

Woran du einen guten Ausbildungsbetrieb erkennst

Die Ausbildung wird deutlich leichter, wenn dein Betrieb echte Ausbildung ernst nimmt. Achte schon im Bewerbungsprozess auf konkrete Antworten.

Gute Zeichen sind:

  • Es gibt einen Ausbildungsplan oder zumindest klare Stationen.
  • Du hast eine feste Ansprechperson.
  • Azubis arbeiten an echten Aufgaben, aber nicht dauerhaft allein.
  • Fragen werden erwartet und nicht als Störung behandelt.
  • Berufsschule und Prüfungsvorbereitung werden ernst genommen.
  • Es gibt Feedbackgespräche und Zeit zum Lernen.

Warnsignale sind dagegen: “Bei uns lernst du einfach im Tagesgeschäft”, keine erkennbare Betreuung, dauerhaft nur Support ohne Lernziel oder Versprechen, die sehr allgemein bleiben. Wenn du mehrere Angebote hast, nimm nicht automatisch den bekanntesten Namen, sondern den Betrieb mit der besten Betreuung.

Was du vor Ausbildungsbeginn üben kannst

Du musst nicht vorher programmieren können. Es reicht, wenn du dir Grundlagen anschaust und herausfindest, ob dir die Arbeitsweise liegt.

Sinnvolle Vorbereitung:

  • ein kleines HTML- oder Python-Projekt ausprobieren
  • Linux-Befehle im Terminal üben
  • Begriffe wie IP-Adresse, DNS, Git und Datenbank grob verstehen
  • dich mit der gewählten Fachrichtung beschäftigen
  • früh lernen, eigene Notizen zu führen

Der wichtigste Skill ist nicht Vorwissen, sondern Lernfähigkeit. Wenn du regelmäßig nacharbeitest und Fragen stellst, ist die Ausbildung machbar.

Offizielle Quellen

AusbildungFachinformatikerTippsOrientierung
Portrait von Noel Lang

Noel Lang

Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, baut Lernplattformen für IT-Azubis und schreibt hier über alles rund um den IT-Berufseinstieg.

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